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Design aus Finnland : Aaltos Erben

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„Es gibt dieses Können noch. Teilweise“

Esa Vesmanen, 52 Jahre, hohe Stirn, widerspenstiges Haar, angriffslustiger Blick. Der finnische Inneneinrichter und Designer hat schon für viele Unternehmen gearbeitet – von Nokia bis zur italienischen Manufaktur Horm, auch fürs Designmuseum, wo wir ihn treffen. Er zieht gut verpackt und vorsichtig das Glas „Kartio“ von Kaj Franck aus der Tasche. Ein Original aus seinem Haushalt. „Das ist unser Erbe“, sagt Vesmanen. „Wir respektieren das wirklich. Aber jetzt gehen wir in eine andere Richtung.“

Mangels Unternehmen und Jobs im Land verließen die Designer ihre Heimat. Oder sie starteten hier Neues. „Ich selbst bin ein Beispiel. Weil wir keine Unternehmen mehr haben, die unsere Entwürfe produzieren, machen wir das selbst“, sagt Esmanen. Sein Studio heißt Pure Design und hat 2016 mit der Flurleuchte „Finom“ den Red Dot Design Award gewonnen. Produziert wird sie in Finnland, in kleiner Stückzahl. Die Beine etwa fertigen Handwerker im Norden, die feinen Furniere der Leuchtenschirme findet man so nicht noch einmal. „Es gibt dieses Können noch. Teilweise“, sagt der Gestalter.

Kleine Serien, limitierte Auflagen – ist das die Zukunft des finnischen Designs, für das gerade die Massenproduktion essentiell war? Demokratisch sollte es ein. Jeder sollte es sich leisten können. Aber auch in Fabriken hergestelltes Design ist heute teuer. Gleichzeitig stirbt das Handwerk und das Haptische. Eine spülmaschinenfeste Tasse von Kaj Franck sieht nicht mehr so faszinierend aus wie die Originale, die noch handgemacht waren. Doch es gibt eine Rückbesinnung: Die jungen Designer lassen wieder am liebsten in Manufakturen fertigen. Sie wollen nicht die Welt mit ihren Entwürfen überschwemmen. Stattdessen ist die Grenze zur Kunst teils aufgeweicht – man kann ihre Entwürfe auch in Galerien kaufen statt in Geschäften.

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Die ganze Szene ist voller Start-ups und Entrepreneure. „Vielleicht bin ich eine Träumerin“, sagt Suvi Saloniemi, die Hauptkuratorin des Design Museums. „Aber es könnte so funktionieren, dass es hin zum Kleinen geht.“ Damit erfindet Finnland nichts Neues, den Trend gibt es in aller Welt, aber für die heimische Designszene bedeutet er vielleicht die Rettung.

Bis dahin aber bedeutet ein finnischer Gestalter zu sein, für die allermeisten von ihnen auch, im Ausland zu leben. Auch die 32 Jahre alte Hanna-Kaarina Heikkilä, die bekannt ist für ihre Glaskunst, hat ihre Heimat verlassen. Und das, obwohl sie in Helsinki gemeinsam mit einer Kollegin ein eigenes Studio gegründet hatte. Headhunter entdeckten sie vor zwei Jahren für Ikea. „Finnische Unternehmen brauchen uns nicht mehr“, sagt sie ernüchtert. In Schweden sei sie zudem wieder nah dran an der Produktentwicklung, was ihr bisher fehlte, dort arbeite sie direkt auf dem Fabrikflur. Zurück nach Finnland? Gern. Irgendwann. „Wenn die Möglichkeiten für Designer dort besser werden.“

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