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Ein-Personen-Haushalte : Immer mehr sind allein zu Haus

  • -Aktualisiert am

Klassisch, modern, unordentlich - Singles können ihre Wohnung kompromisslos selbst gestalten Bild: Andreas Weishaupt

In Deutschland leben rund 16 Millionen Menschen alleine. Worunter die einen leiden, wissen andere durchaus zu schätzen. Denn eine eigene Wohnung bedeutet auch Freiraum.

          Wenn Barbara Perfahl auf ihre Klienten trifft, ist eine Frage schon programmiert: „Welches war Ihre schönste Wohnung?“, will sie dann wissen. Viele antworteten spontan, manche eher zögerlich; „aber ich erhalte fast immer zur Antwort, dass die schönste Wohnung die war, in der die Befragten alleine wohnten“, berichtet die Wohnpsychologin. Perfahl hat auch gleich eine Erklärung für dieses Phänomen parat: „Zusammenleben ist immer auch ein Kompromiss bei der Gestaltung des eigenen Nests.“

          Viele Menschen würden gerne solcherart Kompromisse eingehen, doch scheitern sie schon bei der Suche nach jemanden, mit dem sie Tisch und Bett teilen wollen. Die Folge: Immer mehr Menschen leben alleine, führen ein unfreiwilliges Single-Dasein. In den vergangenen beiden Jahrzehnten stieg die Zahl der Alleinlebenden in Deutschland drastisch an, ermittelte das Statistische Bundesamt, von einst 11,4 im Jahr 1991 auf inzwischen rund 16 Millionen. In Großstädten mit mehr als einer halben Million Einwohner liegt der Anteil schon bei annähernd 30 Prozent (siehe Grafik).

          Allein zu Haus - das betrifft nicht nur den klassischen Single, sondern auch ältere Menschen, die verwitwet oder geschieden sind. Oder Pendler, die multilokal wohnen und unter der Woche von ihrer Familie getrennt sind. Allein zu leben ist keineswegs immer trauriges Schicksal. Viele wählen diese Lebensform aus freien Stücken.

          Single-Haushalte sind vor allem ein städtisches Phänomen – und Teilursache für
die sich zunehmend verschärfende Situation an den Wohnungsmärkten. Im europäischen
Vergleich liegt Deutschland mit an der Spitze.

          Wo die Liebe hinfällt: Tanja Duensing lebt in einer schicken Altbauwohnung in der Trierer Altstadt. Hohe Wände, Stuck an der Decke. Fragt man die Grundschullehrerin, in welcher Wohnung sie sich bisher am wohlsten fühlte, muss sie nicht lange überlegen: „In dieser hier.“ Dabei wohnt Duensing seit neun Jahren allein, und ihre Wohnung wird sie im nächsten Jahr freiwillig aufgeben. Dann, wenn sie mit ihrem Freund in ein gemeinsames Haus ziehen wird. Seit vier Jahren sind die beiden ein Paar, führen sie eine Fernbeziehung zwischen Trier und Lübeck.

          Spricht man mit Duensing über die vergangenen vier Jahre, unterteilt sie diese in drei Phasen: Anfangs sei es einfach nur aufregend gewesen, zwischen ihrer Wohnung und der des Freundes zu pendeln. Ein wenig Jetset habe das gehabt, von einem „Besonderheitskick“ berichtet die 40-Jährige. Dann jedoch habe sie an sich ein gewisses „Reviergehabe“ festgestellt, hätten sie schon kleine Dinge gestört, wenn der Partner an Wochenenden bei ihr einzog. „Ich musste ja nie fragen, ob ich das Buch jetzt hierhin oder dorthin stelle oder warum das Handtuch hier hängt und nicht da, wo es immer...“. Duensing muss jetzt lachen. Inzwischen überwiegt bei ihr die Vorfreude auf das gemeinsame Haus - auch weil beide das ewige Pendeln satthaben.

          Doch auch in ihrem gemeinsamen Zuhause werden sie und ihr Freund ein eigenes Zimmer haben. Wohnpsychologin Perfahl spricht in diesem Zusammenhang von einem Grundbedürfnis des Menschen, sich Räume anzueignen und einen eigenen Rückzugsbereich zu schaffen. Das Problem: Vielen Paaren und Familien fehlt schlicht der Platz hierfür. Männer flüchten deshalb schon mal in den Keller oder in die Garage - auch das nicht selten eine Reaktion auf das Verlangen, sich zurückzuziehen. Mangelt es in der Wohnung an Raum und Räumen, empfiehlt die Expertin, sich kleine Inseln im gemeinsamen Heim zu schaffen: „Das kann schon ein Sekretär im Flur sein“, Hauptsache etwas, womit sich der Besitzer identifiziert und was er nach Belieben gestalten kann.

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