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Tillandsien : Mehr als Luft und Liebe

Das erste Bromeliengewächs fand Ende des 15. Jahrhunderts seinen Weg nach Europa: Kolumbus brachte von seiner zweiten Amerika-Reise eine Ananas nach Spanien mit. Die Gattung Tillandsia selbst hat 1753 der schwedische Naturforscher Carl von Linné aufgestellt. Er benannte sie nach seinem Freund Elias Tillandz, einem finnischen Botaniker. Einer Legende nach wurde dieser auf einer Reise von Turku nach Stockholm so seekrank, dass er den Rückweg lieber zu Fuß auf sich nahm. Linné soll den Gattungsnamen gewählt haben, weil er dachte, dass Tillandsien genau wie sein Freund kein Wasser vertragen.

Vielleicht war das Wasser aber einfach zu hart. Denn das mögen die Luftnelken gar nicht. „Auf die Qualität und Härte des Wassers zu achten ist am wichtigsten“, sagt Stolten. Denn ist zu viel Kalk im Sprühwasser, so bleibt er auf den Blättern zurück und verstopft dort die Saugschuppen. Die Pflanze kann keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen und geht ein. „Am besten verwendet man zum Besprühen weiches Regenwasser“, rät der Experte. Hat man keines zur Hand, empfiehlt Stolten, Leitungswasser mit destilliertem Wasser zu strecken. „Ausschließlich destilliertes Wasser sollte man nicht verwenden, denn so entzieht man den Pflanzen über die Exosmose sogar noch Nährstoffe.“ Alle paar Wochen kann man außerdem einige Tropfen Flüssigdünger für Orchideen und Tillandsien in die Sprühflasche geben.

An ihren natürlichen Standorten saugen sich Tillandsien nachts und morgens mit Tau voll, tagsüber trocknen sie. Wie häufig man sie zu Hause im Wohnzimmer mit Wasser besprühen sollte, wie viel Licht sie brauchen und an welchem Standort sie am besten gedeihen, hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem aber davon, um welche Art es sich genau handelt und woher sie stammt. „Wenn man eine Tillandsie kauft, sollte man den kompletten lateinischen Namen herausfinden und die Pflegehinweise für die jeweilige Art beherzigen“, rät Stolten. „Außerdem sollte man nur Pflanzen kombinieren, die aus der gleichen Klimazone stammen.“

Luftnelken sitzen nicht gern im Glaskasten

Damit gerade graue Luftnelken sich auch im Wohnzimmer wohl fühlen, brauchen sie viel Licht: „Das Hauptproblem in Innenräumen ist, dass die Sonne ausschließlich durchs Fenster in den Raum fällt. So wird die Tillandsie nur von einer Seite beschienen“, sagt Stolten. Deshalb sollte man die Pflanzen im Sommer, etwa von Mai bis September, am besten nach draußen hängen. Dort bekommen sie von allen Seiten Licht, Luft und auch mal einen Regenschauer ab. Von Mitte September an holt man sie wieder herein.

Im Winter bauen die Pflanzen wegen des Lichtmangels oft ab. Außerdem setzen viele Pflanzenbesitzer den Tillandsien in der kalten Jahreszeit damit zu, dass sie es mit dem Wasser etwas zu gut meinen – die Gewächse faulen und gehen ein. „Wenn man die Pflanzen aufmerksam beobachtet, bekommt man mit der Zeit ein Gefühl dafür, wie oft man sie einsprühen muss. Das kann im Hochsommer täglich sein und im Winter nur alle paar Wochen. Verlieren grünlaubige Arten ihren Blattglanz, ist das ein guter Indikator dafür, dass sie Wasser brauchen.“ Trockenheit halten Luftnelken besser aus als übermäßige Nässe. Ist die Luftfeuchte im Raum aber immer sehr gering, verdursten sie.

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