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Überflüssige Geschenke : Das war aber nun wirklich nicht nötig!

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Bild: F1online

Schenken ist riskant. Zumal, wenn die Wahl auf Accessoires für Haus und Haushalt fällt. Im Ernst, wer braucht schon Sandwich-Ausstecher oder eine Obstschale mit Geweih? Selbst besonders gut gemeinte Geschenke zur Zierde des Heims können floppen. Über Gaben, auf die wir gern verzichtet hätten.

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          Stählerne Halm-Löffel-Union

          Manchmal fragt man sich schon, was Produktdesigner so reitet? Wer denkt sich zum Beispiel einen Teigportionierer aus? Oder eine Zwiebelfrischhaltedose? Oder jene vier Teile aus Edelstahl, die ich vor einigen Jahren geschenkt bekam und ratlos in der Hand hielt. Auf den ersten Blick dachte ich, es handele sich um Zahnarztbesteck, aber der Schenker klärte mich auf: "Das sind Trinklöffel!" Bei genauer Begutachtung erkannte ich es: lange Löffel, deren Griffe gleichzeitig Strohhalme sind. Ich blieb dennoch skeptisch: Wann braucht man Löffel und Halm in Personalunion? "Na, zum Eiskaffee", wurde ich aufgeklärt. Also: erst saugen, dann das Eis und die Sahne am Boden des Glases auslöffeln. Ja, stimmt, wahnsinnig praktisch! Das Problem ist nur: Ich trinke einmal im Jahr einen Eiskaffee - in der Eisdiele. Und ich habe eine Allergie gegen praktische Küchenhelfer, die mir suggerieren, mit ihnen würde das Leben leichter. In Wahrheit verstopfen sie meine Schränke und Schubladen. So war es auch mit den Trinklöffeln: Ein ganzes Jahr lang haben sie direkt neben den Eierlöffeln ein Dasein unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Danach kamen sie in den Keller.

          ipp.

          Falscher Vierbeiner

          Wir sind selbst schuld. Wir hätten einfach den Mund halten und verschweigen sollen, dass wir uns einen Hund anschaffen wollten. Wir dürften uns also eigentlich gar nicht darüber beschweren, dass die liebe Verwandtschaft uns ein absonderliches Haustier geschenkt hat, das dekorativ in der Wohnung herumliegen soll. Der "Hund" ist etwa vierzig Zentimeter groß, hat weiß-braunes Kunstfell, liegt zusammengerollt in einem mitgelieferten Körbchen und hat die Augen geschlossen. Sein Leib hebt und senkt sich, als würde er gleichmäßig atmen, jedenfalls dann, wenn man zuvor eine passende Batterie in den Hundekorpus eingeführt und den Knopf am Plastikbauch auf "On" gestellt hat. Wir ignorieren dieses Hundeimitat inbrünstig, erst recht, seitdem wir einen Mischling aus Fleisch und Blut haben. Dieser Hund liegt zwar auch ständig im Korb, kann aber auch schmatzen und schlecken, schnuppern und schmusen. Als wir unseren Hund neulich mit dem Plastikexemplar made in China bekannt machten, zeigte er sich ebenso irritiert wie wir. Nach einem zaghaften Schnuppern war auch für unsere Kelly klar, dass der vermeintliche Artgenosse ein echtes Unding ist. Unsere Verwandtschaft möge uns verzeihen, dass wir ihr Geschenk derart verschmähen. Wir haben eben gern Leben in der Bude.

          kle.

