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Nordisch frisch

Von JASMIN JOUHAR

22. Oktober 2021 · Neue Klassiker und das Beste von heute: Das Festival 3 Days of Design in Kopenhagen zeigt, wie der Norden sich einrichtet.

Foto: Vitra

Kompakt entspannt

Ist das nur so ein Gefühl, oder werden die Dinge tatsächlich immer größer? Die Sofas ausladender, die Autos fetter und die Hochhäuser himmelstürmender? Dabei ist Wohnraum doch knapp, und die Straßen unserer Städte viel zu voll! Vitra geht jetzt explizit den entgegengesetzten Weg und stellte zu den 3 Days in seinem neuen Kopenhagener Showroom den kompakten „Hal Lounge Chair“ von Jasper Morrison vor. Konzipiert als Erweiterung von Morrisons „Hal“-Stuhlkollektion, glänzt der Sessel zudem formal mit vornehmer Zurückhaltung, wie die meisten Entwürfe des britischen Designers. Bequem ist er trotzdem und soll, so wünscht es sich Morrison, einen schönen Platz zum Lesen und Entspannen bieten. Die Bezüge von Sessel und passendem Ottoman sind abnehmbar, können gereinigt oder ausgetauscht werden.


Foto: Jotun

Verspielte Farben

Die Skandinavier machen vor, wie es geht: Um über die langen, dunklen Winter zu kommen, hellen sie ihre Interieurs und Gemüter mit Farben auf – beispielsweise mit den im Moment sehr beliebten Beige- und Terrakottatönen. Aber während der 3 Days poppten allenthalben auch kräftige Gelb- und Grüntöne auf. So erfrischend! Der traditionsreiche norwegische Farbhersteller Jotun fasst diesen Trend in seiner neuen Farbkollektion unter dem Stichwort „Playful“ zusammen. Ins Blaue gehende Grüns und grünliche Gelbs werden ergänzt von kreidigem Weiß und einem Hauch Lavendel. Jotun stellt seit fast hundert Jahren Farben und Beschichtungen her, seine Produkte für Innenräume verkauft das Unternehmen unter dem Markennamen Jotun Lady. 


Foto: New Works

Unregelmäßigkeiten

Was ein Interieur wohnlich macht? Texturen! Denn glatte, ebenmäßige Oberflächen können schnell kühl und steril wirken. Lieber auch mal Materialien wählen, die interessante Oberflächenstrukturen, natürliche Maserungen oder Unregelmäßigkeiten aufweisen. Wie beispielsweise die Leuchte „Margin“ von New Works mit ihrem Schirm aus naturfarbenem Leinen – die Textur des gewebten Stoffs entfaltet sowohl im ein- wie ausgeschalteten Zustand ihren Reiz und erscheint lebendig und warm. Mit „Margin“ hat Designer John Astbury aus Stockholm einen klassischen Typus sachte aktualisiert, die Leuchte gibt es als Pendel-, Tisch- und Bodenversion. 


Lokal gedacht

Foto: Menu

Hergestellt in Dänemark aus einheimischem Douglasienholz, nicht lackiert und flach zu verpacken: Der Hocker „Ishinomaki AA Stool“ von Torafu Architects für die Marke Menu erfüllt einige wichtige Kriterien für nachhaltiges Möbeldesign. Aber das in zwei Höhen erhältliche, eher unscheinbare Stück bringt auch noch eine interessante Geschichte mit: Nach dem schweren Erdbeben 2011 in Japan wurde Ishinomaki Laboratory gegründet. Hier konnten Menschen lernen, sich aus vorhandenem Material selbst neue Möbel zu bauen. Do it yourself als Hilfe zur Selbsthilfe und als Ermächtigung in einer schweren Krise. Aus dieser Initiative ist das Label „Made in Local“ hervorgegangen, das Entwürfe mit lokalen Partnern produziert und vertreibt. So gibt es denn „AA Stool“ von Torafu mittlerweile bei mehreren Herstellern aus unterschiedlichen Ländern, die ihn jeweils in ihrer Region vertreiben, etwa beim Londoner Label SPC oder der japanischen Marke Karimoku. Menu aus Kopenhagen wiederum bringt ihn jetzt für den skandinavischen Markt heraus.


Foto: Care by me

Resteverwertung

Was tun mit den Überresten aus der Produktion? Eine Frage, die sich immer mehr Designerinnen, Designer und Unternehmen stellen. Die Antwort der dänischen Textilmarke Care by me: als Füllung verwenden! Was immer übrig bleibt an Garnresten in den Strickwerkstätten von Care by me in Kathmandu, wird gesammelt, um damit die neue Tagesdecke „Waste quilt“ zu füllen. Die Marke lässt in Nepal Heimtextilien und Bekleidung stricken und weben, dabei kommen auch lokal gewonnene Rohstoffe wie Kaschmir und Schafwolle zum Einsatz. Die Hülle von „Waste quilt“ besteht aus reinem Leinen und wird per Hand abgesteppt. 


Foto: dk3

Gut abgehangen

Pflanzen auf der Fensterbank, Pflanzen im Regal, Pflanzen in der Küche und im Bad: Das Grünzeugs hat sich spätestens in der Pandemie ungebremst in unseren Wohnungen und Häusern ausgebreitet. Jetzt geht auch: Pflanzen in der Leuchte. Der dänische Hersteller dk3 hat nämlich zu den 3 Days die „Flower Lamp“ von Poul Cadovius aus dem Jahr 1968 wieder aufgelegt, eine originelle Variante der Hängeampel. Zwei Halbschalen aus eloxiertem Aluminium, zusammengehalten von vier dünnen Stahlstäben, oben eine Leuchte und unten Platz für Pflanzen. So lässt sich das Lieblingsgrün mal anders in Szene setzen. Der Gestalter und Unternehmer Cadovius wurde vor allem mit seinen enorm erfolgreichen Regalsystemen bekannt. Seine Mid-Century-Regalklassiker „Royal System“ und „System Ultra“ hat dk3 ebenfalls im Programm.


Foto: &Tradition

Leuchtpilz

Technik macht’s möglich: Kein anderes neuartiges Produkt hat sich so flächendeckend durchgesetzt in der Einrichtungswelt wie die tragbare Leuchte. Dank leistungsfähiger Akkus und sparsamer LEDs nehmen wir das Licht dorthin mit, wo wir es brauchen. Die dänische Marke &Tradition, die schon mehrere dieser mobilen Beleuchter im Programm hat, präsentierte jetzt in Kopenhagen „Como“, einen Entwurf vom Architekten- und Designerduo Space Copenhagen. Den kleinen Leuchtpilz gibt es in dunkel eloxiertem Aluminium und in glänzendem Messing, und er spendet Helligkeit und Atmosphäre auf dem Esstisch, am Sofa oder auf dem Balkon. Doch so hübsch „Como“ und seine zahlreichen Verwandten auch sind, eine kleine Einschränkung gibt es doch: Bei den allermeisten sind Leuchtmittel und Akku fest eingebaut und die Produkte somit kaum reparierbar. Das müsste doch auch anders gehen!


MAILÄNDER MÖBELMESSE Alles neu macht der Supersalone
THE NEW RAW Möbel aus der Tube


Quelle: F.A.S.

Veröffentlicht: 22.10.2021 14:55 Uhr