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Naturteich am eigenen Haus : Badespaß mit Ente

Weder Teich noch Pooll: Ein Schwimmteich am eigenen Haus bieten allen einen Platz Bild: dpa

Naturbadeteiche sind der Renner in diesem Jahr. Allerdings mögen auch Frösche, Ente und Insekten die Gewässer. Wer das nicht berücksichtigt, wird oft enttäuscht. Auch allzu günstige Angebote um die 5000 Euro sollten Interessenten misstrauisch machen. Seriöse Preise liegen deutlich darüber.

          Wenn Gabriele Friedrichs auf ihren Badeteich zu sprechen kommt, gerät sie ins Schwärmen: von der Pracht der Seerosen, der Anmut des Schilfs, den tollkühnen Sturzflügen der Schwalben hinab ins Wasser, vom Liebesspiel der Libellen. Gleich, ob sie auf der Terrasse oder an einem warmen Abend auf dem Holzsteg sitzt: „Der Teich bietet immer ein besonderes Erlebnis“, sagt sie. „Vor allem aber: herrlich weiches Wasser.“

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als die Informatikerin aus Norddeutschland und ihr Mann sich vor zehn Jahren einen Badeteich anlegen ließen, war das noch ungewöhnlich. Der Schwimmteichbau war hierzulande keine weitverbreitete Disziplin, Informationen waren rar, ebenso Anbieter, und entsprechend brauchten die Friedrichs eine Weile, bis sie sich kundig gemacht hatten.

          250 Quadratmeter eigener Teich

          Ein Landschaftsplaner baute ihnen für ihr 400 Quadratmeter großes Grundstück einen 250 Quadratmeter großen Teich: mit Steg, Sandstrand und einer Schwimmzone, die an ihrem tiefsten Punkt 2,50 Meter misst. „Das ist etwas anderes als ein nach Chlor riechender Swimming-Pool, zumal ich die Chemie auf der Haut nicht vertrage“, sagt Friedrichs.

          Ein Haus am Teich war lange hessischen Förstern möglich. Heute steht das Forsthaus von 1842 im Dietzhölztal allen Naturliebhabern offen

          Mit ihrer Haltung steht sie nicht allein. In Haus und Garten soll es möglichst natürlich zugehen, zumindest theoretisch. „Immer mehr Eigenheimbesitzer verwandeln ihre Gärten in Idyllen mit privaten Teichanlagen“, meldet die BHW Immobilien GmbH und zeichnet damit zugleich ein Bild ungetrübter Freude am Gewässer. Auf Nachfrage hat die BHW zwar keine Zahlen parat, verweist aber auf die Erfahrung aus ihrem Maklergeschäft.

          Riesiges Interesse in diesem Jahr

          Das Interesse sei in dieser Saison „wirklich irre“, bestätigt auch Carsten Becker von der B & N Naturbäder OHG im nordrhein-westfälischen Lengerich. „Zum ersten Mal kommen wir kaum noch den Aufträgen hinterher“, sagt der Landschaftsarchitekt, der seit 15 Jahren im Teichbaugeschäft tätig ist. Und auch Badeteich-Besitzerin Friedrichs, die eine Homepage zum Thema betreibt, hat in jüngster Zeit eine deutlich gestiegene Zahl von E-Mails gezählt, in denen sie um Rat gefragt wird.

          So viel Interesse war nie. „Allerdings auch nicht so viel Fehlinformation“, kritisiert Ralf Glenk, der Schwimmteichbedarf für Selbstbauer anbietet. Die Erwartungshaltung sei enorm hoch - und widersprüchlich: Einerseits soll der Teich naturbelassen sein, andererseits aber das Wasser kristallklar. „In der Werbung sieht das immer alles so proper aus“, hat Glenk beobachtet: Der Sand leuchtet weiß, der Steg ist aus hellem Holz, das Wasser lockend wie in der Karibik.

          Entsprechend groß sei oft die Enttäuschung „Die Natur entspricht nun mal nicht diesen ästhetischen Vorstellungen“, gibt der Fachmann zu bedenken. Auch Teichbesitzerin Friedrichs kennt die Klage: „Es ist immer dasselbe, die Leute vergessen, dass die Natur ihren eigenen Gesetzen folgt.“ Zu diesen zählt die Teichblüte im Frühjahr. „Die gehört dazu und vergeht nach zwei, drei Wochen wieder“, sagt Friedrichs.

          Ein Teich ist kein gefliestes aseptisches Schwimmbecken

          Anders als ein gefliestes Schwimmbecken ist der Teich Lebensraum: für Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen, Bakterien. Die Friedrichs hat das nicht geschreckt. Ihren Teich teilen sie mit Kois und kleinen Seebarschen - auch wenn viele Fachleute wegen der Verschmutzung davon abraten, Fische anzusiedeln. Für Friedrichs ist das kein Problem. Die Fische fressen sich nicht nur gegenseitig die Brut auf und nehmen so nicht überhand, sie verspeisen auch kleinere, unangenehme Wasserbewohner wie Blutegel. „Das funktioniert“, sagt die Badeteichbesitzerin.

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