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Penthäuser in Berlin : Berlin: Exoten ganz oben

  • -Aktualisiert am

Hochhausmeer im Märkischen Viertel Bild: Andreas Pein

Ein Penthaus in der Sozialbausiedlung? In Berlin gibt es eine ganze Reihe solcher Ateliers, ob im Märkischen Viertel oder auf den Dächern der Plattenbauten in Friedrichshain.

          5 Min.

          Großsiedlungen der Nachkriegszeit gelten nicht gerade als lauschig. Und doch finden sich auch dort entlegene Winkel, die man gar nicht vermutet: Gärten auf Hochhausdächern, Ateliers und schwebende Terrassen – da, wo sich die Dachpappe vor Hitze wellt und der Wind noch trockener pfeift als sonst üblich in der Stadt. Es sind keine luxuriösen Penthäuser, sondern einstige Wohn- und Arbeitswürfel für Künstler hoch über den Sozialbauvierteln. Auf Berliner Dächern sind einige solcher Exoten zu finden.

          Die Familie Osterberg zum Beispiel lebt im Märkischen Viertel im 14. Stock. Ganz oben im Haus und ganz oben in Berlin. Das Viertel liegt an der nördlichen Stadtgrenze. Eigentlich müsste man sagen, dass die Osterbergs sogar die 14. bis 16. Etage bewohnen, denn ihre Wohnung erstreckt sich über drei Ebenen. Sie beginnt dort, wo der Fahrstuhl endet. Man steigt aus dem Lift, biegt zwei Mal um die Ecke und steht vor der Atelierwohnung.

          Auf deren erster Etage liegen zwei Bäder und zwei Kinderzimmer. Dahinter geht es weiter hinauf in eine Art Halle, die von einer etwa 4,50 Meter hohen Fensterfront begrenzt wird. Es gibt ein weiteres halbes Geschoss, eine Galerie. Die Kunst, die die vierköpfige Osterberg-Familie hier meistens betreibt, sind Spiele. Sobald der Feierabend da ist, kommen die Uno-Karten auf den Tisch oder Brett- und Gesellschafsspiele. „Sooft es geht, auch draußen“, sagt der Vater Steven Osterberg.

          Familie Osterberg haust im 14. Stock

          Wie ein Fremdkörper

          Denn hinter der Glaswand liegt die Terrasse. Tritt man heraus, schaut man zunächst auf ein Meer von Hochhäusern. Die Satellitenstadt entstand Ende der sechziger Jahre für 40.000 Menschen. Gäste, die die Familie besuchen, können nicht sofort als Mitspieler eingeplant werden, denn sie sind meist nicht mehr so einfach von der Brüstung weg zu bewegen. „Die müssen lange gucken“, sagt Osterberg. In alle Richtungen, wie von einem Adlerhorst aus. Mit Gartenmöbeln und Oleandersträuchern hat sich die Familie auf der Freifläche eingerichtet. Osterberg und seine Frau betreiben einen Blumenhandel in einer anderen Ecke der Stadt. Sie wollten jedoch, erzählt er, an den Stadtrand ins Grüne ziehen, wo es Wohnhöfe gibt.

          „Erst hatten wir eine Wohnung schräg gegenüber“, sagt Osterberg. Beim Renovieren entdeckte er allerdings dieses Atelier, das auf dem Flachdach der anderen Seite thront. Zeltartig wirkt es, wie ein Fremdkörper, der dort abgestellt wurde oder nur vorübergehend gelandet ist. Bei genauem Hinsehen gibt es auf vielen Riegelbauten diese Häuschen. Osterberg ließ die Idee, dort einzuziehen, nicht mehr los. Mit Glück konnte er bei der städtischen Gesobau, der die Großsiedlung gehört, ein Atelier ergattern, das vorher als Gästewohnung diente.

          Mittlerweile lebt die Familie seit drei Jahren hier, für eine Warmmiete von 760 Euro. Direkte Nachbarn sind nur die Mauersegler. Alle lieben diesen Ort, auch die Kinder und ihre Freunde, die sich die Sommernachmittage auf der Terrasse vertreiben. Zu beiden Seiten des Hauses liegt in einiger Entfernung jeweils ein weiteres Atelier. „Genau wie unsere Wohnung, nur spiegelverkehrt“, sagt die 14 Jahre alte Enola Osterberg. „Künstler sind das aber nicht, die da leben“, weiß das Mädchen.

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