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Dänemarks Ferienhäuser : Ende der Abschottung?

Oh, wie schön ist Dänemark! Bild: Look

Mieten ja, kaufen nein. Bisher hält Dänemark ausländische Käufer von seinem Ferienhausmarkt fern. Das könnte sich nicht nur wegen des Preissturzes ändern.

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          Es sind nur drei Kilometer über die Nordsee, aber sie machen 5500 Euro aus: Während auf Sylt die Hauspreise in diesem Sommer auf durchschnittlich 7700 Euro je Quadratmeter geklettert sind, liegt der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter Sommerhaus auf der dänischen Nachbarinsel Rømø bei knapp 15.000 dänischen Kronen, umgerechnet etwa 2000 Euro. Lange feine Sandstrände haben beide Inseln ebenso wie kuschelige Reetdachhäuser und eine steife Brise selbst im Hochsommer. Doch es gibt einen gewaltigen Unterschied. Während der Ferienhauskauf in Deutschland vor allem an Nord- und Ostseeküste von Jahr zu Jahr beliebter wird, steckt der dänische Markt für Sommerhäuser, wie sie dort genannt werden, in einer schweren Krise.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Um etwa ein Viertel haben sich die Ferienimmobilien seit Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren, in deren Zuge in Dänemark die Hauspreisblase platzte, laut Zahlen des Bankenverbandes „Finans Danmark“ verbilligt. Am schlimmsten hat es die Ostseeinsel Bornholm getroffen, wo die Preise noch immer fast 40 Prozent niedriger sind als 2007. Am besten durch die Krise gekommen ist Südjütland, die Region direkt hinter der deutschen Grenze, wo die Preise nur um 15 Prozent gefallen sind. „Die gute Vermietbarkeit der Häuser, vor allem an deutsche Touristen, hat den Markt stabilisiert“, sagt Peter Jayaswal, der bei Finans Danmark für Immobilien und Finanzierung verantwortlich ist.

          14.200 Sommerhäuser stehen in ganz Dänemark nach Angaben des Maklerhauses Nybolig, einem der Marktführer, zum Verkauf. Das sind mehr als 6 Prozent aller Ferienhäuser im Land. In einigen Gegenden sind die typischen rot-weißen Verkaufsschilder im Vorgarten so häufig anzutreffen wie Nationalflagge auf dem Dach. Wer in der aktuellen Lage seine Immobilie loswerden will, braucht einen langen Atem: Mehr als ein Jahr ist ein dänisches Sommerhaus auf dem Markt, bevor sich ein Käufer findet, heißt es beim Verband der dänischen Bauwirtschaft.

          Der Traum vom dänischen Sommerhaus

          „Als Dänemark von der Finanzkrise getroffen wurde, haben die Menschen zuerst das verkauft, was sie nicht dringend benötigten – ihre Sommerhäuser“, sagt Thomas Hovgaard von Nybolig. Zwar sei in diesem Jahr wegen der wirtschaftlichen Erholung und politischer Initiativen wieder mehr Interesse zu spüren. „Aber es sind einfach so viele Häuser auf dem Markt, dass die Preise nur sehr langsam steigen werden“, seufzt Hovgaard.

          Zumal das hohe Angebot auf einen begrenzten Käuferkreis trifft: Für Ausländer es sehr schwierig, sich ihren dänischen Sommerhaustraum zu erfüllen. Der Kauf ist nur denen gestattet, die dauerhaft in Dänemark wohnen oder in der Vergangenheit mindestens fünf Jahre dort gelebt haben. Alle anderen müssen beim dänischen Justizministerium eine Genehmigung beantragen, die sie nur erhalten, wenn sie „eine besonders starke Bindung“ an das Land nachweisen können. „Das trifft zum Beispiel auf Mitglieder der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein zu und auf Deutsche, die Familie in Dänemark haben oder die Sprache sehr gut beherrschen“, sagt Stefan Reinel, Partner bei der deutsch-dänischen Anwaltskanzlei Njord in Kopenhagen. Dass die Genehmigung nicht bloß eine Formalie ist, lässt sich aus der Statistik des Justizministeriums ablesen: Im Jahr 2015 wurde 270 Ausländern eine Genehmigung erteilt, davon 63 Deutschen.

          Die restriktive dänische Sommerhausregelung stammt aus dem Jahr 1959, als im Land des Wirtschaftswunders die Begehrlichkeiten wuchsen, sich Eigentum nördlich der Grenze zuzulegen. Während in Deutschland auf jeden Kilometer Küste etwa 34.500 Einwohner kommen, sind es in Dänemark nur 790. Damals schotteten die Dänen den Markt ab, weil Ferienhäuser für die breite Mittelschicht erschwinglich bleiben sollten – und auch, um kurz nach dem Krieg die abermalige Eroberung der Küsten mit D-Mark statt mit Waffen zu verhindern.

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