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Alberto Meda : Der Ingenieur unter den Designern

Alberto Meda auf seinem Meda Chair Bild: Vitra

Alberto Meda ist vor allem mit seinen Leuchten und Möbeln bekannt geworden. Nun hat er auch zwei Heizkörper entworfen.

          Am Nachmittag wird es endlich so weit sein: Alberto Meda kann erstmals einen Blick auf das Produkt werfen, das er selbst entworfen hat. Ob er nervös ist? Nein, sagt Meda und lacht. „Aufgeregt bin ich auch nicht. Neugierig aber schon, auch wenn es nur um einen Heizkörper geht.“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wenn man es genau nimmt, geht es an diesem Nachmittag nicht nur um einen, sondern um Medas zweiten Heizkörper mit dem Namen Step-by-Step. Für seinen ersten wurde der Designer schon mit höchsten Ehren ausgezeichnet: Der Heizkörper Origami bekam unter anderem im Juni den Compasso d’Oro, den ältesten und namhaftesten Industriedesignpreis der Welt. Origami ist nicht nur ein Wärmespender, er ist auch ein Paravent, der an der Wand und mitten im Zimmer stehen kann. Wer den ausziehbaren und faltbaren Raumteiler das erste Mal sieht, wird gewiss nicht an einen Heizkörper denken. Kein Wunder also, dass Meda dafür den renommierten Designpreis bekommen hat, zum sechsten Mal schon für einen seiner Entwürfe.

          Für den italienischen Heizkörper-Hersteller Tubes war es hingegen eine neue Erfahrung, obwohl das Unternehmen aus dem kleinen Ort Resana in der Provinz Trevisio in Venetien schon seit 15 Jahren auf das Thema Design setzt. Doch erst Alberto Meda verschaffte Cristiano Crosetta, dem Geschäftsführer von Tubes, die Genugtuung, auf die er, wie Crosetta sagt, so lange warten musste.

          Filigrane Heizkörper

          Nun also gibt es einen zweiten Heizkörper aus der Feder Alberto Medas. Wie er aussieht? Meda greift zu Stift und Papier und zeichnet einige kleine geschwungene Bögen. Dann fällt ihm ein, dass er irgendwo in seinem Mailänder Studio auch noch ein Modell des Step-by-Step hat. Das vereinfachte Abbild besteht aus Styropor und hat sechs Lamellen, die sich eng aneinanderschmiegen. Die schmalen Module sind aus elliptischen, plissierten Elementen geformt, die an einer Wand befestigt werden und nach links oder rechts gerichtet sein können. Von der Wand ausgehend hat der Heizkörper aus Metall so nur eine Tiefe von knapp acht Zentimetern. „Die schlanken Rippen ermöglichen eine hohe Energieeffizienz bei minimalem Platzbedarf“, sagt Alberto Meda.

          Gerade die dicken Rippen herkömmlicher Heizkörper hätten ihm missfallen. „Sie wirken viel zu aggressiv.“ Er entwickelte darum Module, die wie Flugzeug-Propeller aussehen: In ihrer Mitte, dort, wo die im Inneren zirkulierende Luft erwärmt wird, sind sie bauchig, an den Rändern abgeflacht. Auf der Zeichnung, die er für den Hersteller Tubes angefertigt hat, steht „moduli elettrici di riscaldamento“, darunter „Am“ für Alberto Meda. Nur nach solchen Zeichnungen wurde der Heizkörper produziert, selbst einen Prototyp hat der Gestalter bisher nicht gesehen. Er vertraute ganz auf das Können des Herstellers, der seit einigen Jahren eigens zwei Kreativdirektoren von Rang und Namen hat: das Mailänder Designer-Ehepaar Ludovica und Roberto Palomba.

          Flach und energieeffizient: Der Heizkörper Step-by-Step von Alberto Meda

          Alberto Meda selbst zählt zu den bekanntesten Designern Italiens. Dabei hat er einen ganz ungewöhnlichen Werdegang hinter sich. Anders als viele Kollegen seiner Generation, Meda wurde 1945 in Tremezzina in der Provinz Como in der Lombardei geboren, hat er nicht Architektur, sondern Maschinenbau am Polytechnikum in Mailand studiert. Er begann seine Karriere 1973 als Ingenieur beim auf Kunststoff spezialisierten Hersteller Kartell, der von Giulio Castelli 1949 gegründet wurde. Sechs Jahre blieb Meda bei dem Produzenten. „Zuletzt hatte ich als technischer Direktor 100 Mitarbeiter. Und genau das wollte ich nicht“, erzählt Meda. So kündigte er und machte sich vor 40 Jahren selbständig.

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