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Bau : Wenn Pfusch zum Albtraum wird

Deborah van den Boogaard und ihr Mann entschieden sich für den TÜV Rheinland. Der Prüfdienst bietet für etwa 3000 Euro einen Fünf-Phasen-Check von der Planung bis zur Abnahme an. Da schon ein Rohbau stand, hätten die Prüfer vier Phasen vorgeschlagen. Eine Prüfung der Pläne sei angesichts des fortgeschrittenen Baus nicht mehr nötig, habe es geheißen, so dass die Familie das Haus ohne diese Prüfung kaufte. Dafür vereinbarte das Ehepaar mit den Sachverständigen noch Zusatztermine und wähnte sich auf der sicheren Seite, zumal der TÜV die volle Garantie zugesichert hatte, wie es meint.

Tatsächlich monierten die Prüfer auch den ein oder anderen Schaden. So veranlassten sie, eine Drainage zu legen, um das drückende Wasser vom Gebäude fernzuhalten. „Das hat sich aber als nutzlos erwiesen“, sagt die Hausherrin. In dem sandigen Boden, wie er in dieser Gegend üblich ist, funktioniere das System nicht. Das Wasser läuft wieder zurück, nur der Sand wird weggespült.

Fehlentscheidungen trotz fremder Hilfe

Ein vorheriges Bodengutachten hätte sich empfohlen. Genau daran aber hapert es oft, wie Peter Burk vom Institut für Bauen und Wohnen in Freiburg berichtet. „Häufig ist gar nicht bekannt, mit welchen Bodenverhältnissen man es zu tun hat.“ Entsprechend würden Fehlentscheidungen getroffen. Diese Einschätzung bestätigt auch der Verband Privater Bauherren. Für den Verein zählt die Frage der Bodenbeschaffenheit zu den „neuralgischen Punkten“. Der VPB wie Burk raten daher, vor Aushub zu klären, ob der Boden für das geplante Vorhaben geeignet ist. „Und am besten vor Vertragsunterzeichnung“, sagt Eva Reinhold-Postina.

Im Fall des Hauses in Falkensee habe der TÜV keine Notwendigkeit für ein Bodengutachten gesehen, sagt Deborah van den Boogaard. TÜV-Sprecher Hartmut Müller-Gerbes spricht vom Problem der Familie als „sicherlich unangenehmem Einzelfall“. Näher möchte er sich nicht äußern, da das Verfahren vor Gericht noch läuft. Einen außergerichtlichen Vergleich hat das Prüfinstitut abgelehnt. „Wir brauchen eine Entscheidung der Richter“, sagt Müller-Gerbes lediglich.

Zweifel an den Checks

Deborah van den Boogaard und Martin Schulz fragen sich längst, was ein Check überhaupt bringt. Grundsätzlich eine ganze Menge, urteilen Fachanwälte wie Jörg Schudnagies (siehe Interview) oder die Bauherrenvertreter vom VPB. Sie weisen darauf hin, dass durch eine Prüfung Schäden nicht gänzlich vermieden, aber im Idealfall gemindert beziehungsweise rechtzeitig behoben werden können. Das fängt bereits bei der Bauleistungsbeschreibung an.

Nur ein kleiner Teil der Verträge entspreche den Mindestanforderungen, behauptet etwa Ingenieur Burk, der im Übrigen wenig von standardisierten Prüfangeboten hält. Er empfiehlt eine individuelle Begutachtung. „Vier Prüftermine, die die Arbeit des Bauleiters nicht ersetzen können, sind sicherlich das Minumum“, stimmt Jörg Berner von Dekra zu. Das aus vier Terminen bestehende „Paket“ der Dekra nennt er ein zusätzliches Instrument, um die Bauqualität zu sichern.

Für Familie Schulz-van den Boogaard kommen all diese Hinweise zu spät. Sie hofft derzeit nur noch eins: „dass das Haus endlich nicht mehr unser Leben beherrscht“.

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