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London Underground : Wenn Promis zum Bauen in den Keller gehen

Tiefstapler Robbie Williams plant Unterirdisches. Nachbar Jimmy Page fürchtet um sein Baudenkmal. Bild: Picture-Alliance

In den Nobelvierteln der Hauptstadt sorgen Tausende von riesigen unterirdischen Anbauten für Ärger - auch zwischen den prominenten Nachbarn Jimmy Page und Robbie Williams.

          Die Melbury Road im Londoner Stadtteil Holland Park ist ein Wohnadresse für Leute, die es geschafft haben. Die Häuser, die dort stehen, groß zu nennen wäre eine Untertreibung. Es sind schlossartige Anwesen. Trutzburgen. Wer diese Straße entlanggeht, der spürt: Die Bewohner, die hinter diesen Mauern leben, bleiben gerne auf Distanz. Das auffälligste Gebäude in der Melbury Road ist die Hausnummer 29, ein neugotischer Backsteinkoloss mit einem weithin sichtbaren runden Turm. In dieser viktorianischen Ritterburg, bekannt als "The Tower House", lebt seit 46 Jahren Jimmy Page, Gitarrengott und Gründer der englischen Rockband Led Zeppelin.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit fünf Jahren hat Page einen Nachbarn, der - nun ja - mindestens genau so berühmt ist wie er selbst: Robbie Williams gönnte sich die Villa nebenan. Der Sänger suchte nach der Heirat mit der amerikanischen Schauspielerin Ayda Field ein Heim für seine junge Familie. 17 Millionen Pfund (19 Millionen Euro) soll Williams bezahlt haben für die ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammende Riesenkiste mit insgesamt 46 Zimmern, hohen Zäunen und dichten Hecken vor der Haustür. Auf gute Nachbarschaft? Von wegen! Mit dem Einzug von Williams war es mit der schläfrigen Ruhe in dieser Ecke West-Londons vorbei.

          Seither tobt in der Melbury Road der wohl berühmteste Nachbarschaftsstreit der Welt. Page war "not amused" über die umfangreichen baulichen Veränderungen, die Williams an seinem frischerworbenen Häuschen vornehmen ließ, um es den eigenen Bedürftnissen anzupassen. Der Altrocker Page wollte seine Ruhe, und der Baulärm nebenan ging ihm gewaltig auf die Nerven. Schon bald schalteten die beiden Musikstars ihre Anwälte ein, und bis heute ist kein Ende in Sicht in diesem Krieg der Sterne.

          Nachbarstreit unter Promis

          Was Page besonders auf die Palme bringt, ist der Plan seines Nachbarn, im weitläufigen Garten hinter der Villa einen unterirdischen Swimmingpool nebst Fitnessstudio anlegen zu lassen. Oben wird der Rasen getrimmt, unten zieht Williams im privaten Schwimmbecken seine Bahnen. Der Fitnessbunker soll durch einen unterirdischen Tunnel mit dem Hauptgebäude verbunden werden. Doch Page setzt alles daran, die Verwirklichung des Bauvorhabens zu verhindern.

          "Ich werde jeden Schritt dagegen unternehmen, der notwendig ist", kündigte der 74 Jahre alte Musiker diese Woche im britischen Fernsehsender ITV grimmig an. Williams dagegen wird das Bonmot zugeschrieben, wenn das Haus von Page die deutschen Bombenangriffe auf London im Zweiten Weltkrieg überstanden habe, dann werde es wohl auch seinen Umbauarbeiten widerstehen. Der hartnäckige Widerstand seines Nachbarn habe sich zu einer "Art von Geisteskrankheit" entwickelt, diagnostiziert der Star, der am Donnerstag auf der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft in Moskau aufgetreten ist. Was ihm reichlich Kritik eingebracht hat.

          Melbury Road 31 im Londoner Stadtteil Holland Park: Hier residieren Robbie Williams und Gattin Ayda Field. Wie viele andere reiche Bewohner der Stadt, plant auch das Ehepaar, das Anwesen unter Tage zu erweitern.

          Page argumentiert, die Erschütterungen durch die Baumaschinen in Nachbars Garten drohten seinem fragilen denkmalgeschützten Prachtbau irreparable Schäden zuzufügen. Er erschien vor zwei Wochen höchstpersönlich zu einer Sitzung des Bauausschusses im zuständigen Stadtbezirk Chelsea und Kensington, um für sein Anliegen zu werben. Mit Erfolg: Die Kommunalpolitiker erteilten Williams zumindest vorerst keine Baugenehmigung. Fortsetzung folgt.

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