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Gebäude ohne Eigentümer : Wenn herrenlose Häuser zum Problem werden

Dem Verfall nicht tatenlos zusehen

Eines davon liegt im Problemquartier Wehringhausen, das aktuell im Rahmen des Städtebauprogrammes „Soziale Stadt“ wieder stabilisiert und aufgewertet werden soll. Doch an das herrenlose Haus heranzukommen ist für die Kommune nicht ganz einfach, denn es ist mit Schulden belastet, weswegen das Land zögert, es in Besitz zu nehmen. „Wir verhandeln jetzt mit den Banken, dass wir ihnen die Grundschuld für einen niedrigen fünfstelligen Betrag abkaufen können. Dann können wir etwas mit dem Haus machen, nachdem das Land verzichtet hat“, heißt es bei der Stadt. Es ist nicht das erste Mal, dass herrenlose Häuser in Hagen für Aufsehen sorgen: Nachdem ein leerer Bunker über längere Zeit besitzerlos war, sicherte sich die islamisch-kurdische Gemeinde den Bau und richtete dort eine Moschee ein.

Falls der Eigentümer eines Grundstücks oder Hauses stirbt und es keine Erben gibt oder die Nachkommen das Erbe ausschlagen, erbt automatisch das Land, in dem sich das Grundstück befindet. Anders als bei Dereliktionen kann der Fiskus die Erbschaft nicht ablehnen. Bei den Fiskalerbschaften sind jedoch nicht die neuen Bundesländern führend, sondern Hessen, gefolgt von Bayern. Aktuell sind 3200 geerbte Flurstücke im Besitz des Landes Hessen, davon 759 bebaute Grundstücke, heißt es von der Oberfinanzdirektion Frankfurt. Darunter befindet sich alles, von Reihenhäusern und Eigentumswohnungen bis zu Industriebrachen und verlassenen Kurkliniken. Auch hier steigen die Zahlen deutlich an. „Aufgrund des demographischen Wandels und der zunehmenden Verschuldung der privaten Haushalte nehmen die Fiskalerbschaften zu“, heißt es beim hessischen Landesbetrieb Bau und Immobilien, der die geerbten Grundstücke zu Geld machen soll.

Meistens sind es jedoch – wie nicht anders zu erwarten – nicht die Top-Lagen in Frankfurt oder Wiesbaden, die dem Staat vermacht werden. Oft liegen sie im ländlichen Raum, zum Beispiel im Vogelsberg. „In der Regel handelt es sich um nicht werthaltige Objekte, die aufgrund von Überschuldung und eines meist schlechten Zustands nur mit erheblichem Aufwand veräußert werden können“, teilt die Frankfurter Oberfinanzdirektion mit. Ein lachender Erbe klingt anders. Einfacher wird die Situation zudem nicht dadurch, dass das Land oft nur einen Anteil an einem Grundstück erbt und sich somit das Eigentum noch mit anderen teilt. Zieht man die Kosten ab, sind die Fiskalerbschaften für die Länder somit eher ein Verlustgeschäft – dessen sie sich jedoch anders als private Erben nicht entledigen können.

Doch selbst nach der Dereliktion bleibt mancher seinem früheren Eigentum treu. „Ich bemühe mich immer noch, zumindest die Löcher im Dach zu schließen“, sagt Klaus Hauptvogel aus Ortrand. Auch wenn es ihm nicht mehr gehört, kann er dem Verfall vor seinem Küchenfenster nicht tatenlos zusehen. „Das Haus hat so lange meiner Familie gehört, ich hänge einfach daran, auch wenn es jetzt herrenlos ist.“

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