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Schöner Wohnen : Deko ist für sie ein Schimpfwort

Dass ihr Weiß besonders gut gefällt, ist im Haus der Einrichtungsexpertin offensichtlich. Bild: Sonia Folkmann

Warum ein schönes Zuhause keine Frage des Geldes ist. Ein Besuch bei der Wohnexpertin Martina Goernemann.

          5 Min.

          Platz ist in der kleinsten Hütte. Das klingt keck in Ohren von Menschen, die zwei Zimmer ihr eigen nennen und Probleme mit dem Stauraum haben. Wohin mit dem Bügelbrett, wohin mit Wasserkisten? Unter die Matratze, ins zugerümpelte Schrank-Eck? Die meisten Leute, hat Martina Goernemann beobachtet, „packen alles ins Schlafzimmer, weil das keiner sehen soll“. Ausgerechnet der Ruheraum gerät dann zur Rumpelkammer, der Blick vom Bett führt direkt auf den Stapel unerledigter Steuerpapiere. Na dann gute Nacht.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Die Autorin, die sich auf das große Thema Einrichten im allerweitesten Sinne spezialisiert hat, verbannt Bügelbretter von der Bettstatt. „Sich in seinem Zuhause gut einzurichten, das hat nichts mit Geld zu tun.“ Davon ist sie felsenfest überzeugt. Und das ist in gewisser Weise die Mission der temperamentvollen Wahlmünchnerin. Ihr Zuhause, dessen wohnliche Räume und originelle Stillleben es in Bildbände geschafft haben, sei zu weiten Teilen mit Flohmarktfundstücken eingerichtet. „Vernünftig ist wie tot, nur vorher“, steht auf einer Tür.

          Ihre zweite These, die sie vehement vertritt: Man sollte es sich so hübsch wie möglich machen. „Mach es dir schön, weil du es dir wert bist. Iss den Käse nicht aus der Verpackung, hol den Teller raus, der dir gefällt. Wie der aussieht, das ist dann nicht mein Thema. Selbstverständlich schreibe ich das niemandem vor.“ Sich an unschöne Anblicke gewöhnen mache nicht froh. Das tun aber viele, die monatelang mit einer nackten Birne an der Lüsterklemme leben und einem unausgepackten Umzugskarton.

          „Nicht eng wie Wursthüllen“

          In ihren Wohnworkshops, die die Bloggerin auch in ihrem Privathaus gibt, stellen die Teilnehmer viele Fragen. Zum Beispiel, wie man sich vom kleinen Budget den großen Wunsch nach einem blauen Sofa erfüllen kann. „Ich kann mir kein Sofa leisten, aber ich kann mir eine Husse nähen oder eine Freundin darum bitten“, rät die Wohnexpertin. So verschönert sie unansehnliche Stühle mit Überzügen, schön locker, „nicht eng wie Wursthüllen“. Sie liebt weißes, altes Leinen und wehrt entsetzte Nachfragen nach Schokokinderhänden und Streifzügen von Kater Nachos auf dem lichten Linnen ungerührt ab:. „Die Hussen haut man bei 90 Grad in die Waschmaschine.“

          Der Klassiker: „Ich habe so einen braunen Schrank, den finde ich schrecklich, aber mein Mann sagt, der geht noch.“ Geht irgendwie noch – das Argument lässt die Seminarleiterin nicht gelten. „Man muss lernen, sich von Sachen zu trennen, wenn sie die Laune verderben.“

          Was oft zu einem guten Wohngefühl verhilft, ist der beherzte Griff in Farbtöpfe. Ihre Workshopteilnehmer lässt sie mit kleinen Schemeln beginnen. „Geht auf den Flohmarkt und kauft einen Stuhl für 4 Euro.“ Mit jedem Pinselstrich wachse der Mut. „Mut ist ein Muskel, den kann man trainieren. Die Leute sind so stolz auf sich, dann ist vor ihnen nichts mehr sicher und der Bann gebrochen.“ Stolz ist sie auf die ältere Teilnehmerin, die sich mit ihren 75 Jahren darangemacht hat, ihre Einbauküche neu zu streichen. Eine Wand grün zu streichen sorge für Schwung und sei nicht für die Ewigkeit. „Die warnenden Sätze, das müsse man später zu oft überstreichen, sollte man aus dem Kopf haben.“ Allzu bunt solle man es nicht treiben. „Bleibt man bei einer Farbwelt, hat man Ruhe, es sei denn, man liebt Frida Kahlo oder hat Freude an indischen Bazaren.“

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