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Edelwohnungen : Keine Angst vor hohen Preisen

Vorstellungen des Bauherrn Patrizia Immobilien: das Vero-Projekt im Frankfurter Westend Bild: Patrizia Immobilien

Neue Luxuswohnungen rangieren in der Gunst betuchter Käufer noch vor der Nobelvilla am Stadtrand. Die Furcht vor Inflation treibt die Nachfrage. 20.000 Euro je Quadratmeter sind in etwa in München kein Preis.

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          Über Geld sprechen? Aber gern. Bei Alpha Invest muss man sich nicht lange winden. Im Gegenteil: Schließlich hat der Bauträger aus München einen Rekord zu vermelden. 14 Millionen Euro soll ein Unternehmer für ein 700 Quadratmeter großes Penthouse nahe dem Gärtnerplatz bezahlt haben. Es gehört zu etwa 25 Wohnungen, die in einem früheren Maschinenturm entstehen. Mit seinen 56 Metern wird er das höchste Wohnhaus der Stadt werden – und einigen seiner künftigen Bewohner einen Rundblick bieten, der an schönen Tagen bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln der Alpen reicht.

          Birgit Ochs
          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bis Ende 2012 soll das Gelände eines ehemaligen Heizkraftwerks in einen Wohn- und Geschäftsstandort verwandeln. Die Vermarktung läuft unter dem Namen „The Seven“ – in Anspielung auf die Adresse Müllerstraße 7. Die aber würde viel zu gewöhnlich für ein Vorhaben klingen, das Außergewöhnliches verspricht. Zwischen 8000 und 20.000 Euro je Quadratmeter verlangen die Bauherren für den Wohnraum im Turm. Für die Wohnungen im benachbarten Neubau veranschlagen sie zwischen 7000 und 15.000 Euro. Die Käufer bekommen dafür unter anderem Wellness und Spa im Haus, einen Concierge-Service am Eingang und Architektur von Léon Wohlhage Wernik aus Berlin.

          München toppt sich selbst

          20.000 Euro je Quadratmeter sind auch in der als teures Pflaster bekannten bayerischen Landeshauptstadt kein Preis, den Käufer für Wohnungen im Spitzensegment üblicherweise hinblättern. „München toppt sich selbst ... und in Deutschland nahezu alles“, melden die Alpha Invest und ihr Joint-Venture-Partner, die Immobiliengesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), daher nicht ohne Stolz.

          L10: Das neue Edelwohnkonzept von Bauwerk Capital
          L10: Das neue Edelwohnkonzept von Bauwerk Capital : Bild: Bauwerk Capital

          Björn Dahler bleibt jedoch gelassen. Als „klaren Ausreißer“ wertet der Geschäftsführer des auf die Vermittlung von Luxusimmobilien spezialisierten Maklerhauses Dahler & Company den Rekordpreis im Süden des Landes. Solche Einzelfälle kämen immer wieder vor. Manchmal, weil ein Käufer mit seinen Extrawünschen den Preis nach oben treibe; manchmal, weil die Immobilien etwas wirklich Einzigartiges biete wie im konkreten Fall die Sicht auf den Alpenrand. In Hamburg ist ähnliches zu erwarten, wenn die geplanten Wohnungen in der Elbphilharmonie auf den Markt kommen. Dann könnten die Quadratmeterpreise ebenfalls in die Region von 20.000 Euro klettern, vermutet Dahler. „Doch eine Benchmark für das Segment ist das nicht“, tritt er möglichen übersteigerten Erwartungen anderer Bauherren entgegen.

          Besonders gefragt sind Neubauten in den Innenstädten

          Auch wenn die Spitzenpreise à la „The Seven“ Einzelfälle sind – in den deutschen Großstädten haben die Käufer für neue Wohnungen, die das gewisse Extra verheißen und eine begehrte Adresse bieten, im vergangenen Jahr jedenfalls oft mehr bezahlt als in der Vergangenheit. Der Markt für Luxusimmobilien sei im ersten Halbjahr 2010 deutlich in Fahrt gekommen, resümieren die beiden in ganz Deutschland tätigen Maklerhäuser Engel & Völkers und Dahler übereinstimmend. Getrieben von der Furcht vor einer möglichen Inflation, setzen betuchte Käufer verstärkt auf Wohnimmobilien als Kapitalanlage. Besonders gefragt sind Neubauten in den Innenstädten, die edlen Holz -und Natursteinboden ebenso vorweisen können wie raumhohe Fenster und flexible Grundrisse. Sie haben in der Gunst der Käufer den Villen den Rang abgelaufen.

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