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Alberto Meda : Der Ingenieur unter den Designern

Zunächst arbeitete er in einer Studiogemeinschaft mit Freunden zusammen, unter anderen mit Franco Raggi und Denis Santachiara, doch selbst die wurden ihm zu viel. So eröffnete er zu Hause sein eigenes Büro. „Ich blieb einfach in meiner Wohnung und arbeitete dort, nur um meine Ruhe zu haben.“ Meda findet es schwierig, mit anderen zusammenzuarbeiten. „Ich bleibe lieber ganz für mich.“ Nicht einmal eine Sekretärin habe er. „Wozu auch, ich habe doch einen Computer.“

Neuorientierung statt Ruhestand

Medas Studio befindet sich seit einigen Jahren schon an der Via Savona im Südwesten Mailands in einem ehemaligen Industriegebiet. Die sogenannte Zona Tortona zählt seit den achtziger Jahren zu einem der kreativen Zentren der Stadt: Hier finden sich viele kleine und große Mode-Ateliers, etwa von Armani und Diesel, aber auch viele Produktdesigner haben dort ihre Studios. Auch Meda hat sich in einer ehemaligen Werkhalle eingerichtet. Hier kann er sich ganz auf seine Auftraggeber konzentrieren. Dabei stellt er sich zwar auch immer mal wieder neuen Herausforderungen, doch eigentlich schätzt er die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einigen wenigen Herstellern, mit Vitra zum Beispiel, oder – schon seit mehr als dreißig Jahren – mit Luceplan. Gleich drei seiner Leuchten für Luceplan, Lola, Metropoli und Mix, wurden 1989, 1994 und 2008 mit einem Compasso d’Oro ausgezeichnet. Für das Schweizer Unternehmen Vitra wiederum hat er vor allem Bürostühle entwickelt – besonders bekannt ist sein Meda Chair.

Dass der Designer von Hause aus Ingenieur ist, merkt man vielen seiner Arbeiten an. Konsequent geht Meda neue Wege, sein Interesse an innovativen Technologien und Produktionsverfahren ist ungebrochen. Vor allem von Kunststoffen ist der Designer, der in den achtziger Jahren auf diesem Gebiet den italienischen Automobilhersteller Alfa Romeo beriet, bis heute fasziniert. Wie er an einen Entwurf herangeht? „Zuerst muss ich ein Thema haben, dann eine Idee.“ Mit seinen Arbeiten wolle er konkrete Probleme lösen. Manchmal sind es kleine Details, die das Alltagsleben erleichtern: ein Haltegriff an einer Tischleuchte, eine netzartige Kunststoffbespannung an einem Schreibtischstuhl oder auch eine dünnwandige Flasche für Länder der Dritten Welt, in der das Trinkwasser nur durch die Kraft der Sonne desinfiziert werden kann. „Für mich ist wichtig herauszufinden, was der Mensch wirklich braucht, um dann das richtige Material und die richtige Technologie für meinen Entwurf zu finden.“ Was am Ende herauskommt, weiß er anfangs nie. Und natürlich sind auch Dutzende Skizzen und Ideen von ihm wieder ungenutzt in Schubladen und Papierkörben gelandet.

Meda, inzwischen 73 Jahre alt, könnte längst im Ruhestand sein. Er aber hat sich entgegen alten Gewohnheiten neu orientiert und einen Partner gesucht, mit dem er es in seinem Studio aushält: seinen Sohn Francesco. Der Vierunddreißigjährige hat Design studiert und danach in London für Sebastian Bergne und Ross Lovegrove gearbeitet. Auch im Studio des Vaters gehen die beiden bei der Arbeit meist getrennte Wege, gemeinsame Entwürfe sind die Ausnahme. Beide profitieren aber voneinander: Francesco vom Namen und den Kontakten des Vaters, Alberto von neuen Ideen und Anregungen seines Sohns. „Francesco hat zum Beispiel einen 3D-Drucker für uns angeschafft“, erzählt Alberto Meda. Für ihn, den „2D-Mann“, wie er schmunzelnd sagt, sei das eine ganz neue Erfahrung gewesen, die er allerdings weiterhin sparsam nutzt. Er sei halt ein wenig altmodisch, sagt Meda. Dann verabschiedet er sich, zieht einen Motorradhelm auf und fährt auf seiner Honda davon, um endlich seinen Heizkörper Step-by-Step in Augenschein zu nehmen.

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