          Vertrackter Eierschneider

          Der Eierschneider hatte unverhofft unter dem Weihnachtsbaum gelegen. Noch so ein Gerät Marke "Ich-wusste-nicht-was-ich-sonst-schenken-sollte". Als ob man hartgekochte Eier nicht mühelos mit einem einfachen Tischmesser zu Scheiben verarbeiten könnte! Die Herzen der Kinder aber eroberte der Eierschneider im Sturm. "Wie funktioniert das?" - "Ui, damit kann man auch Ecken schneiden!" Dabei war in diesem Moment noch nicht mal ein Ei zum Ausprobieren verfügbar. Umso mehr am nächsten Morgen, Weihnachtsfrühstück. Der Große (5 Jahre) plazierte sein Frühstücksei prompt falsch herum in dem neuen Gerät, woraufhin es wenige akzeptable Längsscheiben erzeugte - und viel Matsche. So lernten wir schnell, wie unpraktisch der Eierschneider zu reinigen war: Das klebrige Eigelb verkeilt sich in jedem einzelnen Drähtchen. Als die Kleine (2 Jahre) an der Reihe war, probierte sie sofort, ob sich der Aufsatz für die Scheiben und der für die Ecken gleichzeitig herunterdrücken lassen. Antwort: ja. Es ergibt gefühlte 100 Eikleinteile und: Matsche. Matsche ist mittlerweile das Stichwort für fast jedes Sonntagsfrühstück. Den Eierschneider wollen wir gar nicht mehr herausholen. Doch die Kinder wissen zuverlässig, in welcher Schublade er liegt. Danke, Christkind: Immerhin beim Tischdecken helfen sie nun.

          nab.

          Keramik mit Horn

          Bisher dachte ich, über Kunst und Kultur kann man streiten, über Natur dagegen nicht. Natur ist eigentlich immer schön. Dann schenkte mir eine Freundin dieses Ding: eine Obstschale, die aussah, als habe man sie aus ineinandergeschobenen Hirschgeweihen geklöppelt. Wobei man die Hirschbestandteile allenfalls ahnte, weil sie nämlich unter einer silbernen Metallauflage verborgen waren. "Du stehst doch so auf Natur", sagte meine Freundin stolz. In meiner Wohnung gibt es viel Holz, so weit stimmt das. Außerdem bewege ich mich sehr gern draußen, bringe gelegentlich ein paar Äste und bunte Blätter mit und war sogar mal mit dem Sohn eines Försters zusammen. Beim Anblick des Geweihkorbes verflüchtigte sich mein Lächeln dann aber doch wie ein scheues Reh. Was leider nicht verborgen bleib. So diskutierten wir einen Abend lang, wo Natur anfängt und wo das Natürlichsein aufhört und ob ein silbernes Hirschgeweih in der Stadtwohnung nun ein Zeichen von Landlust ist und Waldesruh symbolisiert - oder doch eher eine natürliche Geschmacksverirrung beweist. Der Hirschkorb jedenfalls ging danach in die ewigen Jagdgründe ein.

          nadu.

          Untaugliches Fondue-Set

          Das Ding war plötzlich da, und keiner wusste, warum, geschweige denn, woher es kam. So ist das meistens mit dem Unheil. Seither steht das Miniatur-Schokoladen-Fondue nutzlos in unserer Küche herum, nimmt wertvollen Platz weg und grinst mich jeden Tag höhnisch an, weil ich trotz aller guten Vorsätze das Wegschmeißen immer wieder verschiebe, man weiß ja nie. Ein einziges Mal haben wir es benutzt, daran erinnere ich mich noch, bei einem Kindergeburtstag. Das Teelicht, die einzige Energiequelle, brachte nichts anderes zustande, als die Schokolade zu einer zähen, teerartigen Masse zu schmelzen. Die Kinder steckten ihre Spießchen mit dem Obst hinein und zogen dann einen unappetitlichen, schwarzbraunen Klumpen heraus, wenn sie das Obst nicht gleich im Morast des Fondue-Topfes verloren. Auch das Saubermachen war fürchterlich, weil die Schokolade wie Bitumen an der Keramik klebte. Irgendwann gelang es mir doch, diesen schrecklichen Apparat einigermaßen zu reinigen. Seither stand er in unserer Küche herum. Denn gestern habe ich ihn weggeworfen. So einfach wird man das Unheil los.

          str.

