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Stadtteile im Wandel : Im Frankfurter Osten viel Neues

Die EZB ist nocht nicht da, ihre Nachbarschaft aber schon gewachsen: das Neubaugebiet an der Oskar-von-Miller-Straße Bild: Nora Klein

Das Ostend war lange Zeit das Stiefkind unter den Innenstadtvierteln. Nun entstehen Wohnviertel im Zeichen der Industrieromantik, soziale Mileus verändern sich. Das bleibt nicht ohne Auswirkung auf die Mieten.

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          „Lackmustest“, sagt Frank Otters knapp. Der Makler von Corpus Sireo steht im Dachgeschoss der früheren Lencoryt-Spinnerei am Frankfurter Osthafenplatz und blickt durch eine der Luken Richtung Süden hinab auf einen Transporter, der über die Lindleystraße brettert, auf die Containerhalden und die Sandberge der Hafeninsel, auf den großen Parkplatz von Raab Karcher, auf den Main. „Das hier wird der Lackmustest für das, was an diesem Standort nicht geht, und das, was angenommen wird.“

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Otters führt alle Kaufinteressenten hinauf unters Dach, um ihnen den Blick auf den Hafenbetrieb zu zeigen. Denn der gehört zur Nachbarschaft der „Eastside Lofts“, in die die Berliner Premium Estate Group die denkmalgeschützte Spinnerei verwandeln will. Im Erdgeschoss sollen Büros, in den oberen Etagen wie auch im geplanten Neubau zum Hafen hin 75 bis 250 Quadratmeter große Wohnungen entstehen.

          Klientel mit Faible für Industrieromantik

          Der Anblick des Hafens ist nicht jedermanns Geschmack. Hier tänzeln auf den Wellen des Mains keine schicken Yachten, noch geht es zu Lande beschaulich zu. Im Osthafengebiet brummt, rasselt, scheppert es werktags - nicht ohrenbetäubend, aber beständig. Gleich ums Eck, auf der Hanauer Landstraße, klingeln sich Straßenbahnen ihren Weg zwischen den mehrspurigen Fahrbahnen für die Autos frei. Die Achse, für Fußgänger eine Herausforderung, hat sich in den vergangenen zehn Jahren immerhin den Ruf einer Ausgehmeile erworben: Restaurants und Clubs haben sich angesiedelt, ebenso Hotels. Vermarktungsprofi Otters setzt auf eine Klientel mit Faible für Industrieromantik: „So zu wohnen, das muss man mögen.“

          Osthafen: Aus der früheren Spinnerei sollen „Eastside Lofts” werden

          Die Gegend vom Ostbahnhof stadtauswärts hat als Wohnstandort in Frankfurt keine Tradition. Sie ist die rauheste im ganzen Ostend. Erst im Sommer hatte die Stadt nach monatelangen Beratungen entschieden, der Premium Estate Group, die rund 28 Millionen Euro in die Eastside Lofts investieren will, den Bau zu genehmigen. Nicht alle im Viertel sind sich sicher, ob es gutgeht, wenn Wohnen und Gewerbe so dicht beieinander liegen. Das Vorhaben der Berliner passt den Stadtplanern allerdings ganz gut ins Konzept, denn nicht weit von der alten Lencoryt-Spinnerei liegt der alte Großmarkt, auf dessen Gelände die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Hochhaus baut.

          Schlechter Bahnhof - schlechtes Image

          Seit davon die Rede ist, dass die EZB hierher zieht, befindet sich das gesamte südliche Ostend im Auf- und Umbau. Von 2014 an sollen 1400 Mitarbeiter in dem neuen Hochhaus arbeiten. „Nur wenige werden hier eine Wohnung suchen, aber die brauchen Infrastruktur“, sagt Otters. Das sieht auch sein Maklerkollege Ralph Schonder so. Dass an der Hanauer Landstraße unlängst die Restaurantkette Vapiano eine Filiale und Fitness First einen Premiumklub eröffnet haben, ist für den geschäftsführenden Gesellschafter von NAI Apollo Living ein kleines Zeichen für den Wandel des Viertels.

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