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Côte d'Azur : Weniger Marmor, Luxus und Prestige

  • -Aktualisiert am

Villa Léopolda in Zahlen: 19 Zimmer, zwei Swimmingpoole, 7 Hektar Garten, mehr als eine halbe Milliarde Euro Bild: dpa

Die Krise geht auch an der noblen Orten zwischen Marseille und Monte Carlo nicht spurlos vorbei. Seit die russischen Oligarchen auf dem Rückzug sind, hat der Preispoker ein Ende.

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          Ein Privathaus für knapp eine halbe Milliarde Euro? Der Verkauf der Villa Léopolda an der Côte d'Azur Ende vergangenen Jahres galt als Preisrekord, der alles übertraf, was reiche Russen in den vergangenen Jahren an der mondänen Küste für Luxusdomizile hingeblättert hatten.

          Zweistellige Millionenbeträge für eine zwischen Monaco und Cannes gelegene Privatimmobilie waren keine Seltenheit. Die 100-Millionen-Hürde war längst genommen. Je teurer die Anwesen, umso besser verkauften sie sich. Schließlich punkteten die Neureichen damit nicht nur in der Nachbarschaft, sondern auch in der Weltpresse.

          Das ultimative Statussymbol

          Unter den „neuen Zaren“ an der französischen Riviera sind viele Namhafte, etwa Sulejman Kerimow, der rund um den Erdball Anteile an Banken hält, der Investor Andrej Melnichenko mit seiner von Philippe Starck designten 120-Meter-Yacht oder der im Westen wohl bekannteste Russe, Roman Abramowitsch, Besitzer des Fußballclubs FC Chelsea. Sechzig russische Großverdiener sollen am Cap d'Antibes fündig geworden sein, und in zwei Dritteln der pompösen Domizile in Saint-Jean-Cap-Ferrat residierten im vergangenen Jahr die sogenannten Novoritch, die Neureichen, so schätzt man.

          Milliardär und Putin-Günstling: Michail Prochorow kaufte im vergangenen Jahr die Villa Léopolda an der Côte d'Azur

          „Das Haus an der Côte d'Azur ist so etwas wie das ultimative Statussymbol“, vermutet Sema Jonsson, Regionaldirektorin der Groupe Immobilier Mercure. „Wie wenn sich Franzosen ein Weingut kaufen, eine Art Bonus nach einem erfolgreichen Geschäftsleben. Hat man hier ein Haus, hat man es geschafft.“

          Villa für den Putin-Günstling

          Eines der schönsten Anwesen an der französischen Riviera, die prächtige Belle-Epoque-Villa Léopolda, hatte sich der Putin-Günstling Prochorow ausgeguckt. Vom belgischen König Leopold II. vor gut hundert Jahren in Villefranche-sur-Mer errichtet, war sie in den fünfziger Jahren im Besitz des Fiat-Chefs Agnelli, der sie zum Treffpunkt des Jetsets machte und hier so berühmte Gäste wie Ronald Reagan und Frank Sinatra begrüßte.

          Das Anwesen versprach Geschichte und Glamour, einen Traumblick und einen Park, der von fünfzig Angestellten gepflegt werden muss. Noch im August letzten Jahres überredete Michail Prochorow die Bankiers-Witwe Lily Safra, selbst eine der reichsten Frauen der Welt, mit einem dreistelligen Millionenbetrag zum Verkauf und zahlte 39 Millionen Euro an. Doch dann die Finanzkrise: Die Oligarchen verloren an der Börse große Teile ihres Vermögens, die Zahl der russischen Dollar-Milliardäre sank um die Hälfte.

          Fast hatte der mit Nickel reich gewordene Prochorow noch Glück - nach Angaben der russischen Zeitschrift „Finans“ schrumpfte seine Habe zwar von 21 auf 14 Milliarden Dollar, doch da die anderen noch mehr verloren, darf er sich heute „reichster Mann Russlands“ nennen. Trotzdem sitzt der Rubel nicht mehr so locker.

          Traditionelle Klientel

          „Seit Beginn der Krise nimmt das Interesse nicht der Russen überhaupt, aber der russischen Oligarchen ab. Wir haben nun eine traditionellere russische Klientel mit einem Budget zwischen 2 und 15 Millionen“, berichtet Heathcliff Zingraf, Sohn von Michael Zingraf, der seit dreißig Jahren die exklusivsten Objekte der Côte d'Azur vermittelt. „Es stimmt, dass die großen russischen Kunden durch die Krise viel verloren haben und verschwunden sind.“ Manche verkaufen nun ihre Domizile.

          So gehen Gerüchte um, dass Roman Abramowitsch, nachdem er bisher keinen Käufer für seinen Fußballclub gefunden hat, das Château de la Croé in der Baie des Milliardaires am Cap d'Antibes loswerden möchte. Ein lokaler Fischer ertappte ihn vergangenen Sommer noch dabei, wie er einen Steg zu einem 25-Meter-Anleger ausbaute, um mit seiner Luxusyacht zu Hause vorfahren zu können. Damals sah es noch nicht so aus, als wolle er seine Zelte abbrechen. Zur selben Zeit kaufte er seiner Verlobten in Rom ein Café für 3,5 Millionen Euro. Sollen sich die Zeiten in wenigen Monaten so grundlegend geändert haben?

          Im Reich der Spekulation

          Geht es um die reichen Russen an der Côte d'Azur, bewegt man sich meist im Reich der Spekulationen. So hält sich hartnäckig die Vermutung, dass Prochorow den Vertrag gar nicht annullieren, sondern den Preis auf 200 Millionen Euro drücken möchte. Oder war von vornherein alles nur eine PR-Masche, die er sich 39 Millionen Euro kosten ließ?

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