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Architektur am Wasser : Mit Blick in die Unendlichkeit

Die Villa „The Muraka“ wirkt wie das Filmset eines Agententhrillers. Aus dem Unterwasser-Schlafzimmer kann man Fische und andere Meeresbewohner beobachten. Bild: Phaidon

Häuser am Meer sind Sehnsuchtsorte. Doch viele Küsten sind vom Klimawandel bedroht. Wie kann moderne Architektur am Wasser aussehen?

          2 Min.

          Die Küste war schon immer ein Ort für die Wagemutigen. Für Fischer und Seefahrer, Schmuggler und Marinesoldaten. Für Träumer und Abenteurer. Wer Sicherheit suchte, lebte lieber im Inland, wo man den Acker bestellen und nicht aufs Meer fahren musste, um satt zu werden. Oder in den Städten, die zwar am Wasser, aber meist von ihm abgewandt waren und wo dicke Mauern gegen Sturm, Flut und Piraten schützten.

          Judith Lembke
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Heute fällt den meisten Menschen in unseren Breitengraden Urlaub und nicht Gefahr ein, wenn sie ans Meer denken – auch wenn das angesichts des Klimawandels mancherorts wohl angebracht wäre. Einen gewissen Wagemut, direkt am Wasser zu bauen, braucht es noch immer. Die Landschaften sind oft unwirtlich oder nur schwer zugänglich, Überflutung und Erosion drohen. Wohnhäuser an der Küste sind dem Wetter besonders stark ausgesetzt, sie müssen starken Winden, Stürmen und praller Sonne trotzen.

          Vielleicht ist das Haus am Meer gerade deswegen ein Sehnsuchtsort für viele – abgeschieden und exklusiv. Der Blick auf die Weiten des Ozeans suggeriert ein Gefühl von Unendlichkeit. Keinen Tag sieht er gleich aus. Häufig spielt in Häusern mit Wasserlage deswegen auch nicht die Architektur die Hauptrolle, sondern das Panorama.

          Große Fensterfronten inszenieren die Ausblicke aufs Meer, während das Haus sich zurücknimmt, um in der Küstenlandschaft nicht aufzutrumpfen. Auch moderne Häuser orientieren sich an traditionellen Bauweisen, ob weiß gekalkt auf Ibiza oder den Kykladen oder reetgedeckt an der Nordsee. Spektakulär geht es natürlich auch: Häuser, die wie Yachten auf dem Meer liegen, auf Klippen sitzen oder darin zu versinken scheinen.

          James Bond-Feeling pur: Unterwasserschlafzimmer in den Malediven Bilderstrecke
          Architektur : „Am Meer leben“

          Das Buch „Am Meer leben“ aus dem Phaidon Verlag zeigt anhand von fünfzig Gebäuden, wie moderne Architektur an und auf dem Wasser aussehen kann. Die Häuser stehen in Ozeanien und Südamerika, Asien und Europa, aber ihnen ist gemein, dass sie ihre besondere Lage in Szene setzen.

          Am weitesten treibt es wahrscheinlich gleich das erste vorgestellte Projekt „The Muraka“, das nicht nur im Indischen Ozean vor einer Ma­lediveninsel liegt, sondern auch ein Unterwasser-Schlafzimmer hat, das in seiner Ästhetik stark an alte James-Bond-Filme erinnert. Durch eine Kuppel aus Acrylglas kann man vom Bett aus bunte Fische, Schildkröten und Rochen vorbeiziehen sehen. Beeindruckend ist die Lage allemal. Aber ob sie bei steigenden Meeresspiegeln auch nachhaltig ist?

          Andere Häuser nehmen die Topographie der Küste auf. Das in Chile am Pazifik gelegene Haus „Los Vilos“ des japanischen Pritzker-Preisträgers Ryūe Nishizawa bildet mit seinem wellenförmigen Betondach nicht nur den Ozean nach, sondern auch die Form der umliegenden Berge. Während ein Teil des Hauses sich in den Felsen einzugraben scheint, trotzt der andere Teil dem wilden Wetter. Es ist genau diese Spannung aus Anpassung an und Behauptung gegen diesen besonderen Nachbarn, der die besten Projekte des Buches ausmacht.

          Wer am Meer leben will, muss es ernst nehmen, ohne sich zu unterwerfen.

          Das Buch „Am Meer leben“ erscheint Ende September im Phaidon Verlag. Alle Abbildungen stammen aus dem Buch.

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