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Fertighäuser : Energieeffiziente Mogelpackung

Dieses Fertighaus in Kanada ist wegen des Untergrunds aus dem Fundament geraten - in Deutschland beklagen die Hersteller politische Schieflagen Bild: AP

Die Hersteller von Fertighäusern in Deutschland stecken in der Krise. Nun holt der Verband zum Angriff auf die Politik aus. Nach seiner Beobachtung werden Bauherren getäuscht und Klimaschutzziele konterkariert.

          Für eine schärfere Kontrolle energieeffizienter Neubauten hat sich der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) ausgesprochen. Eine große Zahl der Wohnbauten, für die Fördermittel aus dem Programm „Energieeffizient Bauen“ (früher „Ökologisch Bauen“) der KfW-Bankengruppe geflossen seien, entpuppten sich als Mogelpackung. Die Gebäude entsprächen oft nur auf dem Papier den Anforderungen, die nötig seien, um einen Förderkredit zu erhalten. „Das ist ein Skandal“, sagte Verbandsgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas im Gespräch mit dieser Zeitung. Bauherren würden getäuscht, die Umweltschutzziele konterkariert und der Wettbewerb verzerrt - und dies letztlich mit Fördermitteln der Staatsbank KfW.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der BDF greift mit seinem Vorstoß eine Kritik des Verbands Privater Bauherren (VPB) auf. Schon im vergangenen Sommer hatte dieser öffentlich darauf hingewiesen, dass die Energiebilanz von Neubauten in vielen Fällen schöngerechnet werde. Sachverständige der Verbraucherorganisation hatten 2007 rund 5000 Energieberechnungen überprüft und bei mehr als 60 Prozent der nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) erstellten Energieausweise für Schlüsselfertig-Häuser Rechenfehler entdeckt. Bei zwei Dritteln stellten die VPB-Prüfer falsche Voraussetzungen für die Berechnungen fest, die das Ergebnis verzerrten. Mehr als die Hälfte aller Berechnungen wurden zudem nicht korrekt umgesetzt.

          Die KfW weiß von nichts

          Seitens der KfW heißt es, ihr sei nicht bekannt, dass im großen Stil Förderkredite für Bauten bewilligt worden wären, die den Anforderungen nicht genügten. Der VPB indes will im vergangenen Jahr seine Studie der Förderbank zur Verfügung gestellt haben. Diese hat 2008 für 28.000 energieeffiziente Neubauten Kreditzusagen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro gewährt - und die Förderbedingungen verschärft.

          Die Bauherren, dazu zählen auch die Kunden von schlüsselfertigen Angeboten, stellen ihren Antrag auf ein KfW-Darlehen über ein Kreditinstitut, dem die entsprechenden Berechnungen für ein Energieeffizienzhaus beiliegen. Ein Sachverständiger muss den Antrag unterzeichnen und - anders als früher - nach Abschluss des Baus bestätigen, dass Ausführung und Planung einander entsprechen. „Auf dem Papier kann viel stehen“, monieren die Kritiker. Zudem gebe es keine Standards, was dazu führe, dass die Prüfer ihre eigenen Schwerpunkte setzten, räumt Thomas Kwapich von der Deutschen Energie Agentur (Dena) ein.

          Stichproben vor Ort

          Man behalte sich stichprobenartige Vor-Ort-Kontrollen vor, heißt es bei der KfW. „Das Entdeckungsrisiko ist bisher gleich null“, kontert BDF-Geschäftsführer Klaas. Er rechnet damit, dass sich das Problem von Herbst an sogar noch verschärft. Am 1. Oktober tritt die neue Energieeinsparverordnung in Kraft. Sie stellt weit höhere Anforderungen an die Energiebilanz von Neubauten als die bisherige Version. Der Bedarf an Jahres-Primärenergie als auch der Wärmeverlust über die Gebäudehülle sollen deutlich reduziert werden.

          „Das kann man nicht ohne erheblichen Aufwand erreichen“, sagt der BDF-Geschäftsführer. Er macht keinen Hehl aus seinen Zweifeln, dass die gewünschte Bauqualität und Energieeffizienz von Gebäuden ohne Druck erlangt werden wird. Für seine Mitgliedsunternehmen sieht er erhebliche Nachteile. Die Holzfertigbauer folgten hohen Standards, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Das habe seinen Preis. „Wir haben bisher eine Marktverzerrung“, schimpft er auf die Konkurrenz, die es weniger genau nehme, aber Häuser mit KfW-Förderung verspreche.

          Letztlich sieht offenbar auch die KfW einen stärkeren Kontrollbedarf. Gemeinsam mit der Dena und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat sie das neue „Effizienzhaus-Label“ entwickelt. Dazu werde jedes fertiggestellte Haus durch einen Fachmann vor Ort begutachtet und die Energieeffizienz in einem standardisierten Verfahren bewertet, sagt Dena-Bauexperte Kwapich. Für Bauherren hat er noch einen Rat: Sie sollten einen unabhängigen Prüfer hinzuziehen, der am Ende zum Beispiel einen Blowerdoor-Test macht, was gewiss „qualitätsverbessernd“ wirkt.

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