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Wohnen in Krefeld : Langsames Erwachen

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Immer mehr Menschen entdecken das nordrhein-westfälische Krefeld wieder neu für sich. Der Wandel der Stadt ist kaum noch zu übersehen. Bild: dpa

Viele Jahre lag Krefeld tief im Dornröschenschlaf. Nun entdecken vor allem Düsseldorfer die prächtigen Gründerzeitbauten rund um den Stadtwald. Die Innenstadt muss noch wachgeküsst werden.

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          „Wie bitte?? Das Museum Haus Lange wird verkauft? Ist Krefeld jetzt tatsächlich so pleite?“ Susanne Pelikan, die seit vier Jahren in Frankreich lebt und zum ersten Mal seit ihrem Umzug wieder ihre beste Freundin besucht, traut ihren Augen nicht. Gerade kommt sie die prächtige Wilhelmshofallee entlanggefahren, da entdeckt sie vor den beiden berühmten Bauten von Mies van der Rohe eines jener typischen Verkaufsschilder, die Immobilienmakler aufstellen, wenn ihnen eine Transaktion gelungen ist. Sogar der Name eines örtlichen Immobilienvermittlers ist darauf zu sehen. Doch rasch klärt sich auf: Das Verkaufsschild ist Teil einer aktuellen Kunstausstellung. In „Die Zugezogenen“ installiert das Künstler-Duo Elmgreen und Dragset Haus Langen als Wohnhaus einer fiktiven deutschen Familie, die sich aufgrund des Brexit entschieden hat, nach Deutschland zurückzukehren. Alles vor, im und hinter dem Haus ist im Zustand des Halbfertigen, die Räume sind nicht zu Ende gestrichen, kein Karton ist komplett ausgepackt, kein Möbelstück an seinem endgültigen Platz. Im Wohnzimmer liegen britische Tageszeitungen herum, im Auto der „Familie“ Einkaufstüten von Harrods. „Der Umzug der Familie wird hier zum Symbol eines sich verändernden Europas präsentiert“ heißt es in einem Flyer zur Ausstellung.

          Ein Gefühl des Wandels hat Pelikan auch mit Blick auf Krefeld, als sie nach vier Jahren Abwesenheit wieder in die Stadt kommt. Der Besucherin fällt vor allem auf, dass die Zahl der „echten“ Bau- und Verkaufsschilder spürbar zugenommen hat. Leerstehende Villen werden zum Verkauf angepriesen oder in Eigentumswohnungen verwandelt, Lückengrundstücke bebaut.

          Marktexperten verwundert die neue Betriebsamkeit nicht. „Es kommt Bewegung in den Markt, das Interesse an Immobilien nimmt spürbar zu. Vor allem von auswärtigen Käufern“, sagt der lokale Immobilienvermittler Kristopher Kersting. Rund 50 bis 60 Prozent der von ihm vermittelten Wohnimmobilien in Krefeld gehen an Käufer aus Düsseldorf und dem Umland. Auch seine Berufskollegin Dagmar Böcker-Schüttken kann über mangelnde Anfragen nicht klagen. „Der Krefelder Wohnimmobilienmarkt entwickelt sich positiv“, urteilt die Düsseldorfer Maklerin. Als Gründe für den Krefelder Mini-Boom nennt sie neben den niedrigen Zinsen die günstige Lage. Vom Ruhrgebiet und Düsseldorf ist die knapp 223.000 Einwohner zählende Stadt in dreißig Minuten mit dem Auto zu erreichen. Miet- und Kaufinteressenten stammen – wenn nicht aus Krefeld selbst – daher vor allem aus diesen beiden Destinationen sowie aus den Nachbarkommunen Mönchengladbach und Moers.

          Wer hier durchs Grüne joggt, hat es geschafft

          Krefeld gilt in der Region als Schnäppchenmarkt mit einem ungewöhnlich großen Angebot an grünen, sehr guten Wohnlagen mit wunderschönem Altbaubestand und großzügigen Grundrissen zu vergleichsweise günstigen Mieten und Kaufpreisen. Die beiden Weltkriege haben im Stadtbild vergleichsweise geringe Spuren hinterlassen. Prächtige Gründerzeitbauten mit Zuckerbäckerfassaden oder mit Türmchen im Hogwarts-Stil, umgeben von weitläufigen Gärten, bietet Krefeld nicht nur vereinzelt, sondern gleich quartiersweise. Viele der Villen verdanken ihre Existenz Fabrikantenfamilien aus Duisburg und Umgebung. „Es galt nicht als schick, in der gleichen Stadt zu wohnen, in der man auch arbeitete“, weiß Maklerin Böcker-Schüttken.

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