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Schlechte Gerüche : Wenn das Zuhause einem stinkt

Dabei machen die großen Flächen, der Belag auf Fußböden, die Dispersionsfarbe an Wänden und Decken, laut Heine den größten Ärger. Ein Sicherheitsdatenblatt verrät, was in jedem Baustoff steckt - man findet es unter dem Produkt- und Herstellernamen im Internet. Selbst wenn das Produkt vom Deutschen Institut für Bautechnik zugelassen und, für sich genommen, in Ordnung ist, können chemische Komponenten von Baustoffen miteinander reagieren, etwa verschiedene Kleber ineinanderlaufen, und so penetranten Gestank auslösen. Der Experte rät daher zu natürlichen Alternativen: Für den Boden Linoleum, das aus Jute, Holzmehl, Leinöl, Kreide und Naturharzen besteht, Fliesen oder Echtholzparkett. Teppiche aus Schurwolle, Sisal oder Tretford und ein Anstrich mit hochwertigen Naturfarben, auf Lehm-, Kalk- oder Silikat-Basis. Diese absorbieren sogar Gerüche und kommen ohne Lösemittel aus.

Augenbrennen, Allergie, Asthma

Ob man Gerüche als angenehm oder unangenehm wahrnehme, sei individuell unterschiedlich, meint Clemens-Ströwer. "Das hat mit unserer Sozialisation, dem kulturellen Hintergrund zu tun, damit, in welchen Kontexten wir sie als Kinder wahrgenommen haben und mit welchen Bedeutungen wir sie verbinden." Hierzulande schreibe man Reinigungsmitteln im Haus eine besonders hygienische Wirkung zu, wenn sie nach Zitrone oder Orange riechen, in südlichen Ländern müssten sie Chlorgeruch verströmen, damit man die Räume für sauber halte. Ein Konsens über die Kulturen hinweg lässt sich aber ausmachen: "Verwesungs- oder Brandgerüche sind evolutionsbedingt Warnsignale für den Menschen."

Mit positiven Assoziationen verbundene Gerüche im eigenen Wohnraum erlebt man als gemütlich, einladend und entspannend. Stinkt es hingegen an diesem wichtigen Rückzugsort, schlägt es ins Gegenteil um: Die Bewohner fühlen sich unwohl, nicht mehr sicher und geborgen, wittern gar gesundheitliche Gefahren. Und liegen damit gar nicht so falsch: Schlechte Gerüche und die damit verbundenen Schadstoffe können Hustenreiz, Tränenfluss und Augenbrennen auslösen. "Fünf bis zehn Prozent aller Menschen leiden zudem an einer Schimmelallergie", sagt Heine. Im schlimmsten Fall lösen Schimmelsporen sogar Asthma aus. Irgendwann leidet auch die Psyche unter dem Gestank: Die Betroffenen seien gestresst, entwickelten Schlafstörungen und Ängste, so Heine.

Manchmal führen schlechte Gerüche aber auch in die Irre, weiß Clemens-Ströwer. Was stark riecht, muss der Gesundheit nicht unbedingt gefährlich werden. Manche Menschen zeigen körperlich Symptome einer Vergiftung, obwohl die Ausdünstungen völlig harmlos sind, eine sogenannte Toxikopie: "Sie riechen etwas und denken: ,Dieser Geruch ist gefährlich, er macht mich krank' - und werden so krank, als wären sie wirklich einem gefährlichen Stoff ausgesetzt", sagt die Expertin. "Das kann für die Betroffenen und ihr Umfeld eine sehr große Belastung sein."

Schlechte Gerüche betreffen den intimsten Bereich, sie sind ein Tabuthema, assoziiert man sie doch damit, dass der Mitmensch auf sich und sein Heim wenig achtgibt, ungepflegt oder unhygienisch ist. Das hat soziale Folgen: "Natürlich spricht kaum einer aus: ,Bei dir riecht's komisch. Ich will dich nicht besuchen.' Man macht es einfach nicht mehr." Wer oder wessen Wohnung stinkt, zu dem geht man auf Distanz. So war es auch bei einer Fertighausbewohnerin. Von ihren Kolleginnen wurde sie geschnitten, weil sie stinken würde. Dabei war nur ihr Haus schuld daran.

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