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Platzsparende Treppen : Stufe um Stufe Raum gewinnen

  • -Aktualisiert am

Auf schmalem Fuß: „1m2“ von Ee-Stairs aus den Niederlanden Bild: Ee-Stairs

Treppen sind nötig, um Stockwerke zu verbinden. Leider kosten sie oft viel Platz. Doch es gibt Lösungen.

          Zu den Problemzonen eines Hauses gehört die Treppe. Einerseits ist sie unverzichtbar, um Ebenen zu verbinden und Raum zu gewinnen. Andererseits frisst sie selbigen und sieht auch nur mäßig aus. Jedenfalls dann, wenn uninspiriert geplant wird. Dabei lassen sich Treppen durchaus in Szene setzen. Dafür braucht es weder einen großen Auftritt noch zwingend eine individuelle Lösung.

          „Tipolina“ etwa kommt mit wenig Platz aus. Der Hamburger Architekt Gerd Streng hat die Raumspartreppe für den Hersteller Spitzbart entworfen. Grundlage war ein Unikat aus Holz, das Streng für sein eigenes Haus verwirklichte. Das stählerne Treppenmodul kommt mit gerade einmal einem Quadratmeter Grundfläche aus. Streng, der sich wie kaum ein anderer seiner Kollegen der Treppenplanung annimmt, hat für „Tipolina“ auf das Prinzip der Spindeltreppe zurückgegriffen. Durch die freitragenden Stufen kann aber auf eine tatsächliche Spindel verzichtet werden, so dass die skulpturale Konstruktion wertvollen Raum in der Mitte für eine bequeme Nutzung gewinnt. Obwohl die Treppe so kompakt ist, könne man über sie gut ein Tablett mit vier Tassen Kakao nach oben tragen, sagt der Architekt.

          Kluge Lösungen für die Raumausnutzung

          Auf genauso schmalem Fuß wie „Tipolina“ steht Modell „1m2“ von Ee-Stairs aus den Niederlanden. Sie trägt den Quadratmeter, der für Grundfläche und Deckenaussparung gebraucht wird, sogar im Namen. Entworfen hat diese Treppe der Designer Cornelis van Vlastuin. „Die erste Idee stammt aus dem Jahr 2004, aber erst Jahre später wurde die erste Treppe gebaut und ausgeliefert.“ Mittlerweile verkauft Ee-Stairs das Objekt mit schräggestellter Spindel und einem zur Kurve gebogenen Handlauf in fünfunddreißig Länder. Die „1m2“ besteht aus pulverlackiertem Stahl, ist robust und kommt zum Einsatz, wo es um besonders effiziente Raumausnutzung geht wie in Studentenapartments auf dem Campus in Leiden. Dort erschließen sie Galerien der kleinen Wohnungen, die in ehemaligen Laborräumen mit sehr hohen Decken entstanden sind.

          Denn neben dem Platzsparen geht es beim Treppenbau oft auch um etwas anderes: kluge Lösungen zu finden, um in urbanen Ballungsräumen geschickt nachzuverdichten. Möglichkeiten dazu gibt es viele - zum Beispiel die, neue Geschosse auf ältere Bestandsbauten zu setzen. Vor allem Mehrfamilienhäuser aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bieten sich dafür an. Ein gelungenes Beispiel stammt aus dem hessischen Rüsselsheim. Dort hat das 1954 gegründete kommunale Wohnungsbauunternehmen Gewobau vor zwei Jahren auf einem rund 40 Jahre alten Mehrfamilienhaus mit Flachdach ein neues Dachgeschoss in Holzständerbauweise errichtet und sechs Loft-Wohnungen geschaffen. So sind zum Wohnraum hin offene Galerien entstanden, der Raum unter dem First lässt sich in allen Wohnungen nutzen. „Jede Galerie wird durch eine maßangefertigte Holztreppe erschlossen“, sagt Thomas Steininger von der Gewobau. Doch nicht nur der Raum auf der Galerie lässt sich so anbinden. Mit Garderobe und Waschmaschinennische werde auch der Platz unter der Treppe optimal verwertet, sagt Steininger. Das Projekt stieß auf so große Nachfrage, dass 2017 ein zweites Haus auf die gleiche Weise aufgestockt wurde.

          Für die Garderobe: Platz unter der Treppe lässt sich klug nutzen.

          Im Privaten geht es meist um die kreative Neuordnung von Räumen durch Raumobjekte. Sie können in Altbauimmobilien mit hohen Decken zusätzliche Nutzfläche schaffen, ohne dass dazu stark in die Substanz eingegriffen werden muss. „Im besten Sinne raumbildende Maßnahmen“ nennt Architekt Gerd Streng solche hybriden Lösungen zwischen Möbelstück und Galerie mit Stauraum auf Bodenniveau und neuen Schlafwelten in der oberen Ebene. In Hamburg, einer der teuersten Städte Deutschlands, sieht Streng eine deutlich wachsende Nachfrage nach Lösungen, die vorhandenen Wohnraum besser ausnutzen. Dazu zählt er auch Treppen, die zwischen Wohnungen oder Wohnungsteilen auf verschiedenen Stockwerken neue Verbindungen herstellen.

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