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Neue Betten : Wer will denn da noch aufstehen?

  • -Aktualisiert am

Nicht nur in der Horizontalen: Im Bett „Some Day“ lässt es sich gut sitzen. Bild: Merk & Mark

Betten sind gut gepolsterte, kuschelig weiche Gemütlichkeitsversprechen. Obwohl die Menschen weniger schlafen, verbringen sie hier immer mehr Zeit. Das verändert auch das Design.

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          In diesem Bett hätte wahrscheinlich selbst die Prinzessin auf der Erbse eine geruhsame Nacht verbracht. Gleich drei Matratzen sind zu einem massiven, rund 65 Zentimeter hohen Block gestapelt. Mehr Thron als Bett, verspricht es satte Gemütlichkeit. Buchstäblich zum Reinlegen. „Sich mit einem Gegenstand zu beschäftigen, in dem wir einen Großteil unserer Lebenszeit verbringen, ist sehr interessant“, sagt Andreas Murkudis. Der Berliner Mode- und Designhändler hat das Bett gemeinsam mit seinem Bruder, dem Modemacher Kostas Murkudis, gestaltet und kürzlich in seinem neuen Interiorladen vorgestellt. Das Schlafmöbel ist eine Kooperation mit der griechischen Manufaktur Coco-Mat, die sogenannte Bettmatratzen herstellt – Hybride aus Bettgestell und Matratze. Die Brüder haben das Coco-Mat-Modell „Pyrros“ in den Details überarbeitet und ihm eine wohnliche Gestalt gegeben. Für den Unterbau nahmen sie statt Buche Kiefernholz, zudem ist der Unterbau bodennäher, und die Füße sind nach innen gerückt, damit ein schwebender Eindruck entsteht. Auch wenn das Bett in seinem blockhaften Aussehen so erscheint: Es ist nicht nach dem Boxspring-Prinzip aufgebaut. Es gibt keinen Federkern, der Schlafkomfort rührt vielmehr her von mehreren Schichten Kautschuk und Kokosfaser in den Matratzen.

          Für Andreas Murkudis sind Betten auch deshalb eine interessante Gestaltungsaufgabe, weil sie normalerweise einen großen Teil der Räume einnehmen, in denen sie stehen. Vor allem angesichts der anhaltenden Debatte um Wohnen auf kleiner Fläche ein wichtiger Aspekt – dennoch waren in den vergangenen Jahren vor allem Matratzen ein großes Thema, weniger das Bett drumherum. Das Prinzip Start-up hielt, aus Amerika kommend, auch auf dem deutschen Markt Einzug. Statt zum Händler zu gehen, sollen wir Matratzen nun im Internet bestellen. Die Unternehmen locken mit günstigen Preise und einer überschaubaren Modellpalette, manche bieten sogar lediglich eine One-fits-all-Unterlage an. Der Hype ist jedoch merklich abgeflaut, einige Marken sind schon wieder verschwunden. Internet und stationärer Handel werden sich den Markt künftig wohl aufteilen. Ein guter Zeitpunkt also, sich wieder einmal dem Drumherum zu widmen. Die Matratze spürt man zwar viele Stunden des Lebens – der Kauf will also gut überlegt sein –, aber zu sehen bekommt man sie nur beim Wäschewechsel. Im Gegensatz zum Bett, das mit deutlicher Präsenz zu Hause herumsteht.

          Mehr Thron als Bett: Coco-Mat-Modell von Andreas Murkudis

          Deutschland ist traditionell Gestell-und-Lattenrost-Gebiet: Ein Bett besteht hierzulande also meist aus einem Holz- oder Metallrahmen mit einem austauschbaren Innenleben, das für den Schlafkomfort sorgt. Was für viele möglicherweise so selbstverständlich klingt, dass es eigentlich nicht erwähnt zu werden braucht, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Dafür hat ein anderer großer Trend der vergangenen Jahre gesorgt: das Boxspring-Bett. Ursprünglich vor allem im amerikanischen und skandinavischen Raum üblich und häufig in Hotels anzutreffen, hat es sich auch zwischen Flensburg und Oberammergau verbreitet. Statt auf einem Lattenrost liegt die Matratze hier auf einer Federkernbox, teilweise sorgt eine weitere, dünne Matratze, der Topper, für zusätzlichen Komfort. Bei diesem System sind die Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt, allenfalls das Kopfteil, Headboard genannt, und die Bezüge von Box und Matratzen bieten Spielraum. Das Konzept Boxspring steht für maximalen Komfort und Behaglichkeit, was bei vielen Modellen mit aufwendigen, schweren Stoffen, dick gepolsterten Kopfteilen und einer Parade von Dekokissen signalisiert wird.

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