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Design aus Finnland : Aaltos Erben

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Welle aus dem Wald: Der Schirm der Leuchte „Finom“ ist aus Holz. Bild: Finom

Im hohen Norden gehört gute Gestaltung zum Alltag. Doch das goldene Zeitalter des finnischen Designs ist vorbei. Von den berühmten Ahnen einschüchtern lässt sich der Nachwuchs aber nicht.

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          Finnen zu besuchen bedeutet automatisch, sich in die Gesellschaft von Designklassikern zu begeben. Ein Servierwagen von Alvar Aalto, ein Glas von Tapio Wirkkala, Geschirr von Kaj Franck oder Tischdecken mit Dessins von Maija Isola – irgendetwas gibt es auf jeden Fall. Und das nicht nur in schicken Stadtwohnungen in Helsinki, sondern auch in einfachen Hütten am Polarkreis. Im Grunde ist das ganze Land ein privates Designmuseum, voller Erbstücke aus den Fünfzigern. Es sind keine Objekte zum Angeben, eher Selbstverständlichkeiten, denn zu Anfangszeiten war nicht teuer, was heute in Auktionen spektakulär versteigert wird. Die Finnen sind mit Design aufgewachsen, saßen auf Artek-Stühlen, gossen sich aus Iittala-Krügen ein, stellten ihre Wildblumensträuße in Arabia-Vasen und schliefen in Marimekko-Nachthemden. Alles ganz normal. Entsprechend können Finnen die Namen ihrer nationalen Designer genauso sicher aufsagen, wie die ihrer Präsidenten – allen voran natürlich ihrer Superstars Alvar Aalto und Eero Saarinen, aber auch der weniger bekannten.

          Gute Gestaltung war in Finnland nie nur ein hübsches Extra, sondern Grundstein einer jungen Nation, die dieser Tage erst ihren hundertsten Geburtstag feiert. In der Nachkriegszeit hatte das Land viel aufzubauen – die Industrie lag danieder, Reparationszahlungen standen aus, Wohnungen waren dringend gesucht. Um Finnland fix auf die Beine zu stellen, musste Design daher massentauglich sein, für jeden erschwinglich und langlebig. Außerdem musste man mit wenig Material auskommen, denn das war knapp. Die Entwürfe der Kreativen kamen international gut an. Die Finnen feierten Erfolge, sahnten Preise ab, sahen wieder positiv in die Zukunft. Ästhetik wurde Alltag. Finnisches Design nutzte der eigenen Bevölkerung und ging gleichzeitig um die Welt. Zusammen mit dem einen Namen, der wie kein anderer für finnisches Design steht: Alvar Aalto.

          „Es gibt noch keine Designpolizei“

          Wie omnipräsent der Vater des finnischen Modernismus ist, zeigt sich nicht nur in den Wohnzimmern, sondern auch, wenn man als Besucher durch Helsinki schlendert. Innerhalb von fünfzig Jahren hat Alvar Aalto 500 Bauprojekte verantwortet, allein 400 in Finnland, davon eine gute Zahl in der Hauptstadt. Da ist etwa die Finlandia-Halle, die ein wenig wirkt, als sei eine Mischung aus Eisplatte und Raumschiff in der Töölönlahti-Bucht gestrandet. Berühmt auch der Akateeminen Kirjakauppa, zu Deutsch Akademischer Buchladen, in der Einkaufsstraße. Dazu gesellen sich die Aalto Universität, die Helsinki Kulturhalle, die Stora Enso-Zentrale am südlichen Hafen.

          Natürlich das Aalto Wohnhaus und das Aalto Studio im Vorort. Aber es gibt auch unspektakuläre Bürogebäude, Kaufhäuser bis hin zu unscheinbaren Zweckbauten wie etwa ein Pavillon, der heute als Eingang zu einer Tiefgarage dient. Überall findet sich Aalto. Man glaubt sich bald verfolgt. Etwa im Hauptbahnhof, der gar nicht von Aalto, sondern von Eero Saarinens Vater Eliel vor mehr als hundert Jahren entworfen wurde, finden sich im Schalterraum Eisenbahnschienen in Holztische eingelassen. Und welche Form haben diese? Sie erinnern frappierend an Aaltos wolkenförmige „Savoy“-Vase, das Symbol für finnisches Design überhaupt.

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