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Neue Trends für die Nasszelle : Das Bad auf dem Holzweg

Für Freunde klarer Verhältnisse: Dieses Programm von Duravit schmeißt sich noch nicht ans übrige Wohnumfeld ran. Der Schwarzweiß-Kontrast erlebt im Bad ein kleines Revival. Bild: Hersteller

Waschbecken aus Holz, Farbe satt – und Über-Kopf-Brausen, die das Haar nicht nass machen. Das alles kommt im Badezimmer auf uns zu.

          Holz im Bad? Das galt vor wenigen Jahren noch als abwegig, oder wenigstens maximal unpraktisch. Überall hatte sich der Baustoff im Haus durchgesetzt, sich zuletzt in der Küche als Alternative zu Fliese, Edelstahl und Kunststoff etabliert, doch im Badezimmer blieb er tabu. Nun wankt auch diese letzte Bastion. Dabei beschränkt sich die Frage „Holz, ja oder nein?“ längst nicht mehr auf die Materialwahl für den Fußboden. Auf der vergangene Woche zu Ende gegangenen Messe ISH in Frankfurt, wo die internationale Sanitärbranche ihre Neuheiten zeigte, war es nicht zu übersehen: Die Hersteller sind voll auf dem Holzweg. Zumindest optisch.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es gibt Schränke aus Schichtholz etwa vom tschechischen Unternehmen Intedoor. Omnipräsent sind Kunststofffronten mit Holzanmutung oder, wie zum Beispiel Xilon aus Italien es zeigt, Waschbeckentische im Vollholzlook, allerdings mit dem Kunstharz Melamin beschichtet. Man findet Holz – echt oder Fake – als Böden im offenen Regal oder als Verkleidung von Badewannen. Sogar Waschbecken aus Holz sind zu haben. Entwickelt hat sie Woodio Oy aus Finnland. Die rechteckigen oder runden, in mehreren Farben erhältlichen Becken bestehen aus einem Holzverbundstoff. Dass sie wasserfest sind, versteht sich. Zum Herbst soll eine Wanne aus dem gleichen Material auf den Markt kommen.

          Kopfbrause macht das Haar nicht nass

          Die Karriere des Holz-Looks hängt eng damit zusammen, das Nasszellen-Image abzustreifen. Das Bad soll im Haus möglichst keine Sonderrolle mehr spielen, sondern wohnlicher werden. Das gelingt jedoch nur, wenn es ansehnlicher wird und sich dem übrigen Umfeld anpasst. So kommt neben Holz auch Farbe ins Spiel. Schwarz, in der Küche gerade angesagt, erlebt auch im Bad ein kleines Revival. Mehr ins Auge jedoch stechen die vielen bunten Töne. Mal satt und glänzend, mal matt-warm. Olympia aus Mailand zum Beispiel zeigt in seiner Serie „Metamorfosi“ nicht nur verschiedene, teils eigenwillig geformte Waschschüsseln. Es präsentiert diese auch zweifarbig: außen in Schwarz, innen in Orange oder einem anderen knalligen Ton. Das estnische Unternehmen Balteco bietet für seine Steinbadewanne „Epoque“ eine breite Farbpalette, deren samtige Töne vor allem bestechen.

          Das Waschbecken Woodio sieht aus wie aus Terrazzo, besteht aber aus einem Holzverbundstoff. Der finnische Hersteller verspricht, dass das Produkt wasserfest ist. Bilderstrecke

          Auf Farbe setzt, um ein weiteres auffälliges Beispiel zu nennen, auch Burgbad mit seinem neuen Möbelsystem „rgb“. Designer Stefan Diez hat die halbtransparenten Module aus farbigem Verbund-Sicherheitsglas für den Hersteller aus dem Sauerland entwickelt. Mit den üblichen Badezimmerkollektionen aus Einbaumöbeln oder Solitären hat „rgb“ nichts mehr gemein. Vielmehr handelt es sich um vertikal ausgerichtete Trägerprofile, mit denen sich Seitenwände aus Glas fest vor die Wand montieren lassen. Abdeckplatten und Fachböden machen daraus dann Möbel.

          Doch geht es nicht nur um gutes Aussehen, sondern auch um technische Neuerungen. Die Dusch-WCs, vor wenigen Jahren das große Thema, haben sich im Angebot etabliert und sind nicht mehr groß der Rede wert. Dafür sorgt ein WC-Konzept für Gesprächsstoff, das noch nicht auf dem Markt ist: „save!“ von Laufen aus der Schweiz ist die erste Urin-Trenn-Toilette, die alle Industriestandards erfüllt. Die Neuentwicklung zeichnet sich dadurch aus, dass sie durch die Abscheidung von Urin das Abwasser entlastet, und somit einen Beitrag zum Umweltschutz leisten soll.

          Die neuen Brausen zielen dagegen ganz aufs individuelle Wohlbefinden. Duschen dienen längst nicht mehr nur dem Zweck, sich zu waschen. Es geht um seelische und körperliche Entspannung und um die Gesundheit. Massagestrahl und Grottenlicht, Musik und Düfte – alles selbstverständlich „intuitiv steuerbar“. Wer duscht, der muss damit rechnen, dass ihm Dornbracht zum Beispiel alle Sinne einnebelt oder Grohe die große Aquasinfonie spielt. Was soll da eigentlich noch kommen? Geht noch mehr „Rainshower“ als ohnehin schon im Handel?

          Überraschenderweise: ja. Aus dem Haus Hansgrohe kommt das Duschprogramm „Rainfinity“ mit drei Strahlarten. Über eines heißt es in schönster Werbeprosa: „Tausende Tropfen hüllen den Körper in einen Mantel aus Wasser – ein sinnliches und flüsterleises Verwöhnprogramm.“ Der Witz an Rainfinity ist aber etwas ganz anders. Diese Kopfbrause macht das Haar nicht nass. Der Wandanschluss ermöglicht es, den Duschkopf so zu neigen, dass bei Bedarf kein Wasser Gesicht und Haar benetzt. Manchmal geht es einfach ums Praktische.

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