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Ikea-Häuser : Ein Eigenheim für „Billy"

Glaubt man Bien-Zenker-Vorstandsmitglied Mühlbauer, hat die Zugkraft des Namens Ikea zu zahlreichen Anfragen von Bürgermeistern geführt, die sich darum reißen würden, Grundstücke für die Boklok-Häuser bereitzustellen. Welche Städte ihr Interesse bekundet haben, will er allerdings mit dem Hinweis auf die von Ikea verordnete zurückhaltende Informationspolitik nicht verraten.

Die Stadtoberhäupter der bisher auserkorenen Standorte haben jedenfalls im Vorfeld offenbar nicht die Zentrale in Schlüchtern bestürmt. Sowohl in Nürnberg wie auch im benachbarten Fürth heißt es, dass man von den Plänen noch nichts wisse. Offenkundig konkreter ist das Vorhaben im Rhein-Main-Gebiet. Dort sind Boklok-Häuser für Baugebiete im Gespräch, die ein positives Marketing aus unterschiedlichen Gründen durchaus gebrauchen können.

Hoffnungswert Offenbach

Dazu zählt etwa das Offenbacher Neubauviertel „An den Eichen“. Bisher ist die Entwicklung des insgesamt 16,8 Hektar großen Areals alles andere als ein Selbstläufer - wohl auch, weil es bisher nur an das Stadtbusnetz, nicht aber an die S-Bahn angeschlossen ist. Das Gebiet war einst ein sozialer Brennpunkt, in dem Dieter Bohlens „Superstar“ Mark Medlock aufwuchs.

Medlocks öffentlich bekundeter Offenbach-Hass hat einen Namen: Lohwald. Seit einigen Jahren schon ist das Viertel abgerissen und damit Geschichte. Die Vermarktung der Brache unter dem Namen „Waldheim Süd“ kam nicht voran, nun wird sie als „An den Eichen“ angepriesen. Würden dort die Ikea-Häuser gebaut, wäre das ein „positives Signal“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider. Verschenken könne die Stadt das Bauland, für das Quadratmeterpreise zwischen 360 und 400 Euro je Quadratmeter angesetzt sind, allerdings nicht.

Wie sein Offenbacher Amtskollege beurteilt auch Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller das Vorhaben grundsätzlich wohlwollend, sofern günstige Eigenheime für junge Familien entstehen - und er „die Häuser nicht selbst zusammenschrauben muss“. Allerdings ist die Stimmung zwischen Stadt und Lizenznehmer Bien-Zenker getrübt, seit der Verwaltungsgerichtshof Kassel im vergangenen Jahr den Bau von 16 Bien-Zenker-Häusern im Neubaugebiet „Künstlerviertel“ gestoppt hatte. Der Vorfall geriet in die Schlagzeilen. Die Richter hatten den Bebauungsplan der Stadt für das Areal gekippt. Diese wollte den Betrieb eines Holzhändlers als Wohngebiet ausweisen, in dessen Nachbarschaft die Reihenhäuser entstanden. Doch der Holzhändler wehrte sich und bekam recht. Für die Baufamilien war es ein Drama, für die Stadt in Person des Baudezernenten ein Debakel.

Skeptisches Hofheim

Am weitesten ist das Unternehmen bisher in Hofheim am Taunus gekommen, wo Ikea Deutschland seine Zentrale hat. Im Ortsteil Langenhain will der Boklok-Lizenznehmer 18 Einheiten im Baugebiet „Südlich zu den Eichen“ errichten. Die Stadt muss dafür den Bebauungsplan ändern. In dem schon in den neunziger Jahren ausgewiesenen Baugebiet hatte man vor allem auf den Verkauf der Grundstücke an private Bauherren von Einzel- und Doppelhäusern gehofft. Doch auch hier war die Vermarktung kein Erfolg. Die Grundstückspreise seien zu hoch, heißt es. Der Bodenrichtwert für dieses Gebiet liegt bei 420 Euro je Quadratmeter. Zudem ist in Langenhain immer wieder die Klage über eine teilweise missglückte Bebauung zu hören, die die Vermarktung der übrigen Parzellen erschwere.

Nun könnten die Schwedenhäuser neuen Schwung bringen, meinen die Befürworter. Bürgermeisterin Gisela Stang argumentiert nüchtern und nennt das Ikea-Vorhaben „eine städtebaulich gut verträgliche Lösung an dieser Stelle“. Manch einer der Stadtverordneten aber lehnt die Boklok-Architektur als zu billig ab. Von Behelfsbaracken ist gar die Rede. Ursprünglich sollten sie am vergangenen Mittwoch der Änderung des Bebauungsplans wie das Grundstücksverkaufs zustimmen. Doch fürs Erste haben die Hofheimer Stadtparlamentarier den Entwurf an den Planungsausschuss zurückverwiesen.

Philipp S. Mühlbauer von Bien-Zenker verbreitet derweil Optimismus: „Boklok ist das, worauf die Leute gewartet haben.“

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