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Bodenbeläge : Worauf wir zu Hause stehen

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Neuerdings spielen zudem die eingangs erwähnten Vinylböden eine Rolle. Sie können jede Art von Holzmaserung nahezu perfekt nachahmen, weil sie nicht nur bedruckt sind wie Laminat, sondern auch eine richtige Prägung haben. Bisher ist ihr Marktanteil einstellig, doch laufen sie den anderen Varianten immer stärker den Rang ab, sagen die Branchenverbände: In Österreich verdränge das Vinyl bereits „in substantiellem Ausmaß das Laminat“, meldete jüngst der Branchenradar Bodenbeläge & Parkett. Es habe 2017 auch „erstmals signifikant den Parkettmarkt kannibalisiert“. In Deutschland ging der Laminatabsatz im vergangenen Jahr um 10 Prozent zurück, sagen die Zahlen des Herstellerverbands. „Bedingt durch den anhaltenden Substitutionstrend zu thermoplastischen Böden“, zu denen Vinylbeläge als Weiterentwicklung des PVC-Bodens zählen.

Kunststoffbeläge enthalten laut Zeitschrift „Ökotest“ gesundheitsschädliche Stoffe

Was die Kunden am Kunststoffbelag reizt? Dass er im Vergleich zu Echtholzparkett bei gleicher Optik mit rund 30 Euro je Quadratmeter nur die Hälfte kostet. Laminat geben die Verkäufer zwar noch günstiger ab, schon für 13 bis 15 Euro, aber im direkten Vergleich kann Vinyl punkten: Es sieht mehr nach Holz aus und ist erheblich robuster, das heißt, es zerkratzt nicht so leicht oder bekommt Druckstellen. So werben zumindest die Hersteller. Außerdem ist es leiser, wenn man darauf läuft.

Doch das besonders schlagende Argument: Vinyl ist pflegeleicht. „Die Menschen wollen nicht mehr mit Pflegemitteln hantieren, Holz ölen und bei jedem verschütteten Wasserglas bangen, dass Flecken zurückbleiben“, sagt Verkaufsmanager Steinmeier. Sie wollen auch nicht zusehen, wie sich am Laminat die Ecken aufbiegen oder sich Holz über die Jahre verfärbt und Blumentöpfe Ränder darauf hinterlassen, weiß Wohnpsychologe Linke aus seiner Beratungspraxis. Die meisten Leute wollen ein Material, das möglichst lange durchhält – und das man zudem kinderleicht verlegen kann.

Die vorgeschnittenen Dielen oder Fliesen sind oft auch noch selbstklebend. „Mit dem Vinyl ist das Thema ,Convenience‘ auch bei der Einrichtung auf bundesdeutschem Boden angekommen“, bringt es Herstellervertreter Steinmeier auf den Punkt. Die Bequemlichkeit, die wir beim Kochen längst entdeckt haben, hält nun auch beim Wohnen Einzug.

Trotz aller Vorteile sehen die Einrichtungsprofis den neuen Trend skeptisch. Denn Kunststoffbeläge sind ja nur deshalb so plastisch, fußfreundlich und formbar, weil sie mit künstlichen Zusatzstoffen versehen sind. Vinylböden kommen nicht ohne Weichmacher aus, räumen die Hersteller ein. Es gibt zwar diverse Umweltsiegel, zudem seien die Produkte in den vergangenen Jahren erheblich besser geworden, heißt es. Doch die Zeitschrift „Ökotest“ ist da anderer Ansicht. Sie bewertete im vergangenen Jahr acht von zwölf PVC-Böden als „ungenügend“. Ihrer Ansicht nach enthalten sie gesundheitsschädliche Stoffe, die sie auch freisetzen. Wohnpsychologe Uwe Linke schließt sich dieser Einschätzung an: „Das PVC ist nur auf dem Papier besser geworden, weil über die Jahre die Grenzwerte hoch gesetzt worden sind. Und es dünstet die Weichmacher jahrelang aus.“

Zudem kann es bauphysikalisch zum Problem werden, großflächig die Böden mit solchen Belägen zuzukleistern. Denn das Plastik atmet kaum, kann daher Feuchtigkeit nicht ableiten und begünstigt die Schimmelbildung unterm Belag. Gerade bei älteren Häusern müsse man das beachten, warnen Architekten. „Und der Nimbus, dass Vinyl ewig hält, ist natürlich auch Blödsinn“, sagt Dirk Steinmeier. Irgendwann werde der Boden rausgerissen, entweder aus optischen Gründen oder weil er eben doch abgenutzt sei – spätestens dann wird der Kunststoff zum Problem.

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