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150 Jahre Fritz Hansen : Sie kriegen die Kurve

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Früh experimentierte Hansen mit Schichtholz aus verleimten Furnierlagen – später entwickelte Arne Jacobsen daraus die legendären Schalenstühle „Ameise“. Bild: Fritz Hansen

Der Möbelhersteller Fritz Hansen hat Ikonen des dänischen Designs geschaffen. Gegen die günstigere Konkurrenz versucht er mit Langlebigkeit zu punkten.

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          Es ist diese perfekte Rundung, die vielleicht mehr als alles andere für Fritz Hansen steht. Wie mit einem weit ausholenden, zügigen Strich gezeichnet, spannt sich die Rü­ckenlehne in einem Bogen auf. Aus der vollrunden Unterseite kommend, nimmt die Kurve Anlauf und schwingt sich bis zum oberen Abschluss der Lehne. Der „Egg“-Sessel wurde nicht umsonst nach der ebenso perfekten Rundung des Eis benannt – und vielfach zitiert oder kopiert. Wer Arne Jacobsens Sessel einmal gesehen hat, erkennt ihn sofort wieder – so einfach und zugleich sinnfällig ist die Form der Sitzschale. Armlehnen, Öhrchen und Kopfpolster wachsen wie selbstverständlich aus der Gesamtform heraus und wollen einen umarmen. Und Jacobsens Entwurf von 1958 löst das Versprechen der einladenden Geste auch wirklich ein. Der Sessel ist wirklich bequem, man fühlt sich darin geborgen und beschützt. Und: Die perfekte Form trifft auf eine ebenso perfekte Verarbeitung. Wenn Fritz Hansen zu seinem 150. Geburtstag für sich in An­spruch nimmt, das Außergewöhnliche zu gestalten – „Shaping the Extraordinary“, so lautet der Claim im Original –, dann sind es vor allem Jacobsens Meisterwerke im organischen Stil wie die „Egg“- und „Swan“-Sessel oder die Stühle der 7er-Serie, die diesen Anspruch begründen.

          Die Konkurrenz um originelles Design ist größer geworden

          „Wir stehen für außergewöhnliches Design“, bekräftigt Josef Kaiser, seit 2020 Geschäftsführer von Fritz Hansen. „Wir wollen keine Mainstream-Produkte, das passt nicht zu uns. Die Produkte dürfen eine Richtung vorgeben, sie sollen überraschen. Dennoch sollen sie als Fritz Hansen erkennbar sein.“ In 150 Jahren Firmengeschichte hat der mutmaßlich älteste noch existierende Möbelhersteller Dänemarks eine Reihe solcher richtungsweisender Produkte auf den Markt gebracht. Natürlich die Entwürfe des Architekten und Designers Jacobsen, aber auch Möbelstücke seiner Kollegen Poul Kjærholm, Kaare Klint oder Hans J. Wegener. Bis heute bilden sie das Fundament des Unternehmens, wirtschaftlich wie ideell.

          Der „Egg“-Sessel im organischen Stil gilt als Markenzeichen von Fritz Hansen.
          Der „Egg“-Sessel im organischen Stil gilt als Markenzeichen von Fritz Hansen. : Bild: Fritz Hansen

          Doch anlässlich des runden Geburtstags in diesem Jahr stellt sich die Frage, wie auf diesem Fundament die Zukunft aufgebaut werden kann. Denn die Welt ist nicht mehr so klar und übersichtlich wie in der Hochzeit der dänischen Moderne in den 1950- und 1960-Jahren, als viele der Klassiker entstanden. Zwar gehören die nordischen Länder, allen voran Dänemark, auch heute zu den impulsgebenden Orten auf der Landkarte des Designs. Das zeigten die 3 Days of Design in Kopen­hagen gerade eindrucksvoll. Doch das Ge­schäft ist schneller und internationaler geworden, viel mehr große und kleine Marken und Hersteller kämpfen um Aufmerksamkeit und Marktanteile. Gleichzeitig ist originelles Design von namhaften Gestalterinnen und Gestaltern heute günstiger zu haben, dank digitaler Vermarktung und Produktion in Billiglohnländern au­ßerhalb Europas. Die Kopenhagener Konkurrenz rund um Hay und Muuto hat es in den letzten zwanzig Jahren bewiesen, immer neue Marken folgen ihrem Vorbild. Ein so traditionsreicher Hersteller wie Fritz Hansen lief zu­letzt Gefahr, alt auszusehen neben den jungen, frischen Konkurrenten.

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