https://www.faz.net/-gz7-9asc8

Architektur : Comeback in Carbon

  • -Aktualisiert am

Schwarz und in den Felsen gebaut: Tiefgründiger Look auf Island Bild: Phaidon Verlag

Tiefgründiger Look: Immer mehr Neubauten sind schwarz. Früher in einigen Regionen zwingend, löst die Trendfarbe nun manch architektonische Weißheit ab.

          Im April wurde in Pforzheim hart verhandelt. Streitfrage war eine denkmalgeschützte Jugendstilvilla. Eine, die inklusive Treppen und Fensterscheiben komplett in Schwarz angestrichen war. Was für den Urheber, Andreas Sarow, der als Architekt genauso wie als Immobilienhändler und Aktionskünstler tätig ist, nicht mehr als „urbane, temporäre Kunst“ war, musste laut der Denkmalschutzbehörde sofort verschwinden. Sie befand Sarows schwarze Fassade als so fatal wie Schwarzfahren oder Schwarzarbeit und setzte die Strafe fürs Schwarzmalen mit 50.000 Euro Bußgeld an – obwohl das Haus nach nur kurzer Zeit wieder geweißt worden war. Vor etwa sechs Wochen wurde der Fall vor dem Amtsgericht Pforzheim verhandelt. Das Urteil sieht vor, dass Sarow 30.000 Euro an das Land Baden-Württemberg zahlen muss. Eine Berufung seinerseits ist noch offen.

          Man sieht, schwarze Häuser gefallen vielleicht nicht jedem – aber immer mehr Menschen. In den vergangenen Jahren sind zunehmend schwarze Gebäude aufgetaucht, in Metropolen wie San Francisco, New York oder London oder aber in menschenleeren Landschaften. So zum Beispiel das Haus am Bäumle in Lochau in Österreich, ein schmaler, aber hoher Bau, entworfen vom Architekturbüro von Bernardo Bader. Inmitten der dörflichen Struktur Lochaus sticht der schwarze Anstrich heraus. Allerdings sind die anderen Holzhäuser in der Gemeinde stark verwittert und dadurch ebenfalls dunkel. Genau zu dieser Gruppe sollte sich der Neubau einreihen, sagen die Architekten: „Außen greift das Fassadenkleid mit seiner schwarzen Färbung in der unmittelbaren Nachbarschaft noch vorherrschende Bilder von sonnenverbrannten landwirtschaftlichen Stadel auf.“ Das Haus am Bäumle soll diesen Anschein bewahren und sich als authentisch profilieren, nicht sich abheben.

          Die Stabkirche Urnes: Ein Unesco-Weltkulturerbe im Süden Norwegens Bilderstrecke

          Die Architekten hinter dem Haus Wieckin auf dem nicht minder ländlichen Darß verfolgten den gleichen Hintergedanken, als sie die Lärchenholzfassade schwarz anstrichen. Das Drempelhaus (oder auch: Kniestockhaus), eine neben den Reetdachhäusern für die Halbinsel an der Ostsee typische Gebäudeform, bei der die Dachschräge direkt auf der Mauer der Längsseite aufliegt, war üblicherweise als Scheune oder Nebengebäude gedacht und schon früher oft in Schwarz gehalten. Der Bauherr sagt, dass der Bezug zum Traditionellen ihn bei der Farbauswahl für den Außenanstrich des Ferienhauses inspiriert habe. „Außerdem wünschten wir uns ein Haus mit starken Kontrasten.“ Denn im Vergleich dazu erstrahlt das Ferienhaus innen in Weiß.

          Schwarz: kein Trend, sondern Tradition und Funktion

          Armin Pedevilla vom gleichnamigen Büro Pedevilla Architekten aus Bruneck in Südtirol hatte dieselbe Absicht, als er sein Wohnhaus und das dazugehörige Ferienhaus ebenfalls in Schwarz anstrich. Auch sein Ensemble im Pustertal hat vertikale Leisten aus Holz, die dunkel lasiert sind. Er ist selbst im Dorf aufgewachsen. Für ihn ist die schwarze Farbe kein Trend, sondern der Tradition geschuldet. Erstens wären neue, helle Holzplanken zu auffällig gewesen, da der Bau ohnehin schon mit großen Panoramafenstern im Vergleich zu den kleinen Fenstern der Bauernhäuser heraussticht. Zweitens ist die Farbwahl eine Reminiszenz an die gelebte Bauart der Region, als die Bauern ihre Holzhäuser durch Abflammen witterungsbeständiger machten.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Klimaaktivistin : Das Team hinter Greta

          Vor einem Jahr hat die schwedische Teenagerin Greta Thunberg ihre Schulstreiks begonnen. Heute ist sie weltberühmt und segelt über den Atlantik. Wir zeigen die Leute hinter ihr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.