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Sicherheit : Der Feind in meinem Haus

  • -Aktualisiert am

Wo ein Wille ist, ist oft auch ein Weg Bild: dpa

In den dunklen Monaten steigt die Zahl der Einbrüche. Das Bewusstsein, dass jemand in die Privatsphäre eingedrungen ist, belastet viele Betroffene noch lange Zeit danach. Dabei gibt es Möglichkeiten, die eigenen vier Wände zu schützen.

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          Frank Haller hatte die Tür nur zugezogen: „Da war es für den Einbrecher natürlich ein Leichtes, in unsere Wohnung reinzukommen“, räumt der junge Familienvater selbstkritisch ein. Zwar hatte es der Dieb nur auf ein Notebook abgesehen, doch weil auf diesem Hunderte Hochzeitsfotos gespeichert waren, ist der Verlust immens. „Das war das Schmerzlichste, wir hatten die Bilder ja nirgends sonst gesichert“, sagt Haller und ergänzt: „Außerdem fühlten wir uns in den ersten Wochen nach der Tat in unserer Wohnung unwohl. Wir haben uns ständig überlegt, wo der Einbrecher noch überall seine Finger drin gehabt haben könnte.“

          Wie dem 34-Jährigen und seiner Frau geht es den meisten Opfern von Wohnungseinbrüchen. Das Bewusstsein, dass jemand in die Privatsphäre eingedrungen ist, belastet viele noch nach Monaten, manche sogar nach Jahren. Der tatsächliche Verlust an Wertsachen und der vom Täter angerichtete Sachschaden sind oftmals gering im Vergleich zu den emotionalen Langzeitfolgen. Ihm sei da erstmals so richtig bewusst geworden, wie wichtig ein geschützter Raum ist, berichtet Rechtsanwalt Haller.

          „Nicht bei mir!“

          Mehr als 113.000 Wohnungseinbrüche im ganzen Land registrierte die Polizeiliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr - 5 Prozent mehr als 2008. Allerdings blieb es in rund 38 Prozent der erfassten Fälle bei dem Versuch, in eine Wohnung oder in ein Haus einzubrechen. Das spreche für die positive Wirkung von Präventionsmaßnahmen, gibt man sich bei der Polizei überzeugt. Von Seiten der Initiative „Nicht bei mir!“, in der Verbände der Sicherheitswirtschaft gemeinsam mit der Polizei für aktiven Einbruchschutz werben, heißt es, dass vier von zehn Einbrüchen scheiterten, weil Hauseigentümer und Mieter ausreichend Vorkehrungen getroffen hätten. Wilfried Plohmann geht noch weiter: „98 Prozent der Gelegenheitstäter lassen sich durch geprüfte einbruchhemmende Elemente von ihrem Tun abhalten“, schätzt der Kriminalhauptkommissar vom Beratungszentrum der Polizei in Trier und warnt: „Sich auf den Standpunkt zu stellen, dass es hundertprozentigen Schutz ohnehin nicht gibt und man deshalb gar nichts machen müsse, halte ich für absolut fahrlässig“.

          Das Thema Sicherheitstechnik im Eigenheim habe in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen, meint derweil der Trierer Architekt Georg Otto Kersch: „Die Frage nach der Sicherheit wird von den Bauherren eigentlich immer gestellt.“ Kersch plante mehrere Häuser in einem der schickeren Wohnquartiere der Moselstadt - einer jener Siedlungen, die wie aus der Retorte entstanden. „Da existiert dann kaum noch nachbarschaftlicher Schutz“, gibt der 52-Jährige zu bedenken. Geänderte Lebens- und Arbeitsgewohnheiten haben zur Folge, dass Häuser und Wohnungen oft bis in die späten Abendstunden hinein unbeaufsichtigt bleiben. Die Zeiten, als mit Einbruch der Dunkelheit in fast jedem Haus Licht brannte, sind jedenfalls passé. Eine gute Nachbarschaft kann den Schutz erhöhen, bestätigt die Polizei, doch ohne mechanische Schutzmaßnahmen, allen voran an Türen und Fenstern, gebe es keine Sicherheit. Hierbei gilt: Der einfachste Weg in ein Einfamilienhaus führt noch immer über Terrassen- und Balkontüren. Laut der „Kölner Studie“, in der auch die Arbeitsweisen von Einbrechern untersucht wurden, steigen 80 Prozent der Täter über Fenster und Fenstertüren ein.

          Diese Erfahrung machten auch Myriam und Dieter Speck: Als sie nach Hause kamen, stellten sie fest, dass ihre Haustüre von innen mit dem Vorhängeschloss verriegelt war; die Einbrecher, die über die Terrassentür eingestiegen waren, hatten Vorkehrung getroffen für den Fall, dass die Wohnungsbesitzer früher als erwartet nach Hause zurückkehren sollten.

