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Tiny Houses : Klein, aber mein

Das hat auch Lisa Koßmann vor. Die 26 Jahre alte Studentin und Gamerin aus Karlsruhe ist eine typische Vertreterin der Minihaus-Bewegung. Als sie Anfang 2017 auf Wohnungssuche ging, war sie erstaunt, wie sehr sich die Mieten binnen kurzer Zeit erhöht hatten. Zudem dachte sie grundsätzlich darüber nach, wie sie in Zukunft wohnen wollte. Ein Kleinsthaus aus Holz, das kaum Platz verbraucht und keine Fläche versiegelt, passt für die Veganerin perfekt zu ihrem Lebensstil. Dazu kommt das Versprechen, sich mit der mobilen Behausung unabhängig von den Zwängen des Marktes zu machen und, je nach Arbeitsplatz, einfacher den Wohnort wechseln zu können.

Naturnah, ressourcenschonend und autark

Im April vergangenen Jahres hat sie begonnen, ein Tiny House als Selbstbauprojekt zu planen, und berichtet seitdem auf ihrem Youtube-Kanal („Nessa goes wild“) über Erfahrungen und Baufortschritt. Dort räumt die Video-Bloggerin mit manchem Mythos auf. Etwa dem von der großen Freiheit, die das transportable Haus verheißt. Denn einfach das Haus ans Auto hängen und auf zu neuen Zielen – so geht es leider nicht. Die Rechtslage ist in Deutschland komplizierter. Darauf hat auch der Verband Privater Bauherren (VPB) jüngst hingewiesen, ein weiteres Indiz dafür, dass die Tiny-House-Nische eine relevante Größe erreicht hat. Das Gesetz, belehrt der VPB, unterscheidet zwischen Häusern und Fahrzeugen. Soll ein Tiny House auf die Straße, gelten dieselben Zulassungs- und Versicherungspflichten wie bei einem Campingwagen. Dann empfiehlt sich auch eine Haustechnik wie für Caravans. Außerdem müsse man die gesamte Einrichtung vor Abfahrt sichern, gibt Baufrau Koßmann zu bedenken, was ziemlich aufwendig ist.

Für alle, die das Minihaus ganzjährig bewohnen wollen, ist ein Baugrundstück zwingend. „Das ist der Knackpunkt“, stellt Puhane klar. „Auch wenn viele andere Meinungen kursieren, einfach am Waldrand oder am Fluss wohnen kann man nicht.“ Und: Steht das Minihaus als richtiger Wohnsitz auf einem Grundstück, muss es dort genehmigt werden wie jedes normale Wohnhaus. „Ob das klappt, hängt vom Sachbearbeiter auf dem Bauamt ab“, weiß Puhane und sieht die Lösung zukünftig in Tiny-House-Siedlungen, von denen erste gerade entstehen.

Um die 100.000 Euro für 30 Quadratmeter Wohnfläche

Lisa Koßmann baut seit Oktober an ihrem mobilen Zuhause. Klappt alles, wird sie Ende des Sommers einziehen. Knapp 23 Quadratmeter misst das Minihaus der Gamerin. Angesichts der geringen Fläche hat sie hinsichtlich der Raumnutzung Prioritäten setzen müssen. Da ihr zwei kleine Herdplatten nicht reichen würden, hat sie für die Küche mehr Platz eingeplant und sich für ein normal großes Kochfeld nebst Backofen entschieden, dazu eine Spülmaschine für den Single-Haushalt. Auch die Dusche hat Standardgröße. „Wer andere Lösungen sucht, kann sich auch im Camping-Bereich umsehen“, rät die Minihaus-Bauerin.

Das Tiny House verspricht einen anderen Lebensstil.

Insgesamt 35.000 Euro wird sie ihr kleines Eigenheim inklusive der kompletten Einrichtung kosten, schätzt Koßmann. Damit liegt sie am unteren Ende der Preisskala – und bekommt vergleichsweise viel Haus für wenig Geld. Der zeitliche Aufwand allerdings ist erheblich. „Allein gute Planung braucht Zeit“, sagt sie. Der Auf- und Ausbau aber ebenso: „Wenn man nicht kontinuierlich dranbleibt, zieht sich das schnell jahrelang.“ In der Spitze kosten Tiny Houses um die 100.000 Euro – je nach Ausstattung und Größe. Mehr als 30 Quadratmeter Wohnfläche lassen sich aber in einem einzelnen Minihaus kaum unterbringen.

Einen Standort hat Lisa Koßmann noch nicht, allerdings schon einige Grundstücke im Auge, von denen sie vermutet, dass die Besitzer sie nicht so bald bebauen werden und sie ihr möglicherweise für einige Jahre zur Pacht überlassen. Wie lange sie dann wohl im Minihaus wohnen wird? „Keine Ahnung“, sagt die Sechsundzwanzigjährige. Anhaltspunkte zur durchschnittlichen Wohndauer gibt es bei der noch jungen Wohnform nicht. „Es ist für eine Lebensphase, wie jede andere Behausung ja auch“, sagt Brendan Thome vom Anbieter Tech Tiny House. „Ob die eher kürzer oder länger währt, muss man mal abwarten.“

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