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Kolumne Hütten und Paläste : Wer den Handwerker in sich entdeckt, lernt viel über das Leben

Autsch: Nicht jeder Schlag mit dem Gummihammer ist ein Treffer. Bild: Claus Setzer

Den Handwerker in sich entdecken – das wollte unser Autor. Doch wer zum ersten Mal ein großes Projekt angeht, lernt viel über das Leben. Und über sich selbst.

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          Heimwerken ist der neue Sex. So suggerieren es die Werbebotschaften vieler Baumarktketten. Egal was die Protagonisten in den Fernsehspots auch anfassen, immer fließt Schweiß. Dafür sind am Ende alle sehr zufrieden. Der Alltag eines Ab-und-zu-Handwerkers sieht unaufregender aus. Eine Lampe, ein Bild, einen Spiegel aufzuhängen oder einen Schrank nach der Bedienungsanleitung einer nordischen Möbelkette aufzubauen ist ja auch Schwarzbrot – und vom Glamour-Faktor à la „Mach Dein Ding“ oder „Mach es zu Deinem Projekt“ ganz schön weit entfernt. Spannend wird es, wenn doch mal ein größeres Vorhaben ansteht, zum Beispiel, in einem Dachgeschoss einen Parkettboden zu verlegen. Noch spannender wird es, wenn es ums erste Mal geht.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Fragt ein Parkettnovize dann alte Hasen des Bodenverlegens, wie das denn überhaupt funktionieren soll mit Dampfbremse, Nut und Feder, Zugeisen, Gummihammer oder Kapp- und Gehrungssäge, kommt schnell der Hinweis auf einschlägige Videoportale im Internet. In der Tat sind dort zahlreiche Filme abrufbar, die minutiös erklären, wie viele Parkettdielen und welche Werkzeuge der Heimwerker braucht. Dann erläutern sie Schritt für Schritt das Vorgehen, von der Vorbereitung des Bodens bis zum Finish mit Sockelleisten. Keine Frage, die meisten Video-Tutorials sind sehr gut gemacht und gerade für den Neuling äußerst informativ. Doch sie haben auch einen Nachteil.

          Das Problem ist, dass manche Filme die heile Welt eines makellosen Neubaus vorgaukeln. In dieser Umgebung des perfekten 90-Grad-Winkels und der ebenen Fläche ist Parkettverlegen wahrscheinlich wirklich recht leicht. Wenn aber der Unterboden in der Realität schief und zudem alle Wände krumm sind und wenn dann noch in der Mitte des Dachgeschosses ein Schornstein nach oben hinausführt, landet der reale Heimwerker schnell auf einem ziemlich harten Untergrund: dem Boden der schmerzlichen Selbsterkenntnis, wo die eigenen handwerklichen Grenzen liegen.

          Dort angekommen, lässt sich nach knapp 40 Quadratmetern Parkettboden folgender Schluss ziehen: Es ist viel Schweiß geflossen und etwas Blut aus einem aufgeschlagenen Daumen, Stichwort: Zugeisen und Gummihammer. Die Zufriedenheit hat sich aber nicht eingestellt. Jede Lücke, jede Diele, die nicht exakt an der nächsten liegt, schmerzt bis heute, ein wenig so wie der Daumen damals. Ganz zu schweigen von den Bodenwellen wegen des schiefen Estrichs. Die beste Lösung wäre es, alles noch mal rauszureißen und ganz von vorn anzufangen. Da das nun nicht mehr geht, wird der Boden jetzt so lange genutzt, bis er kracht. Erst dann geht es von vorn los, aber diesmal wenigstens mit etwas Erfahrung.

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