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Küchentrends 2019 : Immer mehr Köche sehen Schwarz

Lampe, Regal und, ach ja, auch noch eine Dunstabzugshaube: die neue Skyline Frame von Berbel Bild: Hersteller

Hightech, Taschentür und Wohlfühllicht: In der Küche von heute geht’s ums Ganze. Die Messe Living Kitchen in Köln zeigt, was das heißt.

          Im Grunde ist der Herd nichts anderes als die Feuerstelle, um die sich der Mensch einst scharte. Auf der internationalen Messe Living Kitchen, die an diesem Montag begonnen hat, wird dieses Bild mit Sicherheit wieder bemüht, wie so oft, wenn von den neuen Küchen die Rede ist. Angesichts der Neuheiten, der technischen Finessen und der zunehmend mit smarter Technik verknüpften, ausgefeilten Systeme soll das wohl heißen: Die Küche ist mittlerweile zwar eine hoch komplexe Angelegenheit, aber eigentlich ist alles ganz einfach.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kein anderer Raum des Hauses hat im Laufe der vergangenen 100 Jahre einen vergleichbaren Bedeutungswandel erfahren. Längst ist die Küche nicht mehr nur zum Kochen da. Sie soll Ort der Begegnung, der Entspannung, Experimentierfeld, Kommunikationszentrum und Werkstatt sein. Sie ist Ausweis von ästhetischer Bildung und Status, manchmal sogar von Weltanschauung. Man kann den Eindruck gewinnen, in der Küche von heute geht’s ums Ganze.

          Tatsächlich geht es um jede Menge Details. Denn die Ausstattung rund um Herd, Spüle und Kühlschrank soll nicht nur so funktional wie nötig sein, sondern auch so wenig wie möglich in der Wohnung aus dem Rahmen fallen. Schließlich wird die Küche zunehmend nicht mehr als separater Raum geplant. Im Neubau liegt der Anteil der offenen Küchen schon bei 90 Prozent, und auch bei Altbausanierungen wünschen die Bauherren oft wenigstens einen Durchbruch.

          Mit Grau- und Schwarztönen liegt man richtig

          Die in Köln gezeigten Trends drehen sich daher um den Anspruch, die Küche im übrigen Wohnumfeld möglichst gut aussehen zu lassen. So erobern Oberflächen den Markt, auf denen Berührung keine Spuren hinterlässt. Diese sogenannten Anti-Finger-Print-Kunststoffe haben eine weiche Struktur und schmeichelnde Haptik. Der italienische Hersteller Arpa Industriale hat das Nanotech-Material unter dem Namen Fenix bekanntgemacht. Der Vorzug dieser Oberflächen: Auch wenn die Finger ein bisschen fettig sind, entstehen nicht gleich Abdrücke. Zudem gelten sie als robust und gut zu reinigen. Das Material kommt zunehmend nicht nur als Verkleidung von Türen und Schubladen zum Einsatz, sondern auch auf Arbeitsflächen. Die Begeisterung für diesen Kunststoff führt, zugespitzt gesagt, dazu, dass in der Küche der Lack ab ist. Denn Anti-Finger-Print-Flächen sind matt. Und „matt ist im hochpreisigen Segment angesagt“, sagt Lars Popp von der auf Küchen spezialisierten Schreinerei Popp Art in München. Und Volker Irle, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK), bestätigt, dass über alle Segmente hinweg „die Styles weg vom Hochglanz gehen“. Die neue Mattigkeit ist übrigens die Folge einer anderen Mode, die sich schon länger hält: der grifflosen Küche.

          Veredelt: Die gespachtelte grau-schwarze Wand trifft auf die matte Front. Bilderstrecke

          An der Front tut sich jedoch noch mehr. So sehen in deutschen Küchen die Köche wohl zunehmend Schwarz. Sicher, Mainstream wird der dunkle Ton hierzulande nicht. Wie an Wänden und bei Vorhängen dominiert auch in der Küche Weiß – gleich, ob sie im Landhausstil oder puristisch gehalten ist. Daran ist in absehbarer Zeit nicht zu rütteln. Trotzdem, wer sich an Trends orientiert, der liegt mit Grau- und Schwarztönen richtig. Das war schon auf der Möbelmesse in Mailand zu sehen und setzt sich 2019 fort. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die aktuellen Farben in der Küche anders als in der Mode und Möbelbranche weniger von der Industrie vorgegeben werden als die Nachfrage widerspiegeln. Jenseits des farblichen Schwarz-Weiß-Schemas fällt auf: Neben den neuen Kunststoffoberflächen setzt man weiter auf einen „natürlichen“ Look. Da Vollholz und Naturstein ihren Preis haben, fällt die Wahl der Käufer auf entsprechende Furniere.

          Im Trend liegen neuerdings auch „Pocket Doors“. Die Taschentür war in den fünfziger Jahren ein Novum, spielte dann lange keine Rolle mehr. „In Köln ist sie zurück“, sagt Ursula Geismann, Trendexpertin des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM).

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