          Das Zuhause als Sicherheitstrakt

          Experten sehen bei Fenstern und Türen den größten Handlungsbedarf (siehe Kasten), zumal Einbrecher ganz nüchtern den wahrscheinlichen Zeitaufwand kalkulieren, der nötig ist, um in eine fremde Wohnung einzudringen. Lässt sich ein Fenster mit einem Schraubendreher aufdrücken, ist die Hemmschwelle naturgemäß niedriger als bei einem Haus, dessen Fenster mit einbruchhemmenden Beschlägen und Glas ausgestattet sind. Wird dem Einbrecher auf Anhieb klar, dass er beim Einstieg auf spürbaren Widerstand stoßen würde, bläst er sein Vorhaben eventuell ab. Doch noch viel zu oft wird es den ungewollten Eindringlingen zu leicht gemacht: Fenster auf Kippe und raus aus dem Haus, nennt Kriminalhauptkommissar Plohmann eine der Verhaltensweisen, die Tätern den Weg ebnen: „Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“, ergänzt er. Dass viele Menschen zudem ihre Haus- und Wohnungstüren lediglich zuziehen, anstatt sie richtig abzuschließen, kommt den Einbrechern ebenfalls entgegen.

          Manche Opfer werden selbst aus Schaden nicht klug, zumindest nicht auf Anhieb. Als Frank Haller und seine Frau in eine neue Wohnung gezogen waren, passierte es ein zweites Mal. Er war auf der Arbeit, sie für eine halbe Stunde Erledigungen machen. Abermals war die Tür nur zugezogen, hatte der Einbrecher leichtes Spiel. Binnen kürzester Zeit war der Täter in der Wohnung, wo er Familienschmuck sowie eine größere Menge Bargeld entwendete. „Da waren wohl Profis am Werk“, mutmaßt Haller, sie hätten sich nun noch ein Stück weit unwohler in den eigenen vier Wänden gefühlt. Schließlich hatte offenbar jemand gezielt ihr Leben ausgekundschaftet und den richtigen Zeitpunkt abgepasst. „Heute schließen wir zweimal ab“, berichtet Haller. Doch er sagt auch: „Wir sind jetzt nicht paranoid geworden.“

          Tatsächlich kommt wirksamer Einbruchschutz einer Gratwanderung gleich. Zwischen ausreichenden und übertriebenen Vorkehrungen ist es ein weites Feld. Manche rüsten ihr Zuhause zum Sicherheitstrakt um, samt Kameraüberwachung an allen Ecken und Enden des Grundstücks und Gefahrenabwehranlagen. Architekt Kersch sieht die Gefahr, dass übertriebene Maßnahmen die Unsicherheit nur erhöhen. „Wenn ich mich immer und immer wieder mit dem Schutz meines Hauses beschäftige, impliziert das, dass ich nie hundertprozentig sicher sein kann.“

          Schloss und Riegel

          Nur etwas mehr als jeder zehnte Einbrecher, der in ein Einfamilienhaus eindringt, kommt durch die Haustüre. Dabei spielten anspruchsvollere Techniken wie Zylinderziehen eine eher untergeordnete Rolle, heißt es in der „Kölner Studie“. Dennoch sollten Haus- und Wohnungstüren gewappnet sein, und zwar als Ganzes. Schloss und Schließzylinder müssen so widerstandsfähig sein, dass sie sich weder aufbohren noch abbrechen oder ziehen lassen. Damit auch niemand mit einem nachgemachten Schlüssel eindringen kann, empfiehlt es sich, einen Schließzylinder mit Sicherungskarte anzuschaffen. Um den Schließzylinder gegen Ziehen oder Durchschlagen zu schützen, sollte zusätzlich ein einbruchhemmender Schutzbeschlag angebracht werden. Zusatzschlösser können weiteren Schutz bieten.

          Fenster und Gläser

          Fenster und Fenstertüren rangieren bei den Schwachstellenanalysen der Polizei ganz weit vorne - vor allem, wenn sie hinten liegen, also auf der Rückseite des Hauses. Gerade Fenster im Parterre oder solche, an die man ohne viel Aufwand von außen gelangen kann, sollten über abschließbare Fenster und Türgriffe verfügen. Vor allem aber empfehlen Experten, dass Fenster und Fenstertüren über innen liegende und mit mehreren Pilzkopfzapfen versehene Beschläge verfügen. Auch der Faktor Glas ist nicht zu unterschätzen. Zwar dringen die allerwenigsten Einbrecher durch eine eingeschlagene Scheibe ins Innere des Hauses ein, doch in immerhin fast 5 Prozent der Fälle wird versucht, durch eine Öffnung im Fenster an den Tür- oder Fenstergriff zu gelangen. Hier können einbruchhemmende Verglasungen helfen. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft hat aus seiner Sicht geeignete Fenster mit dem „VdS-Zeichen“ ausgezeichnet.

          Täuschen und Schützen

          In neun von zehn Fällen kommen die Täter bei Abwesenheit der Bewohner. Das ist nicht wirklich überraschend, doch laut „Kölner Studie“ ist es ein Irrglaube anzunehmen, dass die eigenen vier Wände vor allem während der Urlaubszeit besonders gefährdet seien.

          Tatsächlich steigen die Einbruchzahlen vor allem in den dunklen Monaten des Jahres, und neben einem wirksamen mechanischen Einbruchschutz können beispielsweise gezielt installierte Bewegungsmelder und Scheinwerfer potentiellen Tätern den Schutz der Dunkelheit verhageln. Bewohner sollten außerdem Anwesenheit vortäuschen, etwa dadurch, dass sie das Garagentor auch bei Abwesenheit abschließen oder im Innern des Hauses die Beleuchtung mit Hilfe von Zeitschaltuhren steuern. Diese Täuschung funktioniert indes nur, wenn nicht gleichzeitig der Briefkasten überquillt oder die Rollläden über Tage und Wochen unten bleiben.

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