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Kunstwerke für zu Hause : Vier Wände voller Bilder

  • -Aktualisiert am

Picasso im Wohnzimmer? Warum nicht! Bild: Picture Press/Peter Fehrentz

Die Petersburger Hängung ist in Mode. Wie gut, dass Museen und Archive gerade online gehen und neue Möglichkeiten für die Bilderflut zu Hause eröffnen.

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          Vierhundertfünfzig Millionen Dollar für ein Gemälde. Erst vor wenigen Monaten ersteigerte ein ungenannter Käufer Leonardo da Vincis Salvator Mundi und machte das Bild damit zum wertvollsten Kunstwerk der Welt – bis dahin war ein Picasso für 179 Millionen Dollar der Spitzenreiter gewesen. Doch egal ob 179 oder 450 Millionen Dollar, für Normalverdiener bewegen sich solche Preise ohnehin im Reich der Phantasie. Selbst Originalwerke unbekannter Meister und zeitgenössischer Künstler liegen oft im fünfstelligen Bereich. Kunst ist teuer – wer wollte da schon an so etwas denken wie die Petersburger Hängung, bei der die ganze Wand mit Bildern bedeckt ist? Doch ist gerade diese Art der Präsentation bei Interior-Designern beliebt. Wer etwas auf sich hält, gestaltet seine Räume mit massenweise Fotos, Gemälden oder Grafiken – dicht gehängt, bunt gemischt, ästhetisch anregend.

          Doch woher soll die Bilderflut kommen, wenn das Budget begrenzt ist? Die Digitalisierung, die viele Bereiche der Gesellschaft aufmischt, bringt auch im Bildermarkt Gewohntes durcheinander. Opulenz bei der Hängung bei niedrigen Kosten und höchsten künstlerischen Ansprüchen ist plötzlich möglich geworden. Wie das geht? Immer mehr Museen öffnen ihre Archive, digitalisieren ihre Sammlungen und stellen die Daten kostengünstig zur Verfügung. Jeder, der will, kann sie herunterladen und ausdrucken: Aus dem Museum frisch an die Wand! Für Ästheten, Kenner und Kreative öffnen sich damit völlig neue Möglichkeiten für die Gestaltung ihrer Räume.

          Kunstwerke für das eigene zu Hause? Online-Museen machen es möglich.

          Ein Vorreiter unter den Anbietern in Deutschland ist das Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg. Das Haus hat sich der Bewegung openGLAM angeschlossen. GLAM steht für Galleries, Libraries, Archives, Museums – Institutionen, die sich für das digitale Verbreiten und Teilen ihrer Bestände entschieden haben. „Die Sammlung gehört uns allen ja schon“, erläutert die Leiterin der Online Sammlung im MKG, Antje Schmidt, „sie zugänglich zu machen und zu verbreiten, dazu wurde unser Museum ja gegründet“. Ihr Haus, das derzeit mehr als 13.000 Kunstwerke online gestellt hat und an der Digitalisierung von insgesamt 500.000 Objekten arbeitet, sei mit diesem Angebot in Deutschland weit vorne. Für das Online-Angebot eignen sich alle gemeinfreien Bilder, also Werke, deren Künstler seit mehr als 70 Jahren verstorben sind und bei denen das Urheberrecht erloschen ist.

          Die Kosten liegen je nach Größe um 200 Euro

          Den Interessenten erschließt sich mit der Online-Präsentation ein überreicher Fundus an Bildern. Das Stöbern in der MKG-Datenbank gleicht einer ästhetischen Achterbahnfahrt. Da sind historische Fotos aus dem Amerika der sechziger Jahre, Abbildungen von Jugendstilvasen, Architekturzeichnungen eines historischen Hühnerstalls, expressionistische Gouachen, botanische Studien aus dem 18. Jahrhundert und japanische Stiche aus der Serie „24 Beispiele für Pietät gegenüber den Eltern“. Die Menschen scheint all das zu interessieren. Jedenfalls wird das Angebot gut genutzt, 55.000 Downloads und über 145.000 interne Suchen wurden bisher verzeichnet. „Von allen digitalen Angeboten unseres Hauses ist es das mit der höchsten Besucherinteraktion“, erläutert Antje Schmidt. Das Publikum kommt aus 112 Ländern. „Ob die Nutzer die Motive auf Kaffeetassen oder T-Shirts drucken oder ein Puzzle daraus machen, wissen wir nicht“, erklärt sie weiter, private oder kommerzielle Nutzung, alles sei für die gemeinfreien Bilder erlaubt. Die Daten dürfen sogar verändert, ausgeschnitten und mit anderen Inhalten kombiniert worden: „Wir wollen, dass die Menschen das herunterladen und so nutzen, wie sie möchten.“ Manche Kollegen, so Schmidt weiter, hätten allerdings Vorbehalte: „Kunsthistoriker fürchten mitunter, die Deutungshoheit über die Werke zu verlieren.“ Doch die Digitalisierungswelle in den Museen dürfte durch solche Bedenken kaum aufzuhalten sein. Allein das Amsterdamer Rijksmuseum hat schon mehr als 600.000 Werke online gestellt. Die New York Public Library ist mit rund 740.000 Objekten am Start, viele weitere Institutionen haben sich angeschlossen.

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