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Zukunft alter Adelssitze : Neue Ideen für Schlossherren

  • -Aktualisiert am

Potential zum Märchenschloss: Im maroden Herrenhaus von Mallin will ein Investor Mietwohnungen unterbringen. Bild: Imago

Mecklenburg ist reich an Schlössern und Gutshäusern. Um sie zu erhalten, braucht es viel Leidenschaft, einen Plan und guten Rat. Ein ungewöhnliches Treffen unter Schlossbesitzern.

          6 Min.

          Als sie die Tür zur kleinen Dachkammer öffnet, schaudert’s Robert Uhde. „An den Balken hat sich doch mal jemand erhängt, das spüre ich.“ Hausherrin Brigitte Gross lächelt milde. Das Rosenzimmer ist ihr Lieblingsraum – lehmverputzte Wände, Metallbett, romantischer Shabby-Chic. Sie führt weiter durch den großen, ausgebauten Dachboden, er ist ihr ganzer Stolz. Auch hier Flohmarktflair, viele kleine Lampen, das Ambiente ist gemütlich. Ein befreundeter Tischler hat in dem hohen Raum eine zusätzliche Ebene eingezogen. Brigitte Gross und ihre Gäste steigen die schmale Treppe hinauf. Hier oben steht das Prinzessinnenbett. „Da schläft unsere Enkelin so gern drin.“ Die Besucher sind begeistert. Brigitte Gross freut sich. „Komplimente für mein Haus höre ich immer noch gern.“

          Das Haus ist ein Schloss. Es steht in Wrodow, einem mecklenburgischen Dorf inmitten der urwüchsigen Landschaft zwischen Waren und Neubrandenburg. 1993 haben Gross und ihr Mann Frank Bauer es erworben. Die Fremden, die sie an diesem Freitagabend durch die Räume führen, sind aus allen Winkeln des Landes angereist: aus Wismar, aus der Nähe von Bützow, aus Rostock, von der Insel Rügen oder aus dem Nachbardorf. Sie alle eint die Liebe zum Kulturdenkmal. Jeder von ihnen besitzt selbst ein Gutshaus. Mancher schon seit mehr als zwanzig Jahren, andere sind erst seit kurzem dabei. Es sind Adlige und Nichtadlige, reiche und weniger vermögende Herrenhausbesitzer, alteingesessene Mecklenburger und Menschen, die es aus anderen Teilen Deutschlands hierher verschlagen hat. Neugierig aufeinander sind sie gleichermaßen. Sie wollen wissen: Wie ist es den anderen ergangen, seitdem sie ein solch außergewöhnliches Haus besitzen? Kann so ein Gebäude wirtschaftlich rentabel sein? Welche Nutzungskonzepte gibt es? „Ideenjagd“ nennt Initiator Robert Uhde das kreative Vernetzungstreffen daher. Es ist das fünfte seiner Art.

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