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Immobilienmesse Mipim in Cannes : Alles ruhig in Bahrain Bay

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Schein und Sein: Am Stand von Bahrain Bay auf der Mipim war die Lage entspannt - zu Hause am Golf verschärften sich die Auseinandersetzungen Bild: AFP/Getty Images

Auf der Immobilienmesse Mipim in Cannes buhlen Städte und Projektentwickler mit Zukunftsvisionen um Aufmerksamkeit. Eines der Projekte heißt „Cairo Festival City“, eine neue Siedlung, die im Großraum der ägyptischen Hauptstadt aus dem Wüstenboden wächst.

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          Im vierten Stock des Palais des Festivals geht es im neuen Kairo beschaulich zu. Es ist bunt, sauber und dank des Architekturmodells, dessen kleinerer Maßstab die 300 Hektar Fläche auf die Größe einer Tischplatte hat schrumpfen lassen, unglaublich übersichtlich. „Cairo Festival City“ heißt die neue Siedlung, die mehr als 2500 Kilometer von Cannes entfernt im Großraum der ägyptischen Hauptstadt aus dem Wüstenboden wächst. Es ist ein großes Versprechen, das die al Futtaim Group Real Estate aus Dubai mit dem Namen ihres Bauvorhabens macht: das Stadtleben als Fest, ohne den Schatten von Armut und Gewalt.

          Birgit Ochs
          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die zukünftigen Bewohner sind schon da – auf einer Werbefotografie an der Rückwand des Messestands: junge Menschen, schön und fröhlich, von brauner Hautfarbe und mit westlichem Auftritt. Bestimmt Studenten, die Internetanschluss haben und sich mit ihren Freunden über Facebook verabreden – gestern noch zur Demonstration gegen die alte politische Ordnung auf dem Tahrir-Platz, morgen zum Einkaufsbummel im geplanten „Festival Centre“.

          Marwa Mokhtar könnte selbst dem Werbefoto entsprungen sein. Die Marketing-Managerin sieht aus wie eine ägyptische Version der französischen Schauspielerin Vanessa Paradis. Professionell präsentiert sie Interessenten das Großvorhaben. Das Shopping- und Unterhaltungszentrum soll das Herz der am Reißbrett entworfenen Großsiedlung werden, die nur eine Viertelstunde Fahrzeit vom internationalen Flughafen der ägyptischen Hauptstadt entfernt liegt. Umgeben wird die fast 190 000 Quadratmeter große Mall von geschlossenen Wohnvierteln und Büroansiedlungen. Hier sollen einmal 13 000 Menschen leben und etwa 50 000 Arbeit finden. Auf die Frage, ob das Vorhaben durch den Umsturz des alten politischen Systems in irgendeiner Weise beeinträchtigt sei, seufzt Marwa Mokhtar und winkt ab. Jeder wolle das wissen. „Zwei Wochen hat alles still gestanden, aber jetzt drehen sich die Räder wieder.“

          Mehr als 18 000 Besucher aus 85 Ländern

          Auch Geschäftsführer Mohamed El Mikawi hat die politischen Ereignisse offenbar schon abgehakt. „Ungeachtet einer kurzen Phase der Unsicherheit glauben wir, dass Ägyptens Immobilienmarkt bald blühen wird.“ Es sei nun einmal eine entscheidende Tatsache, dass es bei einem jährlichen Bevölkerungswachstum von 2 Prozent eine enorme, aber nicht annähernd erfüllte Nachfrage nach modernem Wohnraum gebe. Zum Beweis fügt er an, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr die Objekte des ersten Bauabschnitts der Wohnsiedlung „Festival Living“ binnen einer Woche komplett verkauft habe.

          Das Vorhaben aus Ägypten zählt zu den Großprojekten, die auf der diesjährigen Immobilienmesse in Cannes zu sehen waren. Jedes Jahr im März tritt die Branche an der Cte d’Azur zum Schaulaufen an. Für vier Tage wird dann das Palais des Festivals zum „Marché International des Professionnels de l’immobilier“, kurz zur Mipim.

          Mehr als 18 000 Besucher aus 85 Ländern haben die Veranstalter in diesem Jahr gezählt. Sie kamen aus Europa, Russland und Amerika, einige aus Nah- und Fernost, wenige aus Afrika. Die großen Maklergesellschaften sind da, Investoren, Immobilienbanken, ebenso Projektentwickler, Städte, Regionen und in ihrer aller Schlepptau Berater und Anwälte. Auf der Messe, in Hotels, in den Restaurants der Altstadt und auf Yachten weben sie an ihrem Kontaktnetz und werben für ihre Vorhaben. Manchmal kommen sie miteinander ins Geschäft, bei Austern und Champagner.

          Zur Abwechslung gerne mal Weißwurst statt Fisch

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