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„Untermiete reloaded“ : Wohnst du noch allein oder vermietest du schon?

Frankfurter Skyline: Bisher konzentriert sich das flexible Angebot vor allem auf Großstädte Bild:

Ein Zimmer für eine Nacht, ein Apartment fürs Wochenende: Es gibt Menschen, die den Kurzzeit-Vermieter in sich entdecken. Neben netten Kontakten schätzen viele auch das zusätzlich Einkommen - ohne dabei ans Finanzamt zu denken.

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          Untermiete. Warum auch immer, aber irgendwie klingt dieses Wort nach wie vor nach schmalen Betten in praktisch möblierten Zimmern. Nach einsamen Menschen mit bescheidenem Salär und strengen Hauswirten, die ihren Mietern im Flur missbilligende Blicke zuwerfen, wenn diese sich ins Bad schleichen. Das ist eigentlich Unsinn, denn in der hierzulande mittlerweile wohl häufigsten Form des Untermietverhältnisses, der Wohngemeinschaft, herrschen zumeist paritätische Verhältnisse, weswegen der Untermieter dort ja auch Mitbewohner heißt.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie dem auch sei, neuerdings scheint Untermiete angesagt. Im Zeitalter des Internets jedenfalls mühen sich einfallsreiche Geschäftsleute, diesem Vermietungsmodell ein Image zuzuschreiben, das angeblich zum polyglott-flexiblen Menschen passt wie Smartphone, Notebook und Facebook-Eintrag, cool ist statt piefig. „Untermiete reloaded“ – diese Neuauflage ist freilich nichts weiter als eine Variante des Herbergsbetriebs: das kurzzeitige Überlassen eines Privatzimmers oder Apartments an Gäste gegen Bezahlung. Das Modell in seinen Grundzügen ist schon lange erprobt. Die Mitwohnzentralen fingen einst so an. Längst legendär sind die „Messemuttis“ aus Hannover, die während der Computermesse Cebit Gäste in Jugendzimmern oder plüschigen Ehebetten beherbergten.

          Nicht mit jedem Besuch wird persönlich geplaudert

          Heute mieten sich junge Australier auf ihrer Hochzeitsreise durch Europa im Design-Schlafzimmer einer privaten Maisonette-Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg ein. Der Hamburger IT-Fachmann logiert im Gästezimmer einer Wohnung im noblen Frankfurter Westend, bis sein Auftrag bei einer Bank beendet ist. Und die fünfköpfige Familie auf Städtereise nach Barcelona bucht für vier Nächte gleich die ganze Etage eines Jugendstil-Altbaus im Herzen der katalanischen Metropole. Wieder zurück, denkt so mancher darüber nach, ob er nicht auch ab und an selbst vermieten könnte.

          So wie Jörg und Annika Schmal. Die Frankfurter waren 2009 für einige Tage in London, wo sie bei einem anderen jungen Paar wohnten. Gebucht hatten sie die Unterkunft über die Seite des amerikanischen Vermittlungsdienstes Airbed and Breakfast (Luftmatratze und Frühstück), genannt Airbnb. Auf dessen Seiten kann man die Angebote für einen gewünschten Zeitraum begutachten, die die Vermieter mit kleinen Texten und Fotos präsentieren. Bewertungen, sofern vorhanden, und die im Netz üblichen Freundschaftsbekundungen gehören dazu. Bei Gefallen schickt man eine Anfrage und kann vorab online mit den Gastgebern kommunizieren. Bezahlt wird an das Unternehmen, das den Betrag 24 Stunden nach der Ankunft an den Vermieter weiterreicht.

          „Super sympathisch“ seien die Londoner Gastgeber gewesen, erinnert sich Jörg Schmal. Man habe sogar zusammen gekocht. Nach der Rückkehr entschlossen er und seine Frau sich ebenfalls, ein weitgehend ungenutztes Zimmer in ihrer Wohnung über besagtes Portal anzubieten. Dauerhaft untervermieten wollen sie aber nicht. „So haben wir zwischendurch unsere Ruhe und können entscheiden, ob wir jemanden aufnehmen wollen oder nicht.“ Wobei nicht mit jedem Besuch persönlich geplaudert wird. „Das ergibt sich oder nicht“, sagt Schmal. Neben netten Kontakten mit Menschen aus aller Welt schätzt das Ehepaar auch das zusätzliche Einkommen. Rund 45 Euro verlangt es pro Nacht. Bei erfolgreicher Vermittlung kassiert der Vermittler 3 Prozent. Vermietet das Ehepaar mehrere Tage im Monat, kommt rasch eine ansehnliche Summe zusammen, die die eigene Monatsmiete mindert.

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