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DDR-Immobilien : Ein Plattenbau unter Denkmalschutz

  • Aktualisiert am

Heute ein Denkmal: Plattenbau in Bernau Bild: ZB

Quadratisch, praktisch, gut? An der „Platte“ scheiden sich die Geister. Die einen würden niemals einziehen, für andere gibt es nichts Besseres. Ein Gebäude in Brandenburg erfährt nun ganz besondere Beachtung.

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          Eine „DDR-Platte“ unter Denkmalschutz? In Bernau nordöstlich von Berlin ist das geschehen. Seit einem Jahr ist ein Eckgebäude mit drei Eingängen ein schützenswertes Einzeldenkmal. Der DDR-Plattenbau kann nun in einem Atemzug mit der mittelalterlichen Stadtmauer mit historischem Pulverturm genannt werden. Von Zeit zu Zeit kommen bereits Fachleute, um sich den besonderen Bau anzusehen.

          „Unsere Begeisterung hielt sich in Grenzen, als es darum ging, das Gebäude auf die Denkmalliste zu setzen“, sagt Jens Häßler, Geschäftsführer der Wohnungs- und Baugesellschaft (Wobau) Bernau, als Eigentümer. Eigentlich sollte nur noch die Fassade gedämmt werden. Von 2003 bis 2011 war der Block mit seinen drei Etagen bereits komplett von innen saniert worden. Von den Versorgungssträngen über Fenster und Türen und den Anstrich im Treppenhaus bis zu den Briefkästen: Alles ist mittlerweile neu. Die Fassadendämmung sollte als I-Tüpfelchen zum Abschluss kommen.

          „Besonderes Beispiel für DDR-Architektur“

          Doch mit dem Antrag auf die Genehmigung wurden Denkmalschützer auf das Haus aufmerksam. Die Eckbebauung wird heute als besonderes Beispiel für DDR-Architektur gesehen. Interessant ist unter anderem die Fassadengestaltung mit grauen Waschbetonplatten, aber auch mit rötlichem Spaltklinker.

          Mit diesen Häusern, Erstbezug 1985, könne das Beispiel einer speziell für Bernau, Greifswald und Gotha entwickelten DDR-Plattenbauweise bewahrt werden, so das Urteil. Das Bernauer Modellprojekt habe einen herausgehobenen Stellenwert, denn es habe eine neue Etappe des Wohnungsbaus in der DDR von den siebziger Jahren bis zum Mauerfall eingeleitet, begründeten Denkmalschützer ihre Entscheidung.

          Mehr als ein bauphysikalisches Problem

          „Das Landesdenkmalamt hat eine sehr mutige Entscheidung getroffen“, sagt Harald Engler von der Historischen Forschungsstelle zur Bau- und Planungsgeschichte der DDR im Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner bei Berlin. Der Umbau Bernaus zu DDR-Zeiten mit einem großflächigen Abriss der alten Bausubstanz und der Errichtung von Plattenbauten sei bis heute städtebaulich umstritten.

          „Doch trotzdem ist es ein bau- und kulturhistorisch so wichtiges Ereignis, dass die Unterschutzstellung schon aus diesem Grund gerechtfertigt ist“, meint er. Aus Sicht von Engler sollten ostdeutsche Städte generell konstruktiv mit ihrem DDR-Bauerbe als Teil der Kunstgeschichte umgehen. Es habe interessante Ansätze gerade beim industriellen Bauen gegeben, erklärt der Wissenschaftler.

          Und wie zeigt sich das Denkmal nun in der Stadt? Der Anblick könnte nicht gegensätzlicher sein. Auf einer Straßenseite ein schick sanierter Plattenbau. Gegenüber nun der Block, der aus der Zeit gefallen scheint. Außen einfach typisch DDR. Und nach wie vor ist der Eckbau ein Sorgenkind von Wobau-Chef Häßler. Er legt spezielle Aufnahmen vor, die Wärmeverluste in kräftigem Rot an dem Gebäude zeigen. „Wir haben hier mehr als ein bauphysikalisches Problem“, sagt er. Problematisch seien Fugen, die die Platten verbinden sollten, aber nun Wärme entweichen ließen. Eine Dämmung hätte das verhindert.

          „Frieden mit unserem Denkmal gemacht“

          Ein Forschungsprojekt untersucht nun, wie saniert werden könnte, um den aus DDR-Zeiten gewohnten Anblick zu erhalten. „Wann es dafür die Lösung gibt und welche Kosten auf uns zukommen, ist unklar“, sagt der Geschäftsführer.

          In dem Denkmal sind alle Wohnungen vermietet. Der Leerstand in den etwa 4500 Wobau-Wohnungen – viele in Plattenbauten – liegt bei weniger als 1 Prozent. „Es gibt lange Wartelisten“, sagt Häßler. Für eine Wohnung mitten in der Innenstadt in einem Haus aus DDR-Zeiten müsse etwa 400 bis 634 Euro Warmmiete im Monat gezahlt werden. Pro Jahr investiert das Unternehmen 20 Millionen Euro in den Bestand.

          In Bernau leben derzeit fast 40.000 Menschen, damit mehr als doppelt so viele wie zur Wendezeit. Mittelfristig rechnet die Stadt, dass sich die Zahl der Einwohner auf 50.000 einpendelt. Zunehmend werfen auch Berliner einen Blick nach Bernau und interessieren sich für das Wohnen dort.

          Und wie bekannt ist der Denkmal-Plattenbau mittlerweile? In der Touristeninformation kann die Adresse – Brüderstraße/Ecke Parkstraße – noch nicht auf Anhieb genannt werden. Bald soll das blaue Emailleschild als Hinweis an der Fassade befestigt werden: der offizielle Ausweis als Denkmal. Die Wobau will auch eine Informationstafel aufstellen. Dann ist der Weg für Interessierte leicht zu finden. Häßler: „Das zeigt: Wir haben Frieden mit unserem Denkmal gemacht.“

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