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Garten : Unbeachteter Schatz

  • -Aktualisiert am

Mehr als eine Augenweide: mit einem gepflegten können Hausbesitzer beim Verkauf punkten. Bild: IZB/dapd

Ein liebevoll gehegter Garten steigert den Wert einer Wohnimmobilie. Das zeigt eine internationale Studie. Die Deutschen schätzen ihn besonders emotional - und werden dabei nur von den Japanern übertroffen.

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          Und sie lohnen sich doch, die Zipperlein vom vielen Bücken, Rupfen und Mähen: Ahnen Hobbygärtner schon lange, dass die Arbeit im Garten ihnen rundum guttut, haben nun auch Immobilienbesitzer die Bestätigung, dass ein gepflegter Garten sich auszahlt. Denn der Wiederverkaufswert einer deutschen Wohnimmobilie steigt um durchschnittlich 18 Prozent, wenn der Garten drumherum gepflegt ist, hat die Studie „Global Garden Report 2011“ des schwedischen Gartengeräteherstellers Husqvarna und dessen deutscher Tochtergesellschaft Gardena ergeben. Im internationalen Vergleich beträgt die Wertsteigerung 16 Prozent. Dank des „Garteneffekts“, der hierzulande den Wert einer Immobilie durchschnittlich um 49 000 Euro steigert, bekommt der Hausbesitzer für jeden Euro, den er in seinen Garten investiert, statistisch gesehen 2,60 Euro beim Verkauf zurück.

          Während die meisten Hausbesitzer bisher die Renovierung von Küche oder Bad als eine der vernünftigsten Investitionen ansehen, zeige die Studie, dass es an der Zeit ist, diese Einstellung zu überdenken, argumentiert Heribert Wettels von Husqvarna Deutschland: „Der Garteneffekt verändert die traditionelle Sichtweise darauf, was die beste Investition in unsere Eigenheime ist. Die Zeit, die man mit Mähen, Unkrautjäten und Bewässern verbringt, könnte eine der besten Investitionen überhaupt sein“, gibt sich der Pressechef von Gardena überzeugt. Denn der Wert von renovierten Wohnbereichen sinke mit jedem Tag der Nutzung, während dies beim Garten genau andersherum sei: „Außerdem kann man einen schönen, gepflegten Garten mit Freunden und der Familie genießen.“

          Für die Studie hat das Marktforschungsunternehmen Kairos Future 5000 Hausbesitzer, 120 Gartenarchitekten und 44 Makler in neun Ländern auf vier Kontinenten befragt und eine komplizierte Formel aus den „weichen“ Mittelwerten vorsichtig-rationaler und optimistisch-emotionaler Schätzungen des Immobilienwerts mit und ohne gepflegten Garten, den „harten“ Faktoren wie den Kosten, die durch Pflege, Pflanzenkauf und Gartengestaltung anfallen, sowie der zu erwartenden Amortisation beim Verkauf erstellt.

          In der Studie kommen auch ein paar Eigenarten der jeweiligen Nationen zum Vorschein. Drei von zehn Deutschen verbringen demnach mehr als 20 Stunden in einem Frühlingsmonat im Garten, um ihn auf Vordermann zu bringen. Damit liegen sie fast gleichauf mit den Franzosen und werden nur von den russischen Gärtnern übertroffen, von denen fast jeder zweite Befragte so viel Zeit investiert.

          Selbstbewusste Deutsche, bescheidene Russen

          Entsprechend selbstsicher sind knapp drei von zehn deutsche Gärtnern auch, dass sie den schönsten Garten in der Nachbarschaft haben. Damit liegen sie fast gleichauf mit den Amerikanern. Anderswo in der Welt sind die Gartenbesitzer zurückhaltender: Durchschnittlich sind nur zwei von zehn Befragten der Meinung, dass ihr Garten der Stolz der Nachbarschaft ist. Und während die Russen zwar am meisten Zeit im Garten verbringen, sind sie doch äußerst bescheiden: 92 Prozent geben an, dass jemand in ihrer Nachbarschaft einen attraktiveren Garten hat als sie selbst.

          Die Studie räumt zudem auch mit ein paar Vorurteilen auf. Traditionell gelten die Deutschen als besonders ordentlich und sind auch im Garten für ihre akribisch gepflegten Rasenflächen, gestutzten Büsche und in Form geschnittenen Bäume bekannt. In anderen Ländern ist der akkurate Rasenschnitt viel wichtiger: Während im globalen Ranking die gepflegte Grünfläche als Wertsteigerung Nummer eins angegeben wird, ist der ordentliche Rasen hierzulande nur die Nummer drei. An erster Stelle bevorzugen knapp Zweidrittel der deutschen Hausbesitzer eine einladende „soziale“ Fläche im Garten und werden damit nur von den Schweden übertroffen, bei denen knapp drei von vier Befragten den Garten als schön gestalteten Treffpunkt für Familie und Freunde wertschätzen.

          Hübsche Wege, ordentliche Hecken

          Damit liegen die Skandinavier und die deutschen Hausbesitzer im Übrigen ganz auf der Linie der Profis: Zwar sind auch 73 Prozent der befragten Makler der Meinung, dass ein gepflegter Rasen den Wert des Grundstücks steigert, aber mit 83 Prozent geben mehr professionelle Vermittler an, dass Terrasse & Co. eine Immobilie beim Verkauf wertvoller machen. Hübsch gestaltete Steinwege landen unterdessen bei dem Wiederverkaufsranking in Deutschland auf Platz zwei, ordentliche Hecken und dekorative Bäume auf den Plätzen vier und fünf.

          Auch das Bild des stets rationalen Deutschen bekommt einige Kratzer. Bei der optimistischsten Einschätzung der Wertsteigerung durch einen schönen Garten, den sogenannten emotionalen Garteneffekt, zeigten sich die Deutschen mit 29 Prozent besonders zuversichtlich. Nur die Japaner sind mit 43 Prozent noch emotionaler.

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