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Neuer Wohntrend : Holz in der Hütte

Holzmosaike gehören längst nicht mehr nur an die Wände von Hotels und Restaurants: Auch privat funktioniert der Wohntrend. Bild: Hersteller

Ausmessen, sägen, ankleben – fertig. Holzmosaike verlangen wenig handwerkliches Geschick. Auch deshalb breiten sie sich an den heimischen Wänden aus.

          Wer den Trends in Architektur und Einrichtung nachspürt, kommt nicht umhin zu bemerken: Wir leben in hölzernen Zeiten. Nicht nur an Hausfassaden und auf Fußböden hat sich der natürliche Baustoff vermehrt breitgemacht. Zunehmend taucht er auch an Zimmerwänden auf. Wer jetzt an edle Vertäfelungen, von Schreinerhand maßgefertigt, in einer historischen Villa denkt, liegt ebenso falsch wie diejenigen, die die omnipräsente Kiefernholzverschalung aus den siebziger Jahren im Sinn haben. Obwohl, so falsch vielleicht auch wieder nicht. Denn die Kiefernlatten waren, anders als die klassische Täfelung, ein Fall für den Heimwerker. Und auf Anhänger und Freundinnen des Do-it-yourself (DIY) zielen auch die neuen Massivholzpaneele, die sich als Mosaike auf vielfältige Weise an der Wand arrangieren lassen.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vorbilder dafür findet man wie so oft, wenn’s um Innenraumgestaltung geht, in Hotels, aber auch in Restaurants und Ladenlokalen. Dort sorgen hölzerne Wandelemente für räumliche Akzente. In der auf edle Tropfen spezialisierten Gastronomie etwa können das dann Holzverkleidungen aus alten Weinfässern sein, heißt es bei „material-id“, einem Anbieter aus Frankfurt, der auf Wandverkleidungen für gewerbliche Kunden spezialisiert ist.

          Holz darf wieder Wandputz sein

          Altholz steht auch bei privaten Kunden hoch im Kurs. Doch während die Wandbilder für Hotels, Bars und Firmenräume individuell gefertigt werden, geht’s zu Hause mit den Fertighölzern vergleichsweise rustikal zu. Zum Beispiel auf der Fläche hinter dem Bett im Schlafzimmer. Im Wohnzimmer trifft es entweder jene Seite des Raums, auf der das Sofa steht oder die Wand hinter Fernseher und Konsole. Auch in der Küche hat sich das Holz als Wandputz hochgearbeitet, etwa auf den Ausschnitt zwischen Arbeitsplatte und Oberschränke oder aber als Verkleidung der Kochinselfront. Auch auf kleinen Flächen wie Fensterbänken kommen Bretter zum Einsatz. Egal, ob großflächig oder auf wenig Raum, es geht immer um den Kontrast.

          „Dass jemand einen ganzen Raum so auskleidet, ist eher unwahrscheinlich“, sagt Alexander Schöbel vom Anbieter Wodewa. Das Familienunternehmen aus dem sachsen-anhaltinischen Ferchland war nach eigenen Angaben Pionier auf dem deutschen Markt. Als Wodewa antrat, sei der Absatz zunächst nur sehr schleppend angelaufen, erinnert sich Schöbel. Acht Jahre später sind die nur wenige Millimeter starken Holzteile Trend – und eine ganze Reihe von Anbietern auf den Zug aufgesprungen.

          Heimische Hölzer im 3D-Effekt

          Verkauft wird über Baumärkte und übers Internet. Das Geschäft lebe stark von Mund-zu-Mund-Propaganda oder „Empfehlungsmarketing“, wie Schöbel es ausdrückt. Von einem Schneeballeffekt spricht Thomas Hirsch. „Die Leute sehen das bei Freunden, in Geschäften oder in Filmen und Serien und wollen das auch.“ Hirsch ist Geschäftsführer der Pacific Ring Europe GmbH, die seit etwa anderthalb Jahren unter dem Markennamen „Mywoodwall“ Echtholzpaneele anbietet. „Das Produkt trifft den Zeitgeist, und das doppelt“, erklärt er die neue Lust am Holzlook. Zum einen ist der natürliche Baustoff Holz gefragt, zum anderen ist der Spaß am DIY ungebrochen. Um sich ein Holzmosaik zuzulegen reicht eine Säge, sagt Hirsch und verspricht: „Man braucht keinen Handwerker, um das an die Wand zu bringen.“

          Die Holzplatten werden geklebt. Die einen Anbieter empfehlen starkes Klebeband, andere Parkettkleber. Entweder kommt das Material direkt auf die Wand oder auf eine Trägerplatte. Man kann es ebenmäßig oder mit 3D-Effekt aufbringen, wofür unterschiedliche Stärken nötig sind. Im Schnitt würden die Kunden eine Fläche zwischen 3 und 5 Quadratmetern mit den Riemchen gestalten, heißt es bei Wodewa. Das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt setzt, anders als die Konkurrenz, bisher auf heimische Hölzer. Eiche rustikal, im Parketthandel ein Bestseller, ist auch als Blickfang hinterm Sofa gefragt. Ebenso das als Bodenbelag beliebte dunkle Nussbaumholz. Wer es heller und alpenländischer mag, wählt Zirbenholz. Hell kann aber auch Eiche aussehen, wenn sie gekalkt wurde. Vintage-Weiß ist laut Hirsch unter den Mywoodwall-Kunden die gefragteste Farbe. Zudem hat das Unternehmen regionale Vorlieben ausgemacht: Die Hamburger bestellen häufig Schwarz, die Münchner haben ein Faible für Olive-Grün-Beige-Töne.

          Chance auf langfristigen Trend

          Das Gros der Wettbewerber verkauft Holzprodukte aus China, Indien oder Indonesien. Dort, auf der Insel Java, hat auch Mywoodwall seine Plantagen, die in nachhaltiger Forstwirtschaft betrieben werden, wie Hirsch ausdrücklich betont. Produziert wird ebenfalls in Indonesien. Und der Preis? Der liegt je nach Holzart und bearbeiteter Oberfläche zwischen 30 Euro und fast 100 Euro den Quadratmeter.

          Die Anbieter setzen darauf, dass der Trend zum natürlichen Look noch ein Weilchen anhält. Die professionelle Kundschaft freilich hat schon ein neues Faible: Artifizielle Dekors sind bei den Hotel- und Gastro-Ausstattern im Kommen – und die sind ja oft stilbildend.

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