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Wohnungskäufer aus China : Kapital und gute Geister

Die Maklerin Lin Dattner kurbelt den Absatz von Wohnungen kräftig mit an. Bild: Michael Kretzer

In Deutschland kaufen immer mehr Chinesen Wohnungen. In Frankfurt beeinflusst das längst den Markt.

          5 Min.

          Es ist der 8. Juni, und Lin Dattner hat alles richtig gemacht. Das Datum für die Eröffnung des neuen Vertriebsbüros ihrer Agentur Anjia Immobilien & Consulting hat die Chinesin mit Bedacht gewählt. Die Acht gilt in China als Glückszahl, weil sie im Kantonesischen fast wie das Wort für Reichtum klingt. Die Sechs lässt hoffen, dass sich der Erfolg problemlos einstellen wird. Wenn man es wie Lin Dattner mit chinesischen Kunden zu tun hat, kann es nicht schaden, auf Zahlenmystik zu setzen und auf die Geister der Luft und des Wassers Rücksicht zu nehmen. Dass von dieser Seite kein Ungemach in den neuen Räumlichkeiten droht, hat eine Feng-Shui-Expertin bestätigt. Da war das Büro allerdings schon gemietet. Frau Dattner, im schwarzen Kleid und mit großem Jadeamulett, lächelt entspannt, während sie die Gäste begrüßt. Was sie angeht, hätte man sich die Sache mit den guten Vorzeichen auch sparen können. Der Standort ihres Ladenlokals in einem der neuen Wohntürme war ihr wichtiger. Von dort aus kann die Anjia-Chefin mit ihren Mitarbeiterinnen den Mehrfamilienhäusern und Hochhäusern im Frankfurter Europaviertel beim Wachsen zusehen. Und im Europaviertel ist Lin Dattner groß im Geschäft.

          Birgit Ochs
          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ausgerechnet, könnte man meinen. Denn das fast 90 Hektar große Gebiet gleich neben der Messe kommt nicht nur bei Architekturkritikern schlecht weg. Die Frankfurter fremdeln mit dem Neubaugebiet, was nicht nur an der kilometerlangen Straßenschneise namens Europa-Allee liegt, deren Qualität als Flaniermeile gegen null tendiert und die sich unbarmherzig durch das Viertel fräst. Im Volksmund hat ihr das den Namen Stalin-Allee eingebracht. Dazu die gebaute Langeweile, die links und rechts der Achse entstanden oder noch im Werden ist. „Die Deutschen“, hat Lin Dattner beobachtet, „haben noch gezögert, da haben die Chinesen hier schon gekauft.“ Dass die Käufer aus Fernost sich weniger schwer mit dem neuen Quartier tun, erklärt sie so: Chinesen lieben Neubauten. Mit einer romantischen Altbauwohnung mit knarzenden Dielen braucht man ihnen nicht zu kommen. Ferner schätzen sie eine zentrale Lage wie die Nähe zum Flughafen und Bahnhof.

          „Für Chinesen ist Frankfurt das Tor zu Europa“

          Seit 2008 vermittelt die Maklerin Immobilien an chinesische Kunden. Damit hat sie im Rhein-Main-Gebiet, wo allein in Frankfurt mehr als 16.000 Chinesen mit Erstwohnsitz leben, eine Marktlücke gefüllt. Doch mehr als für chinesische Expats ist ihre Agentur Anlaufstelle für Kunden aus China. Die entdecken den deutschen Wohnimmobilienmarkt und gehen bisher vor allem in der Stadt am Main auf Einkaufstour. Frankfurt sei aus Sicht der Europäer vielleicht nicht so bedeutend. „Für Chinesen aber ist es das Tor zu Europa“, sagt Lin Dattner in ihrer Eröffnungsrede. Dank ihrer Gäste herrscht auf dem breiten Bürgersteig weit draußen an der Europa-Allee an diesem Vormittag ausnahmsweise reger Trubel. Zwei Musiker sorgen mit der Laute Erhu und dem Saiteninstrument Yangqin für die passende chinesische Klangkulisse.

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