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Möbeldesign : Chrom trifft Ton

  • -Aktualisiert am

Stoff mit unendlichen Möglichkeiten: Die Keramik von „Super Bowl“ ist handgemacht. Bild: Hersteller

Hochglänzend und perfekt das eine, unvollkommen und archaisch das andere. Es ist kein Zufall, dass die beiden gegensätzlichen Materialien im Moment überall auftauchen.

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          So viel geblitzt und geglänzt hat es schon lange nicht mehr bei Thonet. Seinen Stand auf der Kölner Möbelmesse im Januar hatte der deutsche Hersteller beinahe ausschließlich dem verchromten Stahlrohr gewidmet, mit Stühlen, Sesseln und Tischen von Marcel Breuer, Mart Stam und Ludwig Mies van der Rohe. Der Auftritt der Heroen der Moderne war natürlich kein Zufall, im nächsten Jahr feiert das Bauhaus hundertsten Geburtstag. Eine gute Gelegenheit also, daran zu erinnern, wer das Erbe bis heute pflegt – und verkauft. Nicht nur bei Thonet tritt die einflussreiche Hochschule mit dem Jubiläum zurück ins Rampenlicht. Neue Museen werden gebaut, Ausstellungen geplant, Unternehmen bereiten Reeditionen von Bauhaus-Produkten vor. Die Ästhetik der Moderne gilt wieder als interessant – und damit auch das superglatte, perfekte, spiegelnde Chrom. Ein Material aus besseren Zeiten, als die Zukunft noch eine Verheißung war und die industrielle Massenherstellung als Lösung aller Probleme galt.

          Gleich zwei Marken erinnern mit ihren aktuellen Neuheiten daran, dass sich auch nach dem Krieg in der Metalloberfläche noch einmal ein Aufbruch zu spiegeln schien. Vor allem der dänische Designer Verner Panton war offenbar fasziniert von den futuristischen Qualitäten des Chroms. Sowohl Vitra als auch Louis Poulsen präsentieren erstmals verchromte Versionen von Panton-Entwürfen, Vitra etwa eine limitierte Auflage des Panton Chair: die kühnen Kurven komplett verchromt wie die Stoßfänger eines Straßenkreuzers. Bereits in den frühen siebziger Jahren arbeitete Panton daran, seinen Kunststoffstuhl zu verspiegeln. Woran er damals noch scheiterte, wird heute möglich – dank einer metallisierten Mehrschichtlackierung. Ähnlich beim Leuchtenhersteller Louis Poulsen, der die Leuchte Panthella Mini nun auch ganz in Chrom im Programm hat. Diese Version geht ebenfalls auf eine Idee des Designers zurück, die Anfang der siebziger Jahre als nicht realisierbar galt.

          Die Konjunktur des Chroms lässt sich längst nicht nur an Klassikern messen: Junge Designer polieren wieder auf Hochglanz, nachdem jahrelang matt pulverbeschichteter Stahl oder Buntmetalle mit Patina die Materialien der Wahl waren. Der chinesische Gestalter Mario Tsai hat für das dänische Label Ferm Living eine kleine Ablage namens „Flying Shelf“ entworfen, die scheinbar vor der Wand zu schweben scheint. Die Aufhängung verbirgt sich in einer Kugel und einem Zylinder, beide chromglänzend. Ferm Living dazu: „Chrom war viele Jahre praktisch unsichtbar in der Designwelt, aber langsam kommt das Material zurück. Polierter Chrom schafft einen schönen Kontrast zu weichen Textilien, gedämpften Farben und Texturen.“ Chrom verweist auch auf einen anderen historischen Einrichtungsstil, das Art déco. Die kleine Tisch- und Wandleuchte „Journey“ von Signe Hytte für &tradition knüpft an diese Tradition an. Die Designerin kombinierte eine klassische Glaskugel mit einem rechteckigen, verchromten Sockel und ebenso verchromten Dimmer. Derweil kommt die neue Marke Northern rasant angerollt mit dem Barwagen „Loud“, dessen vollverspiegelter, abgerundeter Korpus an die Autos, Züge und Toaster der Streamline-Ära erinnert.

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