https://www.faz.net/-gz7-92sb5

Gebäude ohne Eigentümer : Wenn herrenlose Häuser zum Problem werden

Üblicherweise erfolgt die Verzichtserklärung über eine vom Notar beglaubigte Urkunde. Das Grundbuchamt muss dann den Verzicht auf das Grundstück eintragen. Ist das erfolgt, ist der Eigentümer seinen Besitz los. „Die Rechte Dritter bleiben jedoch bestehen“, stellt Knackstedt klar. Falls Haus oder Grundstück noch mit Schulden belastet sind, müsste ein neuer Besitzer sie automatisch übernehmen. Genau hier liegt auch der Grund, warum die Länder häufig verzichten, denn es handelt sich meistens um wertlose Grundstücke und Häuser, die zusätzlich noch mit Schulden beladen sind.

Verlassene Gebäude kratzen am Image eines Ortes

Die herrenlosen Häuser werden vor allem für die Kommunen zu einem immer größeren Problem: Denn häufig kosten sie Geld, weil die Gemeinde die Verkehrssicherungspflicht hat, also sicherstellen muss, dass keinem Passanten ein Dachziegel auf den Kopf fällt. Noch schlimmer sind jedoch die Signale, die von ihnen ausgehen. Verlassene Gebäude verschandeln das Stadtbild, kratzen am Image eines Ortes und wirken sich negativ auf die Identifikation der Bewohner aus. In Gegenden mit vielen herrenlosen Häusern entsteht schnell das Gefühl, dass sich „die da oben“ schon lange nicht mehr um sie kümmern. Und wenn es sich dann auch noch um prägnante Bauten wie den ehemaligen Adelssitz, die Kirche oder den Bahnhof handelt, ist der Frust in der Bevölkerung besonders groß.

Deshalb sind Herrenlosigkeit und Leerstand auch zentrale Themen, mit denen sich die Internationale Bauausstellung (IBA) in Thüringen befasst. „Von knapp 600.000 Gebäuden stehen in Thüringen etwa 45.000 leer“, nennt Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen, Zahlen. Damit sei Leerstand in dem ländlich geprägten Bundesland kein vereinzeltes Problem, sondern ein flächendeckendes. „Er ist einerseits Folge des demographischen Wandels, aber auch der geänderten Nutzungsanforderungen an Gebäude“, sagt Doehler-Behzadi. Denn sowohl Wohnhäuser als auch ehemalige Postämter, Kirchen oder Schulen stehen leer. Die IBA hat sich nun zur Aufgabe gemacht, für diese Gebäude neue Verwendungen zu suchen. Etwas zu sanieren sei nur dann sinnvoll, wenn es danach auch eine Nutzung dafür gebe, betont die Geschäftsführerin und plädiert dafür, die verlassenen Gebäude nicht nur als Last, sondern als „steinerne Geschichte, verbaute Energie und Materialspeicher“ zu betrachten. „Leerstände sind gesellschaftliche Werte und bergen wichtige Ressourcen“, ist sie überzeugt. Zudem seien viele der verlassenen Gebäude aufgrund ihres Alters und ihrer geschichtlichen Bedeutung Denkmale.

Doch nicht nur im Osten kämpfen die Kommunen mit dem Problem der herrenlosen Häuser. Auch in Hagen im Ruhrgebiet kennt man das Problem. Hagen leidet unter Bevölkerungsschwund und hat zu viel günstigen Wohnraum, wie es bei der Stadt heißt. Preisverfall und Leerstand haben dazu geführt, dass die Stadt zum Ziel von Armutseinwanderern aus Rumänien und Bulgarien geworden ist, die in den verlassenen Häusern eine Bleibe gefunden haben. Die meisten dieser Gebäude haben zumindest offiziell noch einen Eigentümer, drei verrotten jedoch herrenlos.

Weitere Themen

Flixbus übernimmt „Greyhound“ Video-Seite öffnen

Bekannte US-Fernbuslinie : Flixbus übernimmt „Greyhound“

Flixmobility hat das US-amerikanische Busunternehmen Greyhound übernommen. Die GmbH mit Sitz in München teilte am Donnerstag mit, dass sie die Firma mit den ikonischen blau-silbernen Bussen für 46 Millionen Dollar von der britischen FirstGroup gekauft habe.

Topmeldungen

Springer-CEO Mathias Döpfner Mitte März in Berlin

Mathias Döpfner in der Kritik : Western war gestern

Springer-Chef Mathias Döpfner trauert Julian Reichelt nach. Er hat offenbar nicht verstanden, dass er Teil des Problems ist. Auf einer informellen Ebene hat ihm sein Vorgehen nachhaltig geschadet, heißt es aus dem Silicon Valley.
Renaissance der Riesen: Viele Airlines holen die  A380 zurück von den Rollfeldern, auf denen sie geparkt wurden.

Comeback der A380 : Totgesagte leben länger

Der große Airbus A380 war auch ein großer wirtschaftlicher Flopp. Nun aber steigt die Nachfrage nach Flügen so stark, dass der Gigant ein Comeback feiert.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.