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Einrichtung mit Naturfaser : Algen statt Plastik

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Handgewebt: Die Londoner Textildesignerin Catarina Riccabona verwendet nur umweltverträgliche Garne. Bild: Modern Craft Workshop

Naturfasern müssen nicht immer aus Baumwolle sein. Wie wäre es mit einem Vorhang aus Kiefernnadeln oder einem Sofabezug aus Milch?

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          Textilien aus Kunstfasern sind noch schlechter als ihr Ruf. Wie man jetzt weiß, tragen sie erheblich dazu bei, die Meere mit kleinen Partikeln aus Plastik zu verschmutzen. Mit jeder Wäsche verlieren Stoffe aus Polyester, Acryl oder Mischgeweben zahlreiche Fasern. Das Mikroplastik gelangt mit dem Abwasser in die Umwelt, denn weder die Filter der Waschmaschine noch der Kläranlagen können die Fasern zurückhalten. Und schließlich landen sie wieder bei uns, als Beilage zum Fischgericht. Wem diese Vorstellung den Appetit verdirbt, der wird künftig beim Kleiderkauf wohl genauer auf die Etiketten schauen. Doch solche Stoffe finden sich nicht nur im Kleiderschrank – Wohntextilien wie Vorhänge, Handtücher, Bettwäsche, Kissenhüllen oder Möbelbezüge bestehen ebenfalls oft aus Kunstfasern auf Erdölbasis. Sie werden zwar nicht so häufig gewaschen wie Sporthosen oder Glitzerpullis. Aber genauso wie in der Mode gibt es für die Bekleidung der Wohnräume genug verträglichere Alternativen aus der Natur. Manche Stoffe waren schon unseren Ururgroßeltern bekannt, mit anderen experimentieren Textildesigner, Ingenieure und Hersteller.

          Produkte aus Wolle und Baumwolle hat wahrscheinlich jeder zu Hause, sei es die Kuscheldecke auf dem Sofa oder das Geschirrhandtuch in der Küche. Aber wie steht es mit Seide, Viskose und Leinen, mit Hanf, Brennnessel und Jute, gar Papier? Alle diese Materialien basieren auf nachwachsenden Rohstoffen pflanzlichen oder tierischen Ursprungs und haben gegenüber den Kunstfasern einen entscheidenden Vorteil: Sie sind biologisch abbaubar. Gelangen diese Fasern in die Umwelt, verrotten sie über kurz oder lang. Und auch die Ästhetik muss nicht zu kurz kommen. Große Textilhersteller genauso wie kleine Manufakturen und handwerkliche Betriebe fertigen wohnliche Produkte aus natürlichen Materialien. Die Londoner Textildesignerin Catarina Riccabona beispielsweise hat es sich zur Aufgabe gemacht, ausschließlich mit möglichst umweltverträglichen Garnen zu arbeiten. In ihrem Studio im Südosten der britischen Hauptstadt webt sie per Hand Stoffe aus Leinen, Hanf, Wolle, Alpaka und Secondhand-Garnen. Eine Selbstbeschränkung, die sie mit ihrer persönlichen Geschichte erklärt. Ihr erster richtiger Job in einem Reiseverlag sei zunächst aufregend gewesen, „aber nach eineinhalb Jahren war ich zutiefst unzufrieden mit meinem Hamsterrad-Alltag und dem konsumorientierten Lebensstil, in den ich eingebunden war“, sagt sie. Der Wunsch nach einem besonneneren Leben und ein Gefühl der Verantwortung für das, was sie herstellt, führten sie schließlich zur ihrer heutigen Tätigkeit.

          Gewebe aus Leinen, Viskose und Baumwolle

          Zu Riccabonas Lieblingsgarnen gehören Leinen und Hanf, weil sie anspruchsloser im Anbau sind als Baumwolle. Doch die Suche nach den richtigen Rohstoffen für ihre Decken, Kissenhüllen und Handtücher ist nicht abgeschlossen, denn nicht immer kann sie eindeutig beantworten, welches Garn wirklich geeignet ist. „Es ist ähnlich wie beim Bio-Essen. Ist zum Beispiel eine Bio-Kiwi aus Neuseeland einem heimischen Apfel aus konventionellem Anbau vorzuziehen? Die Antwort darauf ist nicht eindeutig und fällt für verschiedene Menschen bestimmt verschieden aus“, sagt Riccabona. Gefunden hat die Designerin aber ihre eigene Ästhetik. Inspiriert von Textilien wie alten anatolischen Kelims, afrikanischen Matten oder Berberteppichen, setzt sie auf den natürlichen und unregelmäßigen Charakter der Garne, auf gedeckte Farben und dezente Muster. Mit ihrem handwerklichen Ansatz bewegt sich Catarina Riccabona allerdings in einer kleinen Nische, denn für größere Stückzahlen müsste sie Kompromisse bei der Umweltverträglichkeit der Garne eingehen.

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