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Hortensien : Hauchzarter Superstar

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Erblüht wunderschön und vergeht zauberhaft: Am beliebtesten sind Hortensien in Blautönen. Bild: mauritius images

Hortensien können alles: Sich als bonbonbunte Diven geben oder als weiße Grazien auch Minimalisten bezaubern.

          Was war eigentlich vor ihr in unseren Gärten? Wie konnte man den Sommer nur überstehen, ohne diese spektakuläre Schneeballhortensie? ‘Annabelle’ (Hydrangea arborescens) ist mit ihren weißen Blütenbällen zum Hingucker schlechthin im Garten, auf Balkon und Terrasse avanciert. Unter den vielen Hortensien-Sorten ist sie der absolute Star. Dabei ist sie fast eine „Antiquität“: 1910 bei einem Waldritt im Bundesstaat Illinois als Wildart entdeckt, brachte sie der amerikanische Züchter McDaniel in den sechziger Jahren als Kultivar auf den Markt, sie bekam Preise der ehrwürdigen englischen Royal Horticultural Society. Aber erst im 21. Jahrhundert eroberte sie unsere Gärten, verführerisch schön und extravagant wie eine Diva, nur ohne deren Allüren.

          Die Blütenbälle, überdimensionale Weihnachtskugeln mit bis zu fünfundzwanzig Zentimetern Durchmesser, bestehen aus vielen einzelnen winzig hauchzarten Blütchen, sie schenken das romantische Flair. Anfangs bezaubert ‘Annabelle’ mit hellem Hauch in lindgrün, das allmählich in nobles cremeweiß wechselt. Damit darf diese Hortensie sogar in die coolen formalen Gärten der Minimalisten einziehen. Klassische Bauernhortensien in Blau-, Violett- und Rosatönen sind dort tabu, sie gelten als zu kitschig, zu süßlich. Doch der verführerischen Wirkung von ‘Annabelle’ können selbst Puristen nicht widerstehen.

          Der Superstar ist ein Tausendsassa für jede Gartenmode: Ob üppiger Cottagegarten, naturnah oder asiatisch – mit ihren barocken Blütenbällen macht sie überall eine gute Figur. Mit aufrechtem Wuchs und vielen Grundtrieben bildet sie einen dichten Busch mit weich gerundeter Silhouette. Dieser harmonische Habitus macht sie – und Sorten mit ähnlichem Erscheinungsbild – zum Alleskönner. Als lange Reihe ist sie leuchtender Wegbegleiter, rahmt elegant einen Gartenbereich, kann legerer Raumteiler sein oder ein weithin strahlender Solitär mit wundervoller Fernwirkung.

          Dasselbe gilt eigentlich für alle Hortensien. Zur Gattung gehören achtzig Arten und unzählige Sorten, die seit Jahren ein triumphales Comeback feiern. Ob stylish, im Vintage-Look, klassisch bäuerlich oder sogar mit Gräsern – sie passen einfach überall. Umwerfend ist ihr Effekt in Mengen: „Hortensien machen viel von sich aus her, allerdings kommen sie in größeren Gruppen besser zur Geltung“, empfahl einst Englands Garten-Queen Vita Sackville-West.

          Vom „Acht-Göttinnen-Strauch“ zur „Metzgerblume“

          Neben ihrer formidablen Erscheinung sind die meisten Hortensien ziemlich robust, winterhart und pflegeleicht, bei richtigem Standort – oft eher im Halbschatten – und genug Wasser. Ihr botanischer, griechischer Name Hydrangea bedeutet „wasserziehend“. Bei Wassermangel macht sie schnell schlapp. Der deutsche Name ist vom lateinischen hortus, also Garten, abgeleitet. Doch neben der profanen Herkunft des Namens kursiert eine poetischere Version, die besagt, dass die Blume nach Hortense de Beauharnais (1783–1837) der Stieftochter von Napoleon I. und späteren Mutter von Napoleon III., benannt worden sein soll.

          Ursprünglich war die Hortensie in Nordamerika, den Anden und vor allem Ost- und Südostasien beheimatet. In China hütete man den „Acht-Göttinnen-Strauch“ im Unterholz von Wäldern als kostbaren Schatz, abgeschirmt vor allem vor Europas tollkühnen Pflanzenjägern. Einer davon war der Botaniker Philibert Commerson, der von 1766 bis 1769 die erste französische Weltumseglung unter dem Kommando von Louis Antoine Bougainville begleitete. Bei der Rückkehr von China lagerte an Bord auch eine Blütenpflanze in schillerndem Rosa. Commerson soll ihr 1771 den Namen Hydrangea macrophylla gegeben haben. Doch als offizielles Datum der Einführung in Europa gilt laut Garten-Literatur das Jahr 1788. Da brachte der berühmte Pflanzenjäger Sir Joseph Banks die erste Macrophylla-Hortensie von Japan in die Londoner Kew Gardens.

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