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Trend zur Designer-Toilette : Das stille Örtchen als Visitenkarte

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Aussagekräftig: In britischen Landhäusern verraten Bad und Toilette mehr über die Familie und Persönlichkeit der Bewohner als der Rest des Hauses. Bild: Henriette von Stockhausen

Die Toilette kann der spektakulärste Raum des Hauses sein, denn der Trend geht zum Event auf dem stillen Örtchen – mal eckig, mal metallic oder gar verspiegelt. Ein Ausflug hinter verschlossene Türen.

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          Powder Room. WC. Klo. Toilette. Wie man den Raum nennt, in dem Menschen die Reste ihres Essens wieder loswerden, ein geheimes Schläfchen machen, am Handy daddeln oder fleckige Taschenbücher mit beknackten Witzen lesen – dazu hat jeder fabulierfreudige Geschmacksrichter eine bombenfeste Meinung: Das etwas staksig daherkommende Wort Toilette ist spießig? Klo etwa unfein oder entspannt?

          Wie er aber idealerweise aussehen soll, dieser Raum, darüber machen sich selbst Menschen wenig Gedanken, die wochenlang über Katalogen mit japanischen Messern brüten. Dabei ist die Toilette in diesen Tagen die neue Drama Queen des Hauses, ein Themenpark in Miniaturformat: die Wände gerne teerschwarz, das nach Amber duftende Klopapier ebenso dunkel, dazu ideales Licht für einen nächtlichen Film-Meuchelmord.

          In eleganten Privathäusern findet man dazu oft eine Batterie schwarzweißer Chanel-Parfumflakons, gebürstete kupferfarbene Wasserhähne und flüssige Seifen aus Australien, die so viel kosten wie die Karte für ein Sinfoniekonzert. Neben teerschwarzen Tempeln sind bei Trendsettern in diesen Tagen verspielt bemalte Chinoiseriekabinette, rote Lackkavernen und pinkfarbene Klosalons mit Jagdtrophäen und Scarlett-O’Hara-Draperien zu sehen.

          Liselottes galanter Kackstuhl

          Der Lokus als Statussymbol: Seitdem antik-römische Prachtlatrinen mit Marmorsitzen und Fußbodenheizung die Primatenerdlöcher und rauhen Donnerbalken aus den Untiefen der Hygienegeschichte in den Olymp des Interior Designs katapultiert haben, beschäftigen sich Menschen immer wieder damit, wie man mit Stil zur Toilette geht oder daraus gar ein Event machen kann.

          Liselotte von der Pfalz, die legendäre deutsche Schwägerin des Sonnenkönigs, die für die lebhaften Beschreibungen am Versailler Hof berühmt wurde, schrieb im Juli 1678 in einem Brief: „Ich weiß ein Galand, welche ich aber nicht nennen will noch darf, welcher als mit seiner Maitresse auf’n Kackstuhl geht, und wann eins von ihnen seine Sachen verrichtet hat, dann setzt sich das andere drauf und entretenieren einander auf diese Weise.“

          Große Bühne: Die Toilette ist neuerdings die Drama Queen des Hauses.
          Große Bühne: Die Toilette ist neuerdings die Drama Queen des Hauses. : Bild: Knallgrau

          Leider schreibt die tapfere Liselotte nicht, wie der galante Kackstuhl aussah und ob er wie das tragbare Privatklo des englischen Königs William III. in Hampton Court mit rosa Samt gepolstert war. Brettsitz und Loch im Hauserker oder die Hütte im Hof waren zu ihrer Zeit eher die Norm, in Städten die Scheißrinne auf der Straße.

          Der verspiegelte Luxuslokus

          „Bei der schönen Gestaltung eigener Klo-Räume dürften tatsächlich die Engländer die Nase vorn gehabt haben, die auch das Wasserklosett erfunden haben“, vermutet Christian Lechelt, Leiter des Fürstenberger Porzellanmuseums, das neben der gleichnamigen Traditionsmanufaktur liegt, die vom 18. bis ins 20. Jahrhundert Nachttöpfe, Bidets, Klosetts, Bettpfannen und Urinale herstellte. Denn wie Tafelgeschirr gehörte Toilettengeschirr über viele Generationen in Europa zum guten Ton.

          „Es sind aus viktorianischer Zeit viele Kloschüsseln bekannt, die mit Blumenmustern dekoriert sind, aber zuvor gab es natürlich aufwendige Porzellannachttöpfe.“ So stellte die Meissener Manufaktur bereits in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts Nachtgeschirre und Bourdalous – geschwungene Damenurinale – her. „Die erhaltenen Exemplare sind außerordentlich: Mit Höroldt-Chinoiserien und Goldspitzen überreich bemalt, waren es absolute Luxusartikel, bei denen sich die Frage nach tatsächlicher Benutzung stellt“, sagt Lechelt.

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