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Neubau : Fertighäuser reiten auf der grünen Welle

  • -Aktualisiert am

Haus aus der Fabrik Bild: Franz Haniel & Cie. GmbH

Frühzeitig haben sich die Hersteller mit der Energieoptimierung ihrer Produkte auseinandergesetzt. Jetzt fahren sie die Ernte ein: Alte Vorurteile geraten in Vergessenheit, der Marktanteil steigt.

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          Die steigende Nachfrage nach Wohnhäusern mit einem unterdurchschnittlichen Energieverbrauch schlägt sich zunehmend in den Absatzzahlen der Hersteller von Fertighäusern in Holzbauweise nieder. Im vergangenen Jahr stieg die Anzahl der Baugenehmigungen für entsprechende Ein- und Zweifamilienhäuser hierzulande im Vergleich zu 2009 um 9,3 Prozent auf 13 118. Die Genehmigungen für Häuser in Massivbauweise konnten mit einem Anstieg von 4 Prozent das Tempo nicht mithalten. Dadurch erhöhte sich der Marktanteil der Holz-Fertighäuser nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) auf nunmehr 15 Prozent. Er ist damit aus dem mehrjährigen Trend zwischen 8 und 12 Prozent nach oben ausgebrochen.

          Zurückzuführen ist der bemerkenswerte Vormarsch der Branche auf eine sich verändernde Wahrnehmung in der potentiellen Kundschaft der privaten Eigenheimbauer. Viele Jahre litt das Ansehen unter dem Vorurteil, Fertighäuser seien nur „Billigheimer von der Stange“. Dies beruhte auf den Erfahrungen mit Objekten, die vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren entstanden waren, als in den Zeiten akuter Wohnungsnot schnell und günstig gebaut wurde. Doch schon mit dem Ölschock in den siebziger Jahren setzte ein Umdenken in der Branche ein. Immer mehr Hersteller begannen, hochwertige Produkte anzubieten und dabei das Thema Energieverbrauch in den Vordergrund zu rücken.

          In der Kundschaft fand die Energieoptimierung zunächst kaum Anklang. Doch inzwischen zahlt sich die Strategie aus. In Sachen Energieeffizienz von Gebäuden habe inzwischen eine extreme Veränderung in der Denkweise der Leute stattgefunden, sagt Johannes Schwörer, Geschäftsführer des schwäbischen Herstellers Schwörer Haus und seit November Präsident des BDF. In den Verkaufsgesprächen könnten heutzutage die Nebenkosten detailliert aufgezeigt werden. Mittlerweile biete jeder größere Hersteller eigene Energieausweise an. „Da wird ein großer Aufwand betrieben“, berichtet er. „Das geht so weit, dass jährlich von den Kunden der tatsächliche Verbrauch zurückgemeldet und mit den ursprünglichen Daten abgeglichen wird.“

          Die Richtung geht in Plusenergiehaus

          Vor diesem Hintergrund stimmt der BDF-Präsident auch nicht in den Chor der Kritiker an einer Verschärfung der energetischen Vorgaben über die Energieeinsparverordnung (EnEV) mit ein. Vielmehr sieht er der derzeit in der Diskussion befindlichen EnEV 2012 gelassen entgegen. Holz sei ein idealer Werkstoff für eine energieeffiziente Bauweise. „Die Vorgaben erfüllen wir längst“, sagt Schwörer. „Der Fertighausbau geht schon in Richtung Plusenergiehaus.“ Damit soll nicht zuletzt der Vorsprung zum Massivhausbau gehalten werden. „Wir haben früher damit angefangen und sind nun eine Nasenlänge voraus.“

          Die wachsende Akzeptanz von Holz-fertighäusern auf dem Wohnimmobilienmarkt bestätigt Sven Habath, Sachverständiger und Vorsitzender des Gutachterreferats im Immobilienverband IVD Berlin. Die Qualität habe sich deutlich verbessert. „Inzwischen hat sich der Unterschied zwischen Fertighaus und Massivhaus nivelliert“, stellt er fest. Die einzige nennenswerte negative Abweichung für moderne Fertighäuser sei noch in der Lebensdauer zu finden, die in der Bewertung angesetzt werde. Diese liege für vergleichbare Massivhäuser im Durchschnitt zehn bis 15 Jahre höher. „Allerdings lässt sich dies durch Energieoptimierung kompensieren“, fügt Habath hinzu.

          Die Auftragsbücher sind voll

          Probleme in der Vermarktung haben mittlerweile nur noch Fertighäuser der ersten und zweiten Generation, sagt Erik Nothhelfer, Vorsitzender des IVD-Regionalverbandes Süd und im Hauptberuf Immobilienmakler in Ulm. Ein Strich lasse sich Mitte der achtziger Jahre ziehen. Die Fertighäuser, die seither entstanden, ließen sich ganz normal handeln. „Zwar gibt es immer wieder Kunden, die auf gar keinen Fall ein Fertighaus kaufen wollen“, berichtet er. Das habe aber eher psychologische Gründe und keine qualitativen.

          Nach den jüngsten Erfahrungen gehen die deutschen Fertighausbauer von einer Verstetigung des Aufwärtstrends aus. „Die Auftragsbücher von allen Firmen sind voll“, sagt Schwörer. Für das laufende Jahr geht die Branche von einer weiteren Steigerung im oberen einstelligen Prozentbereich aus. Verantwortlichkeiten in der Genehmigungsplanung. Seite 41

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