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Fertighäuser : Ein Eigenheim aus dem Baukasten

  • -Aktualisiert am

Baukastenspiele für Große: Montagearbeiten an einem Fertighaus in Bad Soden Bild: ddp

Die Hersteller von Fertighäusern arbeiten an der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Branche. Der Marktanteil liegt bei 15 Prozent. Mit einem „Tag des deutschen Fertigbaus“ wollten sie nun Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

          „Nein, bis auf eine Atempause vor der Jahreswende hat die Finanzkrise dem Fertigbau nicht geschadet. Mehr als 12.000 Kunden haben im vergangenen Jahr ein Eigenheim aus Holz erworben.“ Das sagte Detlef Bühmann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF) und Geschäftsführer des Fertighausunternehmens Haacke aus dem niedersächsischen Celle in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

          Nach der Streichung der Eigenheimzulage und der drastischen Erhöhung der Mehrwertsteuer - die der Branche arg zugesetzt hatten - sei die Nachfrage wieder gestiegen. Einige der knapp 50 Mitgliedsbetriebe des Verbands - fast alle überregional und zum Teil auch international tätig - verfügten sogar über mehr Aufträge als vor einem Jahr. Sie profitieren vom Klimaschutz und von den seit Jahresbeginn verschärften Energieeinsparvorschriften.

          Zusammenbruch der Nachfrage im Ausland

          Die Fertighaushersteller, so der Verbandspräsident, hätten mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: mit dem Zusammenbruch der Nachfrage auf einigen Auslandsmärkten und den zum Teil immer noch hohen Rohstoffpreisen. Die Ertragslage vieler Betriebe sei regelrecht eingebrochen. Erst im März hatte es einen der führenden Fertighaushersteller erwischt: Die Kampa-Gruppe musste Insolvenz anmelden (Fertighaus-Hersteller Kampa vor der Pleite). Hier seien wohl auch Managementfehler verantwortlich gewesen.

          Die Fertighausbranche, die mehrere hundert Unternehmen zähle - darunter uralte Zimmereibetriebe -, komme aus der Dämmung. Holz sei ein nachwachsender Rohstoff und habe - im Gegensatz zur Zement- und Ziegelindustrie - eine vorzeigbare Umweltbilanz. Das sei Rückenwind für den Fertigbau.

          Arbeiten an der öffentlichen Wahrnehmung

          Ingenieurmäßig geplante und vorgefertigte Bauelemente bedeuten nach Bühmanns Worten keinesfalls Architektur von der Stange. Am Computer ließen sich die standardisierten Bauteile nach individuellen Vorstellungen zusammensetzen - vom Bausatz für Selbstbauer über Edel-Bungalows bis zu 830 schalldichten Fertighäusern nach amerikanischen Bauvorgaben am Truppenübungsplatz Grafenwöhr im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

          Auch gebe es große Chancen in der Kombination mit Beton - nicht nur beim Bau eines Kellers oder einer Bodenplatte, sondern auch im mehrgeschossigen Wohnungsbau. Dabei gehe es nicht nur um eine optimale Wärmedämmung, sondern auch um die Präzision der computergesteuerten Herstellung. Die auf Sicherheit bedachten Kunden müssten sich nicht mit den Risiken auf einer konventionellen Baustelle plagen; sie erhielten alles aus einer Hand.

          Außerdem würden sie ein zusammen mit der Deutschen Energie-Agentur (Dena) und der Förderbank KfW entwickeltes Qualitätssiegel „Effizienzhaus“ erhalten und könnten alternative Energieanlagen, Dreifachverglasung oder auch Barrierefreiheit einplanen und die Kosten dafür kalkulieren. Wegen der hohen Dämmwirkung der Wände lasse sich die Heizanlage kleiner und kostengünstiger dimensionieren. Auch wollen mehrere Anbieter verstärkt innenstadtnahe Industriebrachen entwickeln, um sich tendenziell vom politisch umstrittenen Bild des Eigenheims auf der grünen Wiese zu befreien.

          Vorwürfe gegen die Bundesregierung

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