https://www.faz.net/-gz7-98szy

Teuer und aufwendig : Das smarte Haus kommt erst Jahre später

Auch Martin Öller hat das bemerkt. Er ist Gründer und Chef von Loxone, einem Unternehmen, das sich auf die Ausrüstung gesamter Häuser zum Smart Home spezialisiert hat. „Damit sich das Smart Home endgültig durchsetzt, benötigt es nicht Innovationen wie die Kamera im Kühlschrank“, sagt Öller. Wichtig sei stattdessen, dass das Haus selbst wisse, was zu tun sei, und das Leben einfach mache. „Und das nicht nur für Kunden und Hersteller. Sondern auch für den Partner, also den Elektriker und Installateur. Das braucht es für einen Durchbruch.“ Bislang sehen viele Verbraucher in der digitalen Vernetzung noch zu wenig Nutzen. Viele Angebote – die Dusche vom Bett aus steuern, den Kühlschrank das Bier bestellen lassen, die Jalousie von unterwegs einstellen – haben eher die Bedeutung von netten Spielereien, ohne die man aber auch gut leben kann. Selbst der Bodenbelag, der den Notruf auslöst, weil eingebaute Drucksensoren registriert haben, dass ein Bewohner gefallen und nicht wieder aufgestanden ist, wurde schon vor Jahren präsentiert und hat sich nicht durchgesetzt. Gerade ältere Leute schrecken vor der Komplexität zurück.

Öller glaubt allerdings, dass sich das ändern könnte, wenn der Mensch nicht mehr mit dem Smartphone das Haus steuert, sondern irgendwann der Nutzen einer wirklich schlauen Steuerung durch das Haus den Bewohnern bewusst wird. „Meine Schwiegereltern haben seit kurzem ein Smart Home. Das sind keine Kunden, die mit dem iPhone das fünfte Gerät bedienen wollen.“ Für die zählten praktische Dinge mehr: „In der Nähe gibt es Einbrüche, alle Kinder sind aus dem Haus und Energie sparen möchten wir auch. Sie wollen Sicherheit und Komfort, das ist eine große Akzeptanzfrage.“

Nutzer fürchten Kontrolle über ihre Hausgeräte zu verlieren

Zur fehlenden Akzeptanz der Technik kommt – wenn man nicht gleich einen Neubau ausrüstet – hinzu, dass der nachträgliche Einbau der Digitaltechnik in ein Haus, sehr zeit- und kostenaufwendig ist, so dass viele Hauseigentümer davor zurückschrecken. Dennoch zeigt sich Krabbe von ABB zuversichtlich, dass sich das intelligente Haus durchsetzt. „Wir sind gerade auf dem Sprung von der digitalen Komponente zur digitalen Lösung“, sagt er in Frankfurt und fügt warnend hinzu, dass diese Lösung aber „einfach zu handhaben sein muss“. ABB arbeite an der Vernetzung der gesamten Haustechnik: von der Solarzelle auf dem Dach über die Stromspeicherung im Keller und die Beladung des Elektroautos bis zur Heizungs- und Lichtsteuerung und der Sicherheitstechnik. Systemintegration war das Stichwort auf der Light & Building; von deren Realisierung die Industrie aber noch weit entfernt ist. Die Zusammenarbeit der einzelnen Branchen wie Heizungsbau, Leuchtenindustrie, Sicherheitstechnik und Haushaltsgerätehersteller funktioniert nicht so gut wie in der Industrie mit der Plattform Industrie 4.0.

Ein weiterer Hemmfaktor ist die Skepsis gegenüber neuer Technik: Noch fürchten viele Nutzer den völligen Verlust der Kontrolle über ihre Hausgeräte, wenn die App nicht funktionieren sollte. Vielleicht sind im Sicherheitsbereich frühere Durchbrüche zu erwarten als in der reinen Komfortverbesserung. „Das smarte Gebäude wird sich dynamisch auf unterschiedliche Sicherheitsanforderungen einstellen, adaptiv handeln, um Bedrohungen zu vermeiden oder zu entschärfen“, ist Ziesemer überzeugt. Dass der Einbau digitaler Geräte zunimmt, zeigen die Umsatzzuwächse im Handwerk. Aber auch die kommen langsamer, als früher gepredigt wurde.

Weitere Themen

Topmeldungen

Corona-Debatte im Bundestag : Merkel und der Preis des Menschenlebens

Von Merkel über Lindner bis zur AfD zog sich eine Frage durch die Debatte im Bundestag: Was gilt ein Menschenleben? Die überzeugendste Antwort gab Ralph Brinkhaus: Wir sind keine Diktatur.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.