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Senioren : Ein neues Wohnviertel - nur für Alte

Der geplante Wohnpark Bild: Rouven Wulf

Wenn es Spielstraßen gibt, kann es auch Seniorenstraßen geben, hat sich Projektentwickler Josef Wulf gedacht. In Meppen an der Ems baut er nun eine Bungalow-Anlage für Bewohner, die älter als 60 Jahre sind. Exklusiv soll sie nicht sein.

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          Kapahnkes sind über 70 Jahre alt und Pioniere. Ende April haben sie ihr neues Eigenheim „Am Heideweg“ in Meppen bezogen. Sie waren nicht nur die ersten, sondern über Monate hinweg auch die einzigen Bewohner des neuen Viertels. Mittlerweile sind sie in der Nachbarschaft zu siebt, verteilt auf vier Häuser. In den nächsten Jahren sollen auf dem annähernd 2 Hektar großen Grundstück an der Ems mehr als 40 Bungalows entstehen und etwa 86 Menschen leben - die meisten älter als 60. „Alles alte Leute mit ihren Wehwehchen.“ Renate Kapahnke lacht: „Das passt.“

          Birgit Ochs
          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bisher hat es nicht so recht gepasst - das Wohnangebot für die mittlere Einkommensgruppe der Rentner. Das findet zumindest der Architekt Josef Wulf. „Wer sich nicht gleich eine Finca auf Mallorca leisten kann, aber weiter seinen Lebensabend im eigenen Haus verbringen will, allerdings barrierefrei und mit Servicedienstleistungen je nach Bedarf, für den gibt es zu wenig Auswahl“, stellt der Projektentwickler fest. Bis zu seinem 65. Geburtstag sind es nur noch vier Monate hin. „Ich frage mich schon eine Weile, wie ich selbst im Alter wohnen will.“ Nicht zuletzt dadurch sei er auf die Idee gekommen, die Lücke mit einem „Senioren-Wohnpark“ zu füllen.

          Der Alltag ist für Alte oft zu hektisch

          Wulf konnte sein Vorhaben auch deshalb umsetzen, weil Meppen im beschaulichen Emsland und nicht in einem pulsierenden Ballungsgebiet liegt, wo Baugrundstücke knapp und teuer sind. So fand sich ein geeignetes Grundstück, das ausreichend Raum für die neue Siedlung bietet. Denn Wulf braucht Platz, will er die Anlage doch ausschließlich mit freistehenden Einfamilienhäusern bebauen, die allesamt über nur eine Etage verfügen. „Nur 1600 Schritte vom Zentrum entfernt, alles beschaulich und mit Friseur und Supermärkten in der Nachbarschaft“, beschreibt der Projektentwickler die Lage. Auf den bis zu 380 Quadratmeter großen Parzellen sollen Häuser mit einer Wohnfläche von mindestens 74 Quadratmetern entstehen - die günstigsten für 120 000 Euro.

          Haus von Ehepaar Kapahnke im Senioren-Wohnpark Heidestraße in Meppen
          Haus von Ehepaar Kapahnke im Senioren-Wohnpark Heidestraße in Meppen : Bild: Christa Springfeld

          Verkehrsberuhigt sollen die Straßen sein. „Für alte Menschen ist der Alltag oft zu hektisch, da wird gleich gehupt, wenn das Ein- und Aussteigen aus dem Auto nicht so schnell geht“, sagt der Planer. Auch werden die Bürgersteige keine erhöhten Bordsteine haben, damit keine Stolperfallen entstehen und Rollator-Fahrer ohne Hindernisse durch die Anlage kommen. Viel Grün soll es geben - in der Anlage, aber auch der Umgebung.

          Erbsensuppe, Braten, Streuselkuchen

          Außerdem hat Wulf für das Zentrum des Viertels ein Gemeinschaftshaus geplant, wo die Bewohner in einem Lädchen das Nötigste einkaufen können. Auch ein kleines Restaurant schwebt ihm vor, das zwei, drei Tagesgerichte anbietet. Keine große Küche, sondern Erbsensuppe mit Wurst, Braten und Klöße, Streuselkuchen und Kaffee.

          Dort, in der Mitte des Parks, wohnt auch die „Kümmerin“, wie die Emsländer eine gute Seele nennen. „Die Kümmerli“, sagt Renate Kapahnke, wenn sie von ihrer neuen Nachbarin Christa Springfeld spricht. Diese hat vor wenigen Wochen gemeinsam mit ihrem Mann, der im Rollstuhl sitzt, ihr früheres Zuhause im Betreuten Wohnen gegen eine Mietwohnung im Wohnpark eingetauscht. Von hier aus schaltet und waltet sie, übernimmt bei Bedarf Einkäufe und Fahrdienste für die Bewohner, organisiert ihnen die Pflegedienste, aber auch die Handwerker. Kurz, sie soll ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

          „Noch habe ich ja nicht so viel zu tun“, sagt Christa Springfeld. Sie ist gelernte Altenpflegerin, hat einst auch eine Ausbildung zur Sekretärin absolviert. „Und gärtnern kann ich auch“, zählt sie auf. Wulf hat sie mit einem Piepser ausgestattet, für den Notfall, wenn einer der Bewohner stürzt. „Dann bin ich in wenigen Minuten zur Stelle“, verspricht die 56-Jährige.

          Sun City an der Ems?

          Manche erinnert Wulfs Vorhaben an die Rentnerstädte in den Vereinigten Staaten, wo in Arizona, Florida und Texas eigene Kommunen entstanden, die ganz auf die Bedürfnisse von Senioren abgestimmt sind. Sun City an der Ems? Wulf weiß nicht so recht, was er von dem Vergleich halten soll. Mag auch das Klima in Meppen durchaus angenehm sein, mit den Sonnenstaaten in den Vereinigten Staaten kann sich das Emsland nun doch nicht messen. Außerdem haben die Seniorengemeinden dort eine ganz andere Größenordnung. Eher habe er sich von den Ferienparks in den nahen Niederlanden inspirieren lassen. „Die Ruhe, die Natur - das ist doch ein bisschen wie Urlaub“, sagt er.

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