          Rollender Katzentisch

          Großes Herz, kleiner Geldbeutel, feierlich stand die alte Nachbarin vor der Tür, um für ein Jahr Tütenschleppen zu danken. Sie überreichte einen kleinen Tisch, eine Art zierlicher Servierwagen, bestehend aus zwei Holzscheiben unten und oben, gehalten von drei überaus üppig gedrechselten Tischbeinen, die mit Rollen versehen sind. Eine solide Holzarbeit in Eiche brutal. Wir zuckten zusammen. Tischlein versteck dich! Die Katze, die ihren ebenso unfassbar scheußlichen Höhlenkratzbaum verschmäht, zögerte indes nicht, sondern bezog den rollenden Tisch, seltsamerweise bevorzugt sie die untere Etage und lässt sich in diesen Tagen gern Richtung Heizung chauffieren. Wie retten wir das Ensemble? Abschleifen, weiß streichen. Das Kind drängt auf ein Polster für Sissy und erwärmt sich für ein Rundkissen mit Billig-Baumstamm-Motiv. Die Sommer-Edition stellt einen Melonen-Aufdruck dar. Die Katze schnurrt. Design ist ihr piepegal. Unsere betagte Besucherin strahlt.

          uka.

          Hygiene mit Stil

          Gut zu wissen, dass Weihnachten kommen kann und ein Geschenkfiasko so gut wie ausgeschlossen ist. Wenn nämlich der Super-GAU schon hinter uns liegt (und er sich nicht gerade wiederholt, wovon auszugehen ist), dann kann kommen, was will. Es wäre allenfalls ein Schulterzucken wert. Ein Nudelportionierer in Pink? Egal, gern genommen. Ein praktischer Eierköpfer, so als gäbe es keine Messer mehr auf der Welt, die den Job erledigen können? Her damit! Ist schon klar, dass da draußen ein Heer von Produktdesignern und Verkaufsprofis allerlei Nippes auf den Markt wirft - aber was soll's, wenn er bei uns landet? Jede, wirklich jede Geschmacksverirrung wäre kein Problem mehr, wenn es nur bei einem Geschenk nie mehr zu einer Wiederholung käme. Bis heute unfassbar, dass es damals so weit kommen konnte, aber tatsächlich wurde irgendwann mal eine Klobürste überreicht. Hübsch eingepackt, schönes Design, da konnte man nichts sagen. Außerdem kann ein Austausch ja nie schaden. Aber die Vorstellung, dass sich ein familienfremder Mensch, und sei er noch so vertraut und wohlmeinend, mit diesem Detail der häuslichen Hygiene beschäftigt hat, war erschütternd. Insofern: Keine Bürste mehr, alles andere ist dagegen Kinderkram.

          umx.

          Mutterglück zum Ausstechen

          Bekommen Männer eigentlich auch andauernd Sachen geschenkt, damit sie anderen eine Freude damit machen? Bei Frauen ist das, Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer zum Trotz, immer noch so: den Mixer, um allen Familienmitgliedern sonntags einen gesunden Smoothie zuzubereiten. Die gusseiserne Pfanne, weil der Gatte doch sein Steak so liebt. Ich bekam vor ein paar Jahren ein paar knallblaue Plastikförmchen geschenkt. Damit kann man Motive ausstechen, Flugzeug, Lokomotive und Auto. Dabei bin ich weder Trainspotter noch Vielflieger, und Benzin habe ich auch nicht im Blut. Aber die Geschenkidee war auch nicht, dass ich künftig selbst nur noch Lokführertoast esse, sondern meinem Sohn seine Brote in die richtige Form bringe. Bei den Förmchen handelte es sich um Sandwich-Ausstecher für dieses labberige rindenlose Weißbrot, das in England klassisch zum Fünfuhrtee gereicht wird. Mein erster Gedanke: Isst das in Deutschland überhaupt irgendwer? Und der zweite: Was mache ich mit den zwei Dritteln der Brotscheibe, die nach dem Ausstechen am Rand übrig bleiben? Obwohl, wer so etwas verschenkt, hat da wahrscheinlich auch dafür schon eine Idee: Kann ja Mutti essen.

          jul